Sexuelle Belästigung von Frauen in Schaffhausen

Autor
Ralph Denzel

Die Initiative «Ist Luisa da?» soll Frauen schnell und unkompliziert Hilfe bei sexueller Belästigung im Ausgang bieten. Wie ist die Situation in Schaffhausen?

Nicht erst seit der #MeToo-Debatte ist sexuelle Belästigung in Clubs und Bars ein Thema. Wie ist es in Schaffhausen? Bild: Pixabay

Jedes Wochenende soll es passieren. Wenn Feierwillige in Clubs und Bars gehen, steigt der Alkoholpegel oft im gleichen Masse wie die Hemmungen mancher sinken. Manche Männer werden dann übermütig – und irgendwann akzeptieren manche auch das deutliche «Nein» des Gegenübers nicht mehr. Meistens sind Frauen die Leidtragenden in so einer Situation.

In Deutschland und seit Kurzem auch in der Schweiz gibt es die Initiative «Ist Luisa da?». Mit dieser Frage können Frauen schnell und unkompliziert bei Club- und Barpersonal auf sich aufmerksam machen und Hilfe bekommen.

Auch in Schaffhausen ist «Luisa» und alles was damit zusammenhängt ein Thema, wie Chris Speichinger vom «Cuba Club» auf Anfrage berichtet. Seiner Erfahrung nach fällt es den Leuten «immer leichter, die Grenzen zu überschreiten». Dann komme es zu «einem Klaps auf den Po» oder dass die Flirtenden eben ein «Nein» nicht akzeptieren wollen und weiter nachdrängen. Das Problem ist in Schaffhausen bekannt. «Sexuelle Belästigung wird bei uns sehr ernst genommen», sagte auch Pascal Bührer vom «Kammgarn».

So wird mit sexueller Belästigung in Schaffhausen umgegangen

Einig sind sich viele Clubbesitzer in einem: Ein solches Verhalten wird nicht toleriert. «Wer erwischt wird, bekommt rigoros Hausverbot», sagt Speichinger.

Ähnlich verhält es sich auch in der «Tabacco Lounge». «Unsere Türsteher passen da gut auf», sagt Patrik Gisi. Wenn es zu Vorkommnissen käme, würden die betreffenden Personen «sofort rausgeworfen.»

Auch im «Güterhof» gibt es laut Barchef Juan Torrecillas bei sexueller Belästigung keine Toleranz. «Wenn wir das mitbekommen, fliegt die Person raus – ist es ein grober Verstoss, rufen wir auch die Polizei.» Das Vorgehen der Betreiber ähnelt sich. Auch Das «Kammgarn» verfolgt diese strenge Regelung: «Unser Sicherheitspersonal ist angewiesen, Meldungen von sexueller Belästigung ernst zu nehmen und umgehend zu verfolgen, sowie die betroffene Person zu schützen.» Wird jemand erwischt, dann werden dort «die Personalien aufgenommen und in vielen Fällen auch von der Veranstaltung weggewiesen.»

Problematisch ist die Situation aber trotzdem. Einerseits sorgt ein strenges Vorgehen gegen aufdringliche Verehrer für Sicherheit, aber andererseits steht oft die Frage im Raum, wo genau die Belästigung anfängt (Definitionsversuch siehe links).

Oft ist es auch schwierig für die Betroffenen darüber zu sprechen. Chris Speichinger erinnert sich da an einen besonderen Fall. Eine laut seiner Aussage «sehr taffe» Aushilfe wurde während ihrer Schicht ebenfalls begrapscht. Dieser Vorfall sei sehr verstörend für sie gewesen. «Ich habe gemerkt, etwas stimmt mit ihr nicht», erinnert er sich. «Ich musste ihr den Grund aber mehr oder minder aus der Nase ziehen». Was war passiert: Ein Gast habe ihr auf den Po geschlagen «als sei es das natürlichste auf der Welt.»

Auch davor will die Initiative «Ist Luisa da?» schützen. Im Idealfall werden dann keine weiteren Fragen gestellt und die Frauen einfach in Sicherheit gebracht. Oft braucht es in solchen Fällen nämlich eine Weile, wie das Beispiel oben auch zeigt, um über den Vorfall zu sprechen. Das weiss auch Patrik Gisi. «Wenn etwas passiert, ist es wichtig, dass wir versuchen mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen.» Seiner Meinung nach sei es wichtig, die Gäste für dieses Thema zu sensibilisieren. Könnte «Ist Luisa da?» hierfür eine Lösung sein?

«Ist Luisa da» in Schaffhausen

In Schaffhausen ist die Initiative bekannt, wird aber noch nicht umgesetzt. «Interesse ist da», sagt zum Beispiel Juan Torrecillas vom «Güterhof». Bisher habe man vor Ort jedoch noch keine Notwendigkeit für diese Initiative gesehen. «Wenn etwas bei uns passiert, kommen die Betroffenen auch so zu uns. Dann können wir die weiteren Schritte mit ihnen besprechen.» Im besten Fall reicht es, die beiden Betroffenen zu trennen. Fühlt sich eine Frau dann jedoch immer noch unsicher, würden die Türsteher diese auch mal zu Auto begleiten. «Dann sind wir alle auf der sicheren Seite.»

Auch Patrik Gisi ist an der Initiative interessiert. Sie könne helfen «Hemmschwellen abzubauen». Umgesetzt wurde sie aber noch nicht.

Im «Cuba Club» ist Luisa hingegen ein grosses Thema. «Wir sind gerade dabei uns zu überlegen, wie wir das am geschicktesten umsetzen», erzählt Speichinger.

Was, wenn es eigentlich gar kein Opfer gibt?

Ein Problem haben die Clubs und Bars jedoch auch mit Luisa: Was, wenn die angeblich Belästigte nur das Gegenüber rausgeworfen haben will? «Auch sowas kommt leider vor», so Speichinger. Auch die anderen Clubs kennen dieses Problem und wissen, wie schwierig das Verhalten in so einem Fall ist. «Am sichersten ist es, wenn wir die Situation mit eigenen Augen gesehen haben», meint Torrecillas. Dann gäbe es keinen Interpretationsspielraum und man könnte entsprechend reagieren. Vor allem bei Partybetrieb mit vielen Feiernden könne es jedoch schwierig sein, die Situation richtig zu deuten. Daher wäre es wünschenswert, dass die Betroffenen sich sofort melden und erklären, was passiert ist. «Wir hören beide Seiten an um zu entscheiden, wie wir weiter vorgehen.» Das Kammgarn stellt ebenfalls die beschuldigte Person zur Rede, dann wird «alles Weitere eingeleitet». 

Warum diese Initiative?

«Ist Luisa da?» könnte die Scham senken, die mit einer sexuellen Belästigung einhergeht. Laut der Universität Bern habe diese immer auch etwas mit Dominanz zu tun. Mit Erotik oder sexueller Anziehung habe sexuelle Belästigung nichts zu tun. Aus diesem Motiv soll der neutrale Satz es für viele Frauen leichter machen, direkt aus der Gefahrensituation herauszukommen. Sie müssten sich nicht rechtfertigen oder erzählen, was passiert ist. Ein schneller Satz für schnelle Hilfe.

Das Thema sexuelle Belästigung ist nicht erst seit Aufkommen der #Metoo-Debatte aktuell und sollte nicht untergehen. Letztlich leiden schliesslich alle darunter. Gäste, die in die Clubs gehen und sich nicht sicher fühlen können, aber auch die Betreiber selbst. «Letztlich schadet uns das genauso», meint Chris Speichinger. «In den letzten Jahren ist so wenig in diesem Bereich geschehen – jetzt ist Zeit, dass man gegen sexuelle Belästigung etwas macht.»

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