Schock-Flyer über Tierquälerei im Umlauf: Was die Urheber damit wollen

Autor
Ralph Denzel

Derzeit findet man immer wieder Flyer mit Bildern von gequälten Hunden und einer verstümmelten Katze. Dahinter steckt ein Veganer-Laden in Schaffhausen. Die Urheber wollen nach eigener Aussage nicht schockieren, sondern informieren.

Im Video erfahren Sie, was die Urheber dieses Flyer wollen.

Der Laden ist klein und übersichtlich. Er erinnert an eine Zeit, als grosse Supermärkte wie Coop und Migros eher die Seltenheit waren und man beim «Tante-Emma-Laden» um die Ecke seine Einkäufe tätigte. Auf wenigen Quadratmetern finden Tiefkühlregale, eine Abteilung mit Waschartikeln und allerlei andere Produkte für den täglichen Gebrauch - alles aber ein bisschen kleiner und «vegan». 

Hinter der Theke des «littl shop of ethics» in der Schaffhauser Altstadt steht Christof Stelz. Er lächelt freundlich jeden Kunden, der durch seine Ladentür tritt, durch seinen dichten Vollbart an. Mit den meisten ist er per Du. «Die vegane-Szene in Schaffhausen ist nicht so gross wie zum Beispiel in Winterthur oder Zürich», erklärt er. Aber alleine von dieser lebt er sowieso nicht. Oft kommen auch Leute in den Laden, die «vegan» nur mal ausprobieren wollen. «Wir haben viel Kundschaft, die einfach etwas Spezielles suchen.»

Vegan ist nicht nur ein Ernährungsstil, es ist eine Lebenseinstellung, sagt Stelz. «Wenn sich jemand entscheidet vegan zu leben, dann kommt irgendwann die ethische Komponente ganz automatisch dazu.» Ein Blick auf seine Theke verdeutlicht, was er damit meint.

Neben Broschüren für PETA und Informationsmaterial über veganes Leben, liegt dort auch ein Stapel Flyer, die auf den ersten Blick nicht so recht in den Laden passen wollen. Auf der einen Seite sieht man das Bild einer Katze. Dem Tier wurde die Haut abgezogen. «Das passiert bei lebendigen Leib, ohne Betäubung oder Bolzenschuss», sagt Stelz. Seine Stimme ist dabei immer noch sanft wie bei der Begrüssung, während er davon spricht, aber es schwingt Traurigkeit mit. «Die meisten Leute wissen nicht, woher die Pelze kommen.» Neben dem Foto der toten Katze ist ein Bild einer Baumwollmütze, wie man sie in fast jedem Laden kaufen könnte, oder wie man sie vielleicht sogar Zuhause hat. Der Bommel auf dem Kopf soll aus Katzenfell sein. Auf roten Grund prangert darunter die Frage: «Trägst Du Deinen Pelzbommel immer noch mit gutem Gewissen?»

Stelz hat die Flyer entworfen und bietet sie über seine Facebook-Seite und im Laden kostenlos an. «Der littl‘ shop versorgt euch mit ... selbst gebastelten Flyern, die die Perversion auf den Punkt bringen. Kein bla bla drum rum», schreibt der Laden dort. «Bla, bla» ist auf dem Flyer wirklich nicht zu finden. Es bildet eine Realität ab, die viele gerne ausblenden möchten, sagt Stelz. «Viele wissen es nicht, oder es ist ihnen egal.»

 

Was will er mit den Flyern erreichen? Will er reformieren, schockieren oder ist das alles nur ein geschickter Marketing-Gag? «Es geht mir hier nur um das Tierwohl», sagt Stelz.

Dass die Bilder auch Kinder sehen könnten, ist ihm dabei bewusst. «Es ist nicht schön, aber leider auch die Realität in der wir leben.» Er sieht die Aktion eher als Versuch der Informationsvermittlung. «Ich will niemandem einen Lebensstil aufdrängen.»

Ob die Schockbilder wirklich ein Umdenken bei den Leuten bewirkt, muss sich zeigen. Bisher habe er auf seine Aktion aber nur positive Reaktionen bekommen. Der Wille zur Veränderung und zu einem bewussteren Konsum, wie Stelz es nennt, scheint also bei vielen vorhanden zu sein.

#1

Auch ich steh voll und ganz hinter der Info die auf dem Flyer zu sehen ist. besonders junge Menschen sollten sensibilisiert werden. Ihr könnt nicht einfach nach dem Motto leben"ist mir egal" es geht um Lebewesen. Bitte denkt darüber nach. Danke an die Initiatoren des Flyers. Tolle Aktion ! Weiter so

#2

Endlich mal jemand, der zeigt, wie die Welt wirklich funktioniert. Super Aktion! Weiter so!

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