Industrievereinigung will gegen SVP-Initiative kämpfen – und tauscht sich mit dem Flughafen-Boss aus
Dass das wirtschaftliche Umfeld rau ist, spüren nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Industrievereinigung IVS – das wurde an der Mitgliederversammlung klar, an der mit dem CEO des Flughafens Zürich ein prominenter Talk-Gast gewonnen werden konnte. Im laufenden Jahr fürchtet sie sich vor der 10-Millionen-Initiative.
Fragt man bei grösseren Unternehmen nach, was sie am Standort Schaffhausen und Umgebung schätzen, wird ein Kriterium immer wieder genannt: die Nähe zum Flughafen Zürich. Auch die Industrievereinigung Schaffhausen (IVS) weiss um die Wichtigkeit des internationalen Drehkreuzes in einer Fahrtdistanz von rund 40 Minuten für hiesige Firmen. Sie lud deshalb den CEO der Flughafen Zürich AG, Lukas Brosi, an ihre Mitgliederversammlung zu einem Talk ein.
Als «Hochleistungsbetrieb» und «europäische Drehscheibe» bezeichnete auch Moderator Thomas Moser den Flughafen, der im letzten Jahr über 32 Millionen Passagiere und 270’000 Flugbewegungen verzeichnete. Die rund 220 Gäste in der Neuhauser Rhyfallhalle hatten zu jenem Zeitpunkt bereits anderthalb Stunden den IVS-Co-Präsidenten und Kommissionsvertretern gelauscht – doch Brosi ist Profi darin, vor einem grösseren Publikum zu sprechen. Nicht selten muss er an Gemeindeversammlungen vor ungleich kritischeren Zuhörerinnen und Zuhörern darlegen, warum sie von einer Änderung im Betriebsreglement negativ betroffen sind. «Ich habe eine relativ lange Zündschnur», sagte er schulterzuckend. Es war ihm ein Leichtes, die Aufmerksamkeit vor dem späteren Apéro hochzuhalten.
«Man muss immer dranbleiben»
«Wir investieren jeden Tag eine Million Franken in den Erhalt und die Wertentwicklung des Flughafens», sagte der CEO zu Beginn. Von den Kunden werde das auch erwartet; wenn diese an anderen Flughäfen die neueste Sicherheitskontrolle sehen, bei der Laptops und Flüssigkeiten im Gepäck bleiben dürfen, dann wollen sie diesen Komfortgewinn auch in Zürich sehen. «Diese Technologie kostet 40 Millionen Franken. Das zeigt: Man muss immer dranbleiben.»
«Wir investieren jeden Tag eine Million Franken in den Erhalt und die Wertentwicklung des Flughafens.»
Selbiges gelte auch für die Planung. Hier sei es das Ziel, Wartezeiten zu vermeiden. Schwierig zu organisieren sei aber nicht der erste Tag der Sommerferien, wo es erwartungsgemäss «einfach viele Leute hat» (bis zu 120’000 pro Tag). Anspruchsvoll seien jene Dienstagnachmittage, bei denen etwas Unvorhergesehenes passiert. «Die Pünktlichkeit ist sicher etwas, wo wir besser werden wollen», sagte Brosi, wenngleich oft Wind und Wetter an Verspätungen schuld seien.
Auch Themen wie Iran-Krieg, Flugscham und Fluglärm vermochte Brosi, der seine Funktion als eine Mischung aus Stadtpräsident und Hotelier bezeichnet, souverän zu beantworten. Dass nur Zürich und die nähere Umgebung einen Nutzen aus dem Flughafen ziehen würden und alle anderen nicht, verneinte der Direktor allerdings. Das ganze Land profitiere davon: «Wir sind eine kleine Volkswirtschaft, die überdurchschnittlich gut an die Welt angebunden ist – dank der Landesflughäfen Zürich, Genf und Basel.»
Eine weitere Nacht für die Industrie?
Auch von der Mitgliederversammlung der IVS selbst gab es Interessantes zu berichten. So sind aktuell 256 Firmen mit rund 15’700 Mitarbeitenden Mitglied der Vereinigung, beide Zahlen konnten im Vergleich zum Vorjahr zulegen.
Im laufenden Jahr hat die IVS ganz besonders die Initiative zur 10-Millionen-Schweiz im Blick. «Wir werden sicher an einer Nein-Kampagne mitmachen, wir müssen uns aber überlegen, ob wir selbst noch etwas unternehmen», sagte Martin Vogel, der die Wirtschaftsvereinigung gemeinsam mit Bernhard Klauser und Thomas Kellenberger präsidiert. «Für die Wirtschaft ist das eine gefährliche Initiative. Ohne Wachstum gibt es nicht mehr Wohlstand.» Man ärgerte sich, dass das Parlament keinen Gegenvorschlag präsentiert hatte, um die «positive Migration» zu kanalisieren.
«Für die Wirtschaft ist die Initiative zur 10-Millionen-Schweiz gefährlich. Ohne Wachstum gibt es nicht mehr Wohlstand.»
Neben der Wahl Severin Brünggers in den Ständerat konnte auch die erste Schaffhauser Industrienacht als Erfolg für die IVS verbucht werden. Eine zweite Auflage ist angedacht, aber wohl eher in einem Dreijahresrhythmus, verriet Kellenberger.
Nach Grussbotschaften von Regierungspräsidentin Cornelia Stamm Hurter und Gemeindepräsident Felix Tenger winkten die 72 anwesenden Stimmberechtigten alle Geschäfte durch. Aus dem Vorstand verabschiedet wurden Frank Kirgis und Claus Martini, dafür konnten mit Pascal Behr, Michael Mundt und Martin Walther drei neue Mitglieder gewonnen werden. Sie alle wurden einstimmig gewählt.