Keine Rosen zum Valentinstag: Diese Floristin hat eine bessere Empfehlung
Volles Programm für Lisa Diana Gretener, die in Feuerthalen ein Floristikgeschäft führt: Erst veröffentlicht ein renommiertes Magazin Fotos ihrer Werke, und bald steht der Tag der Liebenden vor der Tür. Warum sie kein Fan von Kitsch ist und lieber nicht auf die «fliegenden Holländer» setzt.
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Stundenlang schleppte Lisa Diana Gretener Blumen, Vasen, Pflanzen und Werkzeug in den tiefen Feuerthaler Wald. Der Grund: Die Floristin, die in der nördlichsten Zürcher Gemeinde ihr eigenes Blumenfachgeschäft namens «Blumerei» betreibt, wurde vom renommierten Fachmagazin «Florist:in» zu einem Fotoshooting eingeladen. Die Ergebnisse wurden nun in der jüngsten Ausgabe publiziert: Sorgfältig arrangierte Blumengestecke auf einem von Moos bedeckten Baumstrunk sowie Schneeglöckchen, eingebettet in drei weisse, organische Gefässe, welche von Hand mit Wickeldraht angefertigt wurden, sind nur zwei der sehenswerten Kompositionen.
Die Vorbereitungen dazu empfand Gretener aber alles andere als mühsam. «Wir Floristen sind etwas durchgeknallt», sagt die 36-Jährige darauf angesprochen mit einem Lachen. «Schleppen gehört zu unserem Job dazu. An manchen Tagen sind wir 13, 14 Stunden auf den Beinen. Darum war das Shooting nicht besonders anstrengend, sondern im Gegenteil ein wahnsinnig tolles Erlebnis.»
Ohne Plan B in den Wald
Im Vorfeld feilte sie ausgiebig an einem passenden Konzept. Ein Thema beschäftigte Gretener ganz besonders: der Gegensatz zwischen Natürlichem und Künstlichem. «Als Floristinnen und Floristen reissen wir ein Naturprodukt aus der Erde und erzeugen damit etwas Künstliches, das natürlich aussehen soll», erklärt sie. Darum wollte sie unbedingt, dass die Bilder im Wald geschossen werden: einem scheinbar unberührten Ort, an dem die pure Natur herrscht. «Ein Spiel zwischen den beiden Welten sollte es werden. Ich hatte diese Idee im Kopf und wusste: So werden wir das machen.» Einen Plan B hatte sie nicht – und brauchte sie zum Glück auch nicht.
«Wir Floristen sind etwas durchgeknallt.»
In ihrer Lieblings-Installation schweben Frühlings-Paletten an Seilen frei zwischen den Bäumen. Eine unwirkliche Szene, deren Einzelteile dennoch natürlich wirken. Für das Foto hat ihr Freund, der Zimmermann ist, extra eine Konstruktion mit Holzlatten gebaut, an welcher die Seile befestigt sind. Auf dem Bild ist von dieser nichts zu sehen.
Natürlichkeit ist für die junge Floristin auch bei ihren Blumen von grosser Bedeutung. Oft nutzt sie gesandete, schlichte Keramikvasen, um die Pflanzen zu präsentieren. «Blumen wachsen aus dem Boden. Die Gefässe symbolisieren für mich auch die Erde», sagt sie. Demnach sollen diese zurückhaltend sein. «Die Werkstücke stehen im Vordergrund und sind der Star der Show.»
«Fliegender Holländer»? Lieber nicht
Ihre Blumen kauft Gretener, wenn möglich, frisch an der Zürcher Blumenbörse, die morgens um 5 Uhr ihre Tore öffnet. Um 9 Uhr geht dann, zumindest von Donnerstag bis Samstag, der Laden auf. Lange Tage sind dabei keine Seltenheit, denn Lieferungen – etwa für Hochzeiten, Beerdigungen oder Firmenanlässe – stehen ebenfalls auf dem Programm. «Bei einer Trauung liefern wir am Morgen an verschiedene Locations. Den Abbau machen wir am Tag danach. Wir sind dann wie unsichtbare Heinzelmännchen», sagt die Floristin. Das Business sei härter, als man vielleicht gemeinhin annehme. Um zu überleben, müsse man «viel arbeiten und viele Sträusse verkaufen», sagt die Schaffhauserin. Kein Beruf, um reich zu werden, sondern eine Passion.
Dass die Blumen aus der Nähe kommen, wenn möglich aus der Schweiz oder notfalls aus Nachbarländern wie Frankreich oder Italien, ist der 36-Jährigen sehr wichtig – und auch, dass sie den Zustand der Pflanzen sowie die Farbkombinationen vor Ort begutachten kann. Darum kommt ein «fliegender Holländer», also ein Händler, der bestellte Ware (meist aus den Niederlanden) mit dem Lastwagen bringt, für sie nicht infrage. «Schliesslich sind wir ein Fachgeschäft. Wir haben ein gutes, regionales Angebot, und die Kundschaft schätzt das», so Gretener.
«Als Floristinnen und Floristen reissen wir ein Naturprodukt aus der Erde und erzeugen damit etwas Künstliches, das natürlich aussehen soll.»
Blumen haben nach wie vor einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft, ist die Floristin überzeugt. «Blumen sind eine emotionale Sache.» In unserer Kultur seien sie etwa ein wichtiges Symbol bei Abschied oder Beerdigungen. «Wir schätzen es, unseren Liebsten noch etwas Letztes auf die Reise zu schenken.» Aber auch an freudigen Anlässen wie einer Hochzeit darf der Blumenschmuck und insbesondere der Brautstrauss nicht fehlen. Nach wie vor sind Blumen ein beliebtes Mitbringsel und eine schöne Geste. Für eine Privatperson, da macht Gretener keinen Hehl daraus, sind sie indes ein Luxusprodukt, das sich im Alltag nicht jeder leisten könne. Viel floristisches Handwerk fliesst jeweils in ein Werkstück, dafür kann es mit hoher Qualität, Regionalität und langer Haltbarkeit bestechen.
Keine roten Rosen zum Valentinstag
Bald ist Valentinstag: neben Muttertag und der Weihnachtszeit einer der wichtigsten Tage für ein Blumengeschäft, es «räblet» um einiges mehr als sonst. Das bedeutet: Extraschichten und eine sorgfältige Planung. «Es hilft uns enorm, wenn Blumen im Vorfeld bestellt werden», sagt Gretener. Im Gegensatz dazu ist es etwa während der Herbstferien sehr ruhig. Die Geschäftsführerin freut sich auf den Tag der Liebenden, Kitsch kommt ihr aber nicht in den Laden. «Rosensträusse und Plastikherzen wird es bei uns nicht geben», sagt sie.
«Rosensträusse und Plastikherzen wird es bei uns nicht geben.»
Rosen finden sich übrigens gerade im Winter kaum in Greteners Geschäft, man müsste sie von weit her importieren, was sie nach Möglichkeit vermeidet. Für den Valentinstag werden auch zahlreiche rote Rosen – die aufgrund der hohen Nachfrage zu höheren Preisen veräussert werden – genau auf das Datum gezüchtet. «An ihnen würde man nicht lange Freude haben. Dafür haben Ranunkeln Saison, die sehr ähnlich aussehen», sagt die Expertin. Je nach Jahreszeit sind verschiedene Blumen- oder Pflanzensorten beliebt, im Frühling neben Ranunkeln etwa Tulpen, im Mai sind Pfingstrosen besonders gefragt, und im Herbst wollen die Menschen Sträucher mit Hagebutten kaufen. Das Wichtigste für Gretener ist, dass den Pflanzen genügend Platz gewährt wird, um sich zu entfalten. «Blumen dürfen verspielt sein und wachsen. Zwar ist ein Strauss künstlich erstellt, aber das natürlich Gewachsene soll immer im Zentrum stehen.»