Tipps von der Floristin: So gelingt der schönste Wiesenblumenstrauss

Elisabeth Anna Rufener | 
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Floristin Melanie Schneider erklᅢᄂrt, wie man einen Wiesen- und Feldblumenstrauss macht., Melanie Schneider, Leben & Genuss, Mittwoch, 13.05.2026, Beringen (Roger Hofstetter/Schaffhauser Nachricht
Meisterfloristin Melanie Schneider liebt Wiesen- und Feldblumen. Bild: Roger Hofstetter

Blumensträusse binden sei wie tanzen, erklärt die Meisterfloristin Melanie Schneider. Sie nimmt uns mit in ihr Atelier Kornrose in Beringen und zeigt, wie man einen schönen Strauss aus Wiesen- oder Gartenblumen bindet.

Erinnern Sie sich noch, wie Sie als Kind Wiesenblumen pflückten, vom gelben Hahnenfuss zur lila Witwenblume, zum blauen Salbei, zum weissen Kerbel und wieder zum Hahnenfuss hüpften und da noch einen violetten Natternkopf, eine blasse Silene und unbedingt noch den Mohn, der beim Pflücken seine roten Blätter fallen liess, und diesen Grashalm auch noch mitnahmen und dann stolz den kleinen Strauss der Mutter oder dem Götti brachten?

«Gehen Sie mit kindlicher Neugier und Freude hinaus und sammeln Sie Blumen», empfiehlt uns die Meisterfloristin Melanie Schneider, die ihre Naturwerkstatt für unser Fotoshooting einen ganzen Nachmittag reserviert hat und uns Schritt für Schritt zeigt, wie aus gepflückten oder gekauften Blumen ein harmonisches Bouquet wird.

Melanie Schneider ist in Ramsen aufgewachsen und hat nach der Schule in einem Garten- und Blumengeschäft eine Lehre als Floristin gemacht. Nach der LAP arbeitete sie zunächst in einem Blumengeschäft in Thayngen, ging dann nach Südafrika, arbeitete dort als Floristin und erkundete das Land. Das sei für sie ein Jahr mit vielen prägenden Erlebnissen gewesen, erzählt sie und berichtet, wie sie nachher eine Stelle im Fünf-Sterne-Hotel «Alpina» in Gstaad annahm, wo sie ganz alleine für die Floristik verantwortlich war. Ihr «floristisches Daheim», wie sie sagt, fand sie erst später in der «Blumerei Feuerthalen», aber nach neuneinhalb Jahren zog es sie ins Engadin in die edle «Blumengalerie» in St. Moritz.

Natur im Kloster

Ein eigenes Geschäft wollte sie eigentlich gar nie, aber als sich dann in Beringen die Gelegenheit ergab, das Ladenlokal an der Schleitheimerstrasse zu übernehmen, sagte sie zu. Es sei eine harte Zeit gewesen, die sie an ihre Grenzen gebracht habe, denn gleichzeitig schloss sie ihre zweijährige Ausbildung zur Meisterfloristin an der Akademie für Naturgestaltung im Stift Zwettl (Österreich) ab.

Wir könnten der Meisterfloristin noch stundenlang zuhören, aber wir wollten ja lernen, wie man einen schönen Strauss bindet. Für ein Bouquet wie auf unseren Bildern braucht es etwa 50–70 geputzte Stiele, also ziemlich viel. Es soll später nicht ein Besen, sondern ein kuppelförmiger Strauss in der Vase stehen, deshalb nehmen wir drei Stiellängen, die wir uns auf der Arbeitsfläche bereitlegen oder noch besser in drei Gefässen bereitstellen: lange Stiele, mittlere und kurze Stiele.

Wir fassen mit der Arbeitshand einen langen Stiel, legen ihn in die andere Hand, schräg über die angewinkelten Ring- und Kleinfinger, und halten mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger das immer grösser werdende Bündel. Diese Handhaltung ist absolut wichtig, damit es einen schönen, regelmässigen, spiralförmig gebundenen Strauss gibt. Nun nehmen wir wieder einen langen Stiel und legen ihn leicht schräg über den ersten. Jetzt fassen wir mit der Arbeitshand die Stiele unter der anderen Hand kurz zusammen, drehen die Kreation ein wenig um ihre Achse und lassen die Arbeitshand gleich wieder los.

Von längeren Stielen arbeiten wir zu mittleren zu kürzeren Stielen immer im gleichen Rhythmus. Ein, zwei Stiele dazulegen, mit der Arbeitshand zusammenfassen, leicht um die Achse drehen, Arbeitshand loslassen, nächsten Stiel dazulegen, fassen, drehen, loslassen. Legen, fassen, drehen, loslassen … «Das ist doch wie ein Tanz», erklärt Melanie Schneider, «wie Salsa», ergänzt sie und lacht. Sie lacht oft und herzlich und es sprudelt nur so aus ihr heraus.

Quelle der Inspiration

Manchmal werde sie gefragt, ob sie im Internet nach Ideen suche. Welche Frage! Sie findet Anregungen in der Natur, in ihrem verwunschenen Garten, im Wald, am Rhein, in der Architektur, in der Mode – ja, einfach überall! Das Geschäft ist von Dienstag bis Samstag geöffnet, aber eigentlich ist sie immer mitten im Gestalten, mittendrin in der Natur, selbst Teil der Natur, mitten in der Fülle des Lebens. Sollte diese Quelle dereinst versiegen, gäbe sie den Beruf auf und würde etwas anderes machen. Einfach freudlos einen Job erledigen, käme für sie nicht infrage.

Und schon erzählt sie weiter, wie sie im Laden jede Woche ein anderes Thema gestaltet, mal das Thema Wildblumen, dann das Thema Blau oder das Thema Grün oder irgendetwas anderes, was ihr spontan einfällt und zur Saison passt. Das Thema dieser und nächster Woche ist der Dreiklang von zart-kühlen Blau- und Grüntönen, aufgehellt mit Weiss.

Floristin Melanie Schneider erklᅢᄂrt, wie man einen Wiesen- und Feldblumenstrauss macht., Leben & Genuss, Mittwoch, 13.05.2026, Beringen (Roger Hofstetter/Schaffhauser Nachricht
Der prachtvolle Wiesen- und Feldblumenstrauss, den auch Sie zaubern können. Bild: Roger Hofstetter

Wer bei ihr jede Woche einen Strauss roter Rosen möchte, müsste das vorbestellen, denn manchmal gibt es passend zum Thema ausschliesslich pastellfarbene Blumen oder Wildrosen oder eine Woche lang gar keine Rosen. Sie ist Künstlerin und man darf sich überraschen lassen. Das Aargauer Kunsthaus zeigte kürzlich wieder eine grosse Ausstellung, die Bilder von namhaften Künstlern floralen Installationen gegenüberstellt. Melanie Schneider hat zu einem Bild von Stefan Gritsch ein imposantes Kunstwerk aus Naturmaterialien geschaffen.

Und nicht vergessen: Wenn der Strauss fertig gebunden ist, Stiele schräg anschneiden und in handwarmes Wasser stellen. Versuchen Sie es auch, es gelingt bestimmt.

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