Und ab die Post: So arbeitet die grösste Zustellzentrale der Region in Beringen

Kay Fehr | 
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Reportage aus der Annahmestelle Logistik der Post, fotografiert am Mittwoch, 12. November 2025, in Beringen. (Roberta Fele / Schaffhauser Nachrichten)
Zalando, Brack und Amazon: Die Post muss immer mehr Pakete ausliefern. Auch das ein Grund, warum die Zustellstelle Beringen gebaut wurde. Ein Blick hinter die Kulissen. Bilder: Roberta Fele

In Beringen hat die Post seit diesem Jahr ihre neue Zustellstelle. Über 2,5 Millionen Pakete werden von hier aus jährlich an mehr als 45’000 Haushalte in der Region verschickt. Die SN durften einen Blick in den Post-Bienenstock werfen.

Kurz nach 7 Uhr liegt Beringen noch im dichten Morgennebel. Dennoch herrscht auf der Hauptverkehrsachse bereits reger Betrieb: Pendler warten am Bahnhof Beringerfeld auf ihren Zug oder stehen an der Schaffhauserstrasse am baustellenbedingten Rotlicht. Nur ein Steinwurf dahinter steht seit diesem Jahr eine Halle, grösser als ein Fussballfeld. Im Nebel gibt sie sich nur schemenhaft zu erkennen – ihre Silhouette wird erst auf dem Weg entlang der Gleise langsam sichtbar.

Erkennen Sie das Fabrikgebäude im dichten Nebel? Zu dieser Uhrzeit wird darin bereits emsig gearbeitet. Bild: Kay Fehr

Es handelt sich bei diesem in Schwarz gehaltenen, kubischen Bau um das Logistik- und Gewerbezentrum Bömmliacker, in welchem neben der Pletscher Metallbau AG auch die Logistik der Schweizerischen Post eingezogen ist. Hier wurden im April die Zustellstellen Schaffhausen, Beringen und Thayngen zu einer grossen vereint, erklärt der stellvertretende Leiter des Distributionsgebiets Schaffhausen, Roy Grob, den wir auf dem grossen Parkplatz vor dem Logistikgebäude treffen. Zusammen mit Kommunikationsfachmann Markus Werner führt er uns direkt durch den Hauptdiensteingang in die grosse Haupthalle.

Die Reihenfolge der Pakete ist entscheidend

Wer dort nun aber zahlreiche Förderbände erwartet, auf denen Briefe und Pakete sortiert werden, der wird eines Besseren belehrt. Denn in der Halle stehen keine Maschinen, sondern zahlreiche Zustellfahrzeuge in Reih und Glied, sowie graue Rollboxen mit massenhaften Paketen von Amazon, Brack, Galaxus und Zalando. «Die Post erreicht uns bereits vorsortiert aus dem Paketzentrum Frauenfeld oder dem Briefzentrum Zürich-Mülligen», so Grob.

Als wir die Halle um 7.30 Uhr besichtigen, sind die Zustellerinnen und Zusteller bereits anderthalb Stunden an der Arbeit. In Beringen wird die Post bereits früh emsig auf kleinere Touren verteilt. Die Tourenplanung ist das Ergebnis des Zusammenspiels von Erfahrungswerten und einem cleveren Algorithmus – dieses System ist mittlerweile so präzise, dass die auszutragende Post im Fahrzeug bereits in der richtigen Reihenfolge für die Pöstlerin oder den Pöstler vorbereitet ist. Während der stellvertretende Leiter davon spricht, wie in der «alten» Zustellstelle auf dem Ebnat der Platz zu knapp wurde, müssen wir einem Postbus Platz machen, der grade ausparkiert und seine Tour beginnt. Rund 45’000 Haushalte liegen im Zustellgebiet. Neben den rund 50 Lieferwagen gibt es zudem weitere 50 «Dreiräder», nicht selten mit speziellem Anhänger, die jeden Morgen gestaffelt den Post-Bienenstock verlassen.

Fliegen Sie einmal durch die Zustellstelle. Video: Roberta Fele

Rund 180 Angestellte arbeiten hier, der neue Standort hat keinen Personalabbau verursacht. Dennoch ist man nun effizienter: Der Zwischentransport an die Aussenstellen fiel weg, Doppelspurigkeiten konnten beseitigt werden. Schweizweit hat die Post 437 solcher Zustellstellen – wovon Beringen zu den grössten gehört –, im Distributionsgebiet Schaffhausen gibt es zudem noch fünf kleinere. Auf Kantonsgebiet ist das neben Beringen noch Hallau, die weiteren liegen im Thurgau (Kaltenbach, Tägerwilen und Steckborn) sowie im Zürcher Weinland (Andelfingen).

22 Millionen Briefe pro Jahr – Tendenz sinkend

Platz gibt es in der Halle wahrlich viel: 4800 Quadratmeter stehen der Post zur Verfügung, und die benötigt es auch. Nicht nur, weil die ganzen Lieferwagen, einem Verkehrskonzept folgend, immer wieder an uns vorbeifahren. Ein weiter Grund ist, dass die Post jedes Jahr rund 5 Prozent mehr Päckli ausliefern muss, vorwiegend wegen des Onlinehandels. «Dieser Trend wird wohl weiter anhalten», sagt Werner. Für die Zustellstelle Beringen handelt es sich – hochgerechnet – um rund 2,5 Millionen Pakete pro Jahr, die verschickt werden wollen.

Dafür werden es immer weniger Briefe, wenngleich die reinen Zahlen noch immer eindrücklich sind. In der Beringer Zustellstelle sind es 22 Millionen Briefe pro Jahr. Rechnet man damit, dass ein durchschnittlicher Brief 2,5 Millimeter dick ist, dann würden alle Briefe, die innerhalb eines Jahres von Beringen aus verteilt werden, aneinandergereiht auf der Autobahn bis an den Bürkliplatz am Nordufer des Zürichsees reichen.

Wir gehen weiter zu einem der grösseren Lieferwagen. Dort laden zwei Mitarbeiter gerade Pakete ein. Zuvor werden die Sendungen aber eingescannt. Das zeigt den Angestellten nicht nur an, ob das Päckli weiter vorne oder weiter hinten im «Postbüssli» eingeräumt werden muss, sondern schickt auch ein Update an den Empfänger. Dieser erhält eine E-Mail mit der Information, dass seine Sendung soeben verladen wurde – und somit bald bei ihm ankommt. In einen grossen E-Lieferwagen wie diesen passen rund 250 Pakete.

Wir verlassen die Haupthalle und gehen in einen angrenzenden Raum. Hier stehen die Elektrodreiräder der Post. Um sie zu fahren, benötigt man den Führerschein Kategorie A1 für Motorräder mit einem Hubraum von nicht mehr als 125 Kubikzentimeter. Für den Veloweg vor der Halle haben diese Gefährte eine Ausnahmegenehmigung erhalten. «Sonst müssten sie auf der anderen Seite raus, direkt auf die 80er-Strecke», erklärt Grob. Diese «Sonderroute» nimmt auch Zustellbote Martin Gnädinger, der sich direkt auf den Weg Richtung Geissberg macht – seine heutige Tour. Das Verkehrsaufkommen beim Enge- und Galgenbuckkreisel habe für die Post bislang kein Problem dargestellt. «Die grosse Masse an Pendlern ist meistens schon am Ziel, wenn wir mit der Zustellung beginnen», sagt der stellvertretende Leiter. Höchstens bei Abendzustellungen «knorzt» es manchmal ein wenig.

In einem weiteren Raum befindet sich die Briefzentrale, in der verschiedene Teams Kleinpakete und Briefe in Kisten sortieren. Ihre Arbeitslast variiert von Wochentag zu Wochentag, beispielsweise würden am Mittwoch jeweils besonders viele Werbesendungen verschickt und am Donnerstag bereite die «Coopzeitung» viel Aufwand. Auch bevorstehende Urnengänge sorgen mit den Abstimmungsunterlagen und Werbesendungen für mehr Arbeit. Übrigens: Die «Schaffhauser Nachrichten» werden nicht mit der Post, sondern mit der Schaffhauser Zustellorganisation Schazo ausgetragen.

Black Friday: Der Startschuss zur stressigsten Zeit des Jahres

Wenn es am Wochenende regnet, spürt das die Post in der Folgewoche. Dann müssen nämlich mehr Pakete zugestellt werden, die online aus verregneter Langeweile bestellt wurden. So kann es insbesondere in den Sommerferien vorkommen, dass eine vermeintlich ruhige Woche plötzlich mehr Ressourcen beansprucht als ursprünglich geplant.

Bereits in der zweiten Novemberwoche spürten Grob und sein Team, wie es «anzieht», allerdings nicht wegen des Wetters: Black Friday, Cyber Monday und die Vorweihnachtszeit stehen vor der Tür. Es herrscht Urlaubssperre für die Mitarbeitenden der Zustellstelle Beringen, denn es gibt während dieser «Erntezeit» viel zu tun. «Wir erwarten eine volle Halle und volle Wagen. Während über einem Monat geht hier noch mehr die Post ab als sonst, es ist die stressigste Zeit des Jahres», sagt Grob, der bereits 15 Jahre Erfahrung beim gelben Riesen vorweisen kann. «Aber wir sind vorbereitet und wissen, was auf uns zukommt.»

Der Weg eines Pakets – von Genf nach Schaffhausen

In Genf wird ein Paket an einer Poststelle aufgegeben, das nach Schaffhausen geliefert werden soll. Dazu wird es in einem ersten Schritt zu einer Zustellstelle gebracht, in unserem Beispiel liegt diese im Vorort Carouge. Von da aus bringt ein Lastwagen es ins Verteilzentrum Daillens im Kanton Waadt. Dort wird grob sortiert, dass das Päckli in die Ostschweiz geschickt werden muss, genauer ins Verteilzentrum Frauenfeld. Das passiert vorzugsweise mit dem Zug. Im Hauptort des Kantons Thurgau wird es dann bereits passend zur Tour sortiert. In eigenen Rollboxen wird es – wiederum per Lastwagen – zur Zustellstelle Beringen geliefert. Hier lädt der Zusteller es in sein Fahrzeug und trägt es aus, an seine Zieladresse in Schaffhausen.

Stressig bleibt es die gesamte Adventszeit über. Auch am 24. Dezember stellt die Post noch Briefe und Pakete zu – abgeben sollte man diese allerdings nicht auf den letzten Drücker. In der Postapp ist dazu ein Hinweis vermerkt. Das Weihnachtspäckli soll schliesslich rechtzeitig unter dem Baum liegen. Die «Erntezeit» endet mit einer weiteren kleinen Paketflut – Ende Dezember und Anfang Januar werden zahlreiche Retouren versendet. Erst dann kehrt die Post zum Normalzustand zurück.

Reportage aus der Annahmestelle Logistik der Post, fotografiert am Mittwoch, 12. November 2025, in Beringen. (Roberta Fele / Schaffhauser Nachrichten)
Der Post-Bienenstock ist bereits um 9 Uhr wie leer gefegt. Bild: Roberta Fele

Als wir kurz vor 9 Uhr wieder in der Haupthalle sind, wirkt diese wie leer gefegt. Nur zwei Fahrzeuge sind noch hier, dazu einige wenige Rollboxen. Die meisten Pöstlerinnen und Pöstler befinden sich da gerade auf Tour. Die dauert so lange, bis alles verteilt ist. «Meistens kommen sie zwischen 15 und 15.30 Uhr zurück», sagt Grob. Dann wird alles wiederhergerichtet – bis am nächsten Tag das ganze Spiel von vorne losgeht.

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