Selbstfahrender Kleinbus muss sich im täglichen Strassenverkehr bewähren

Autor
Daniel Jung

Im Pilotprojekt «Linie 12» in Neuhausen wurde erstmals ein autonomes Fahrzeug in ein ÖV-Leitsystem integriert.

Zur Feier des erreichten Meilensteins wurde gestern ein symbolisches Band durchschnitten und das offizielle Kennzeichen festlich am Fahrzeug angebracht: Der selbstfahrende Kleinbus Trapizio ist im Neuhauser Zen­trum ab sofort im normalen Strassenverkehr unterwegs. Er verkehrt zwischen den beiden Haltestellen Neuhausen Zentrum Nord und Süd auf einem rund 300 Meter langen Rundkurs. Eine Weltneuheit ist der Pilotbetrieb, weil mit Trapizio erstmals ein autonomes Fahrzeug ins elektronische Leitsystem eines Verkehrsbetriebs eingebunden wurde. Die neue Linie 12 ist damit nun Teil des Netzes der Verkehrsbetriebe Schaffhausen (VBSH) – auch wenn für eine Rundfahrt im Kleinbus kein Fahrticket benötigt wird.

Vorläufig ist immer eine geschulte Begleitperson mit an Bord. Diese informiert die Fahrgäste über das spezielle Fahrzeug und kann im Notfall über ein Steuergerät eingreifen. «Die Sicherheit steht an oberster Stelle», sagte VBSH-Direktor Bruno Schwager. Der Bus fährt mit maximal 25 km/h. Weil er rasch bremsen kann, sollen die Fahrgäste sitzen.

Die Integration ins Leitsystem der VBSH ermöglicht es, dass der Bus in der Zentrale überwacht wird. Ebenfalls können die Abfahrtszeiten an den Haltestellen angezeigt werden. Ausgelöst wird die Fahrt jedoch jeweils von der Begleitperson im Fahrzeug.

Trapizio ist täglich unterwegs

Der Kleinbus verkehrt an Werktagen zwischen 13 und 17 Uhr. Am Wochenende und an Feiertagen ist er zwischen 10 und 18 Uhr in Betrieb. Weil sich das Fahrzeug derzeit aber noch im Testbetrieb befindet, sind kurzfristige Änderungen möglich.

Für die VBSH ist der Pilotbetrieb ein weiterer Schritt in Richtung Elektromobilität. Bruno Schwager sieht die künftigen Einsatzmöglichkeiten von autonomen Kleinbussen vor allem auf der ersten und der letzten Meile, also dem Zubringerverkehr zu den bestehenden Linien der VBSH. «Die Kunden möchten am liebsten vor der Haustür abgeholt werden», sagte er. Mit autonomen Bussen sei künftig die Anbindung neuer Quartiere ans ÖV-Netz möglich.

«An oberster Stelle steht die Sicherheit.» Bruno Schwager, Direktor VBSH

Für die Inbetriebnahme des selbstfahrenden Busses im Strassenverkehr war eine Bewilligung des Bundes nötig. Das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) hat die entsprechende Erlaubnis nun erteilt. Insgesamt ist der Neuhauser Bus das sechste automatisierte Fahrzeug, das eine solche Bewilligung erhalten hat. Der erste entsprechende Versuch war im Jahr 2015 in Zürich durchgeführt worden. Gemäss Uvek sind derzeit vier weitere Gesuche für selbstfahrende Busse hängig. Die Schweiz gehöre dabei weltweit zu den führenden Ländern. «Die hiesigen Versuche finden weltweit Beachtung», so das Uvek in einer Mitteilung.

«Ein besonderer Tag»

«Heute ist ein ganz besonderer Tag für den öffentlichen Verkehr», sagte Volkswirtschaftsdirektor Ernst Landolt gestern bei der Inbetriebnahme. Die Entwicklung der intelligenten Mobilität der Zukunft passe bestens zum Industriekanton Schaffhausen. «Wir wollen zu einer führenden Anwenderregion für zukunftsweisende Technologien werden», sagte Landolt. Auch Patrick Schenk, Geschäftsführer der Regional- und Standortentwicklung des Kantons Schaffhausen, zeigte sich stolz, dass das Pilotprojekt am Standort Schaffhausen umgesetzt wird.

Schenk präsentierte auch erste Ergebnisse einer Akzeptanzstudie zum Projekt, die vom Institut für Wissenschaft, Technologie und Politik der ETH Zürich durchgeführt wird. Bisher haben 1400 Personen daran teilgenommen. «Die Mehrheit der Teilnehmer befürwortet Testversuche mit selbstfahrenden Fahrzeugen und erachtet das Projekt hier in Neuhausen als sinnvoll», sagte Schenk. Dabei bestehen aber auch verschiedene Bedenken: Häufig genannt wurden Fragen der IT-Sicherheit, der mögliche Verlust von Arbeitsplätzen und Haftungsfragen bei Unfällen. Diese Fragen gelte es ernst zu nehmen, sagte Schenk.

Swiss Transit Lab Die beteiligten Partner

Das Swiss Transit Lab ist ein Gemeinschaftsprojekt der Trapeze Switzerland GmbH, der AMoTech GmbH, der Verkehrsbetriebe Schaffhausen und der Regional- und Stand­ortentwicklung des Kantons Schaffhausen. Seinen Sitz hat das Swiss Transit Lab im Kanton Schaffhausen, sein Zentrum befindet sich auf dem SIG-Areal in Neuhausen am Rheinfall.

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