Zweifel an der Luchsfährte in Jestetten kommen auf

Autor
Saskia Baumgartner

Im Schnee wurde im Januar in Jestetten eine Fährte entdeckt – und vom örtlichen Förster dem Luchs zugeordnet. Nun werden Rufe laut, dass der Pfotenabdruck von einem Dachs stammt.

Anfang des Jahres berichtete der «Südkurier» erstmals über eine angebliche Luchsfährte in Jestetten, nahe der Grenze zu Neuhausen. Am 2. Februar schrieben die SN über die Spuren, welche eine Jägerin und eine Forstwartin im Schnee entdeckt hatten – die Jägerin hatte damals ein Foto der Spur gemacht. Der örtliche Revierförster begutachtete dieses und glaubte, einen Luchsabdruck zu erkennen.

Nun kommen zwei Personen unabhängig voneinander zu dem Schluss, dass das Foto keine Luchsfährte zeigt, sondern den Fussabdruck eines anderen Raubtiers: eines Dachses.

Eine dieser Personen ist Karsten Dörfer. Er hat in einem deutschen Presseportal zum Thema «Wolf und Luchs» über den Jestetter Luchs gelesen und das Foto des Fussabdrucks gesehen. Dörfer ist freiberuflicher Biologe und ehrenamtlicher Wolfsberater in Niedersachsen – als solcher informiert er die Menschen über die Raubtiere. In dem deutschen Bundesland leben seit 2008 wieder Wölfe, und auch Luchse sind dort heimisch. Als Wolfsberater sei er geschult worden, Fährten zu lesen, erklärt er gegenüber den SN.

Fünf Zehen statt vier

«Manchmal sind Abdrücke nicht eindeutig», sagt Dörfer. Das Foto aus Jestetten, aufgenommen von der Jägerin, zeige jedoch unverkennbar den Abdruck einer Dachspfote. So seien auf dem Foto fünf statt nur vier Zehen wie beim Luchs zu sehen. «Davon stehen die vorderen vier Zehen fast nebeneinander, und der fünfte ist stärker zurückgezogen.» Beim Luchs wären dagegen der erste und der vierte Zeh deutlich zurückgezogen. Auch seien bei drei der Zehen Krallenabdrücke zu sehen. «Luchse fahren nur sehr selten ihre Krallen aus», meint Dörfer. Auch Roland Bürki vom Verein Kora (Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz ) stimmt Dörfers Schlussfolgerung zu. Innerhalb des Teams sei man ebenfalls zu dem Schluss gekommen, dass es sich um eine Dachsfährte handle.

Bürki will jedoch nicht bestreiten, dass es in Jestetten und Umgebung Sichtungen von Luchsen geben kann. Auch sei das Lesen von Fährten oft nicht einfach – vor allem, wenn man diese nur auf Fotos sehe. Auf Bildern sei die tatsächliche Grösse des Abdrucks aufgrund eines fehlenden Massstabs zum Teil nicht nachvollziehbar.

Monitoring per Fotofalle

Roland Bürki erklärt, dass Kora generell sehr an Meldungen von Luchsbeobachtungen und auch an Fotos von Spuren interessiert sei. Der Verein dokumentiert mit dem Luchsmonitoring die Entwicklung der Luchspopulationen in der Schweiz.

Die dazu hilfreichen Fotofallen werden bislang jedoch nicht im Raum Schaffhausen eingesetzt, weil dieser aktuell nicht zum Kernverbreitungsgebiet des Luchses gehört. Mithilfe einer Fotofalle hätte die Frage, ob die Raubkatze in Jestetten unterwegs war oder nicht, wahrscheinlich geklärt werden können.

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