«Durch das Verbot werden die Wasser-Belastungen zurückgehen»

Autor
Ralph Denzel

Zu hohe Chlorothalonil-Rückstände im Trinkwasser hatten im Sommer für Schlagzeilen gesorgt. Nun wird das Fungizid in der Schweiz verboten. Nicht alle sind darüber glücklich in der Region.

Chlorothalonil kommt hauptsächlich in der Landwirtschaft zur Anwendung. Bild: Key

Ab dem 1. Januar 2020 dürfen Produkte mit diesem Wirkstoff nicht mehr verwendet werden. Das teilte das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) am Donnerstag mit. Die Prüfung der zusätzlichen Informationen durch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) ergab laut Mitteilung, dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass gewisse Abbauprodukte dieses Fungizids keine langfristigen negativen Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

Das Verfahren zum Verbot des Fungizids war im Sommer eingeleitet worden. Nach der Ankündigung des Widerrufs der Bewilligung konnten Hersteller und Umweltschutzorganisationen ihre Meinung kundtun. Die Industrie legte neue Daten von anerkannten Laboratorien betreffend der Toxizität gewisser Abbauprodukte vor. 

Der Wirkstoff Chlorothalonil wird in der Landwirtschaft seit den Siebzigerjahren etwa beim Anbau von Kartoffeln, Getreide und Gemüse angewendet. Im Jahr 2017 wurden insgesamt 2025 Tonnen Pestizide eingesetzt, davon 45 Tonnen des Wirkstoffes Chlorothalonil, was einem Anteil von 2,22 Prozent an allen ausgebrachten Pestiziden entspricht, wie es beim BLW auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA hiess.

Zufriedenheit über Verbot

Im Juli diesen Jahres konnten im Trinkwasser von Stein am Rhein Abbauprodukte des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil nachgewiesen werden. Schon damals hatte der Schaffhauser Kantonchemiker Kurt Seiler den Bund zum Handeln aufgefordert.

Jetzt, da das Bundesamt für Landwirtschaft den potentiell krebserregenden Stoff verboten hat, zeigt sich Seiler zufrieden: «Ich bin erleichtert, dass das Verbot des Einsatzes nun bereits auf den 1.1.2020 ausgesprochen wurde.» Auch die Schaffhauser Nationalrätin Martina Munz ist erfreut über das Verbot. Munz hatte erst im Oktober einen politischen Vorstoss zum Thema Chlorothalonil eingereicht. «Das Verbot ist sehr wichtig zum Schutz unseres Trink- und Grundwassers.» Dieses werde massiv profitieren, ist sich Kurt Seiler sicher: «Durch das Verbot werden die Belastungen zurückgehen.» Wie schnell das allerdings gehe, das könne er nicht mit Sicherheit sagen: «Die Geschwindigkeit hängt von den Bodeneigenschaften ab und von der Erneuerungsrate des Grundwassers ab.» Er gehe davon aus, dass sich die Trinkwasserwerte im Laufe der Zeit bessern würden. Wenn nicht, werde man «bei allfälligen Überschreitungen zusammen mit den betroffenen Wasserversorgungen verhältnismässige Massnahmen ergreifen.»

Wie sich das Verbot jetzt auf die Schaffhauser Bauern auswirken wird, ist unklar: Christoph Graf, der Präsident des Bauernverbandes Schaffhausen, wollte keine Stellungnahme abgeben. Das Ende für das Produkt kam in Schaffhausen allerdings nicht ganz überraschend: So verkaufte zum Beispiel die GVS Landi Schaffhausen seit Ende November keine Produkte mehr, die Chlorothalonil enthielten. Und auch für Grün Schaffhausen bedeutet das Verbot keine Umstellungen: Laut Bereichsleiter Felix Guhl, Bereichsleiter nutze man dort kein Mittel, welches diesen Inhaltsstoff habe.

Bauern wenig begeistert von Sofort-Verbot

SVP-Kantonsrat Hansueli Graf vom Vorstand des Bauernverbandes findet das Verbot unverhältnismässig. Nach fast 50 Jahren Nutzung hätte eine Frist für das Aufbrauchen der Bestände ausgereicht, so Graf im Gespräch mit Radio Munot. Jetzt müssten die Landwirte ihre Bestände vernichten lassen. Chlorothalonil wurde heute vom Bund die Zulassung entzogen. Grund dafür sind die Abbauprodukte des Pflanzenschutzmittels. Diese sind potenziell schädlich und bleiben über längere Zeit im Grundwasser. (mit Material von sda/Radio Munot)

SVP-Kantonsrat Hansueli Graf im Interview mit Radio Munot: 

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