«Auch wir mussten zugunsten der Grünliberalen Federn lassen»

Autor
Alfred Wüger

Die SP hat zwar an Wähleranteil verloren, durfte sich nach der gestrigen Wahl aber trotzdem über ein gutes Resultat freuen. So sieht es auch Parteipräsident Daniel Meyer.

«Patrick Portmann hat die Bronzemedaille geholt, nicht nur ein olympisches Diplom», sagt Daniel Meyer, Präsident SP Schaffhausen.

Auch im Kanton Schaffhausen musste die SP Verluste hinnehmen. Aber sie sind nicht so gross wie anderswo. An der Wahlfeier gestern überwog denn auch die Freude über den verteidigten Nationalratssitz von Martina Munz und über das hervorragende Resultat von Ständeratsherausforderer Patrick Portmann.

Herr Meyer, wie fühlen Sie sich am Wahltag, der ja auch Zahltag ist?

Daniel Meyer: Ich bin stolz und froh über das Resultat. Das Ziel, den Nationalratssitz von Martina Munz zu verteidigen, haben wir erreicht. Und was dem Ganzen das Sahnehäubchen aufsetzt, ist das hervorragende Abschneiden von Patrick Portmann. Er konnte mit 9952 Stimmen mehr Stimmen auf sich vereinigen als Walter Vogelsanger vor vier und Matthias Freivogel vor acht Jahren.

Worauf führen Sie das zurück?

Es war der richtige Kandidat zur richtigen Zeit. Und der Einzige links der Mitte. Ausserdem hat er sich dadurch, dass er so jung ist, von allen andern abgehoben. Und Patrick Portmann hat einen sehr soliden Wahlkampf gemacht. Er ist souverän aufgetreten. Er war ­authentisch in dem, was er vertrat. In dieser Hinsicht hatte Christian Amsler etwas mehr Mühe, der einen schwankenden Mittekurs gefahren ist. Aber dennoch: Die Stimmenzahl von Patrick Portmann liegt weit über den Erwartungen. Und das freut mich.

Steigt Portmann in den Wahlkampf um den Regierungsrat nächstes Jahr?

Diesbezüglich haben wir noch keine Entscheide gefällt. Sein Resultat wird aber in die Überlegungen einfliessen. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass wir mit einer Zweierkandidatur kommen. Die Nomination wird allerdings erst im Frühling stattfinden.

Wie reagieren Sie auf die Einbussen Ihrer Partei im Kanton Schaffhausen?

Das, was im Kanton Zürich passiert ist, ist brutal. Auch im Kanton Schaffhausen mussten wir zugunsten der Grünliberalen Federn lassen. Unsere Verluste liegen zwar unter dem nationalen Durchschnitt, aber der Trend in Richtung Grün geht auch bei uns auf Kosten der Roten.

Muss die SP grüner werden?

Ich habe keine Angst, dass wir als Partei zu wenig grün wären. Aber wir sind nicht nur grün. Und wir ­müssen unsere Inhalte besser vermarkten.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Resultat von Urs Tanner? Oder war er eher ein Spasskandidat?

Meyer: Nein, das war er auf keinen Fall. Er hat ein Resultat gemacht im Rahmen dessen, was zu erwarten war.

Gesamthaft bleibt nach wie vor alles beim Alten. Sind Sie enttäuscht?

(lacht) Im Ständerat hätte ich sicher lieber einen Wechsel gehabt. Aber Patrick Portmann hat die Bronzemedaille geholt, und nicht nur ein olympisches Diplom.

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