Fasnacht in Region: Das war über das Wochenende los

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Schaffhauser N…

Umzug in Neuhausen, Büsingen, Thayngen und Maskenball in Marthalen: In der Region ging es närrisch zu am Wochenende.

Die Region war im Fasnachtsfieber.

 

Fasnacht in Neuhausen: Angst vor den Hexen und Tanz mit den Clowns

von Mayowa Alaye, Bilder Selwyn Hoffmann

Die Zentralstrasse in Neuhausen war während des Umzugs mit Konfetti übersät.

Unheimliche Hexen, lustige Affen und tanzendes Obst, das alles konnte man gestern an der Neuhauser Fasnacht sehen. Dieses Spektakel wollten sich die vielen Zuschauerinnen und Zuschauer nicht entgehen lassen. Gross und Klein reihte sich beidseitig der Zentralstrasse auf, um den traditionellen Fasnachtsumzug zu geniessen. Gespannt warteten Prinzessinnen, Clowns und Piraten mit Konfetti in den Händen auf die Teilnehmer des Um­zuges. Das Warten lohnte sich, denn die Umzugsgruppen entpuppten sich als ein bunter Mix aus verschiedenen Verkleidungen und Auftritten.

Da tanzten zum Beispiel lustige Clowns zu schallender Lautsprechermusik die Strasse entlang und verteilten grosszügig Süssigkeiten und Konfetti. Ebenfalls laut war die Musik der verschiedenen Guggen. Während die einen Gruppen ganz freundlich aussahen, versteckten sich ein paar Kinder bei anderen lieber schnell hinter einem Erwachsenen. Ganz auf Musik verzichteten einige Hexengruppen. Diese hatten denn auch alle Hände voll zu tun, mussten sie schliesslich das Publikum einschüchtern, ein paar Teenager vor sich her jagen und den jüngsten Zuschauern ab und zu ein Bonbon zustecken. Am allermeisten erschreckten allerdings weder die unheimlichen Hexen noch die gruseligen Teufel, sondern die Traktorhupen. Jedes Mal, wenn ein lautes «Tuuut» ertönte, sprangen sogar ein paar Erwachsene in die Höhe.

Wind und Wetter zum Trotz

Obwohl es das Wetter den Fasnächtlern gestern nicht leicht machte, liessen sich diese nicht betrüben. Mit Kapuzen, Schirmen oder purem Standhalten trotzten sie Platzregen, heftigen Böen und Sonnenschein, die sich abwechselten. Die überdachte Fläche neben dem Gemeindehaus diente ausserdem als Unterstand. Nach dem Umzug blieben viele Zuschauer noch vor Ort, holten sich etwas zu essen und warteten das Monsterkonzert ab.

Alle gute Stimmung konnte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Fasnacht in Neuhausen einen schweren Stand hat. Viele Gruppen suchen Mitglieder. Eine hatte das sogar vorne auf ihren Wagen ­geschrieben. Auch die fortwährenden Aufmunterungen des Moderators, sich doch einer Gruppe anzuschliessen und auf keinen Fall das Monsterkonzert zu verpassen, riefen den Eindruck hervor, dass man heutzutage um jeden einzelnen Zuschauer froh sein muss.

Bunte Verkleidungen auch bei den Zuschauern

Leana Scarmiglione und Lukas Chiozza ist es wichtig, die Tradition der Fasnacht aufrecht­zuerhalten. Sie waren schon oft dabei. «Letztes Jahr war ich eine ­Prinzessin, dieses Jahr wollte ich etwas anderes», sagt Scarmiglione in ihrem ­Piratenkostüm.

Ursina Fletterich war seit dem Guggesternmarsch am Samstagabend auf den Beinen und ist am Umzug ­mitgelaufen. «Das Ver­kleiden, die Musik, alles macht mir Spass.» Am Sonntagabend nach der Fasnacht sei sie jeweils immer wahnsinnig müde. 

Sonia Santos-Giordani und Diego Giordani sind zwar aus Schaffhausen, kommen aber jedes Jahr an die Neuhauser Fasnacht. Giordani wartet bereits mit Konfetti auf die Umzugsteilnehmer. Er würde selbst gerne einmal in einer Gruppe mitlaufen.

Céline und Jaqueline Anderegg finden die ­Atmosphäre an der ­Fasnacht mit allem Drum und Dran toll. Sie machen auch den ganzen Sonntag lang mit. Zuerst wohnen sie dem Umzug bei, danach gehen sie noch weiter ans Monsterkonzert. 

Patrick Schütz war einst selbst ein aktiver Fasnächtler. Sein Mitwirken an der Fasnacht muss er momentan schulbedingt zurückstellen. Früher habe er in einer Gugge die Trompete gespielt. «Ich finde die Guggenmusik einfach super», sagt Schütz. 

 

Fasnacht in Thayngen: Mit viel Getöse, Musik und Rauchzeichen

von Arnold Sigg

In Thayngen angetroffen: Eine farbig-furchterregende Maske. Bild: Ueli Flückiger

In der Reiatmetropole Thayngen wurde Fasnacht gefeiert wie seit je. Höhepunkt war der traditionelle Umzug am Samstag, dies bereits zum 41. Mal. Trotz nass-kühlem Wetter mit sporadischen Regengüssen säumten dicht aneinandergereiht viele Zuschauer die Umzugsroute. Angeführt von der dorfeigenen Gugge Drachä Brunnä Chrätzer und den Quiiitschern zog mit grossem Getöse, Musik und Rauchzeichen der närrische Tatzelwurm von der Biberstrasse über den Kreuzplatz die Dorfstrasse zum Reckensaal hinauf. Insgesamt 57 närrische Fussgruppen, Sujetwagen, welche nationale und örtliche Themen glossierten, sowie Guggen und Fanfarenzüge waren unterwegs. Zahlreiche Hexen mit kunstvollen furchterregenden Masken trieben dabei ihr Unwesen, teilten aber auch den Kindern Süssigkeiten aus. Gegen fünfzig Prozent aller Umzugsteilnehmer stammten übrigens aus deutschen Landen.

Fasnacht in Büsingen: Büsinger Fasnächtler lassen sich vom Regen nicht kleinkriegen

von Theo Kübler
In Büsingen mit dabei: Eine Hexe mit grünem Rauch. Bild: Theo Kübler
Nicht weniger als 50 Narren- und Guggen­gruppen starteten gestern bei Sonnenschein in den Umzug der Buurefasnacht der Narrenzunft Hobelgeiss Büsingen. Noch waren nicht alle Hexen, Teufel, Kobolde, Gaisser-Madl und Seegrasgeister unterwegs, als Sturmböen und heftiger Platzregen die Narren narrte und etwas Wasser ins Feuer goss. Doch das genügte nicht, um dem ­närrischen Treiben ein Ende zu setzen. Dazu hätte Petrus noch heftigeres Geschütz auffahren müssen, so, wie das einzelne Gruppen taten.
Guggenmusiker machten Stimmung im Festzelt. Video: Daniel F. Koch
Guggenmusiker machten Stimmung im Festzelt. Video: Daniel F. Koch
Partylaune an der Büsinger Fasnacht.
Partylaune an der Büsinger Fasnacht.
Was die Kollegen von Radio Munot an der Büsinger Fasnacht erlebt haben, hören Sie hier:

Fasnacht in Marthalen: Wo jetzt schon die Bienchen um die Blumen schwirren

Samstagabend in der Landi­halle Marthalen. Es ist 20 Uhr, das Service-Personal schält sich langsam durch die Plastikbänder am Eingang. Die weissen Röckli, Kniestrümpfe, T-Shirts und Haare werden zurechtgerückt und die Posten hinter den Theken, Bars und Grills be­zogen. Die ersten Gäste passieren die Abendkasse und lösen ein paar Schritte weiter eine Party-PayCard. Nur sehr langsam kommt etwas Leben in die Halle, da hilft auch die eingängige Musik aus den Boxen nicht viel weiter.

Dann aber erscheint «Frau Doktor Trinkmann» aus der Schönheitsklinik im Zürcher Weinland. Sie ist in Begleitung eines Models – ihre Schöpfung. Mit einem Bügeleisen bringt sie deren Brüste noch rasch in die optimale Form und einige ­Falten aus dem Gesicht. Dann zückt sie den Offerten-Zettel. Auf dem überreichten Vertrag finde ich schlussendlich ein Kreuz bei «Bauchfett absaugen», leer bleibt das Feld bei «Bauchfett in Busen einspritzen», was offenbar bei Männern nicht die Regel ist. Sie wird den Saal wieder verlassen, um einen Pintenkehr zu machen. «Aber ich komme wieder!», warnt sie. Um Punkte für die mitternächtliche Maskenprämierung zu sammeln, muss sie eine ganze Anzahl von Gaststätten besuchen. Dort werden die Masken bewertet und an die Jury weitergegeben. Diese Punkte zählen mit an der Prämierung in der Halle. Ohne die «Beizenpunkte» habe eine Maske schon gar keine Chance, an der Prämierung teilzunehmen. «Das wurde eingeführt, damit auch der Country Pub, der ‹Ochsen›, das ‹Rössli› und die ‹Stube› etwas von der Marthaler Fasnacht ­ab­bekommen», erklären OK-Präsidentin ­Leandra Gmür und Pascale Honegger, die im kommenden Jahr das Amt von Leandra übernehmen wird.

Langsam steigen die Dezibel im Saal. Die Prinzessin in ihrem weiten Gewand aus lauter bunten Ballonen hat allen Grund, unruhig zu werden, denn Bienen tauchen auf – riesige Bienen aus Wildensbuch. Mit ihnen erscheinen auch die Blumentöpfe. Es schwirren die Bienen um die Blumen und die Blumen um die Bienen. Die Prinzessin aber bleibt vorläufig verschont.

Sechs Guggen lassens krachen

Inzwischen hat sich die erste der sechs Guggen, die die Party beschallen werden, auf der Bühne bereitgestellt. Es sind die Goldsprenger von Goldingen aus dem Kanton St. Gallen. Nun kommt etwas Schwung in die Halle. Die ersten Fasnächtler schwingen das Tanzbein, auch die grimmigen Wikinger, während draussen die drei Beizenwagen ebenfalls gut ins ­Geschäft kommen. Um halb elf ist schon allerhand los. Beim PayCard-Stand hat sich eine Schlange gebildet, und die Voll-Gas-Chlöpfer aus Wiezikon bringen sich in Position. Diese bläserstarke Gruppe haut auch ganz kräftig auf die Pauke. Kein «Füdli» bleibt ruhig, diese werden zünftig gewackelt, an der Bar, auf Bänken und ­Tischen. Jetzt erst ist der Teufel so richtig los, und der Höhepunkt steht noch bevor – die Maskenprämierung. Bis dann heizen die Nüüfermer Truubestampfer die Stimmung weiter an. Als Sieger gingen die Heinzelmännchen hervor, Einzelsieger wurde das berauschende Ballkleid.

Die organisierenden Chrottepösche ­begrüssen den neuen Tag, die Gruppe ­Andölfia aus Andelfingen legt nach. ­Apropos Nachlegen, das Auflegen übernimmt zwischendurch DJ Ste, der den Musikpegel keine Sekunde auf null fallen lässt. Die Spectaculus aus dem Flaachtal machen die ersten Ermüdungserscheinungen bei den Narren vergessen, bis auch sie gegen drei Uhr morgens ihre ­Instrumente zusammenpacken. (tkü)

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