Wie tickt die Generation Z?

Autor
Tamara Schori

Sie sind zwischen 9 und 25 Jahre alt und mit dem Smartphone aufgewachsen. Die Älteren stecken gerade mitten in der Ausbildung oder machen schon die ersten Schritte im Berufsleben.

Das Kommunizieren mit dem Smartphone ist für die jungen Menschen der Generation Z unverzichtbar. Bild: Pixabay

Aktuell machen engagierte Jugendliche schweizweit auf sich aufmerksam, indem sie auf die Strasse gehen und für das Klima demonstrieren. Ein solcher Klimastreik findet auch in Schaffhausen am Freitag, 15. Februar, auf dem Fronwagplatz statt. Wer ist diese Generation Z, und was beschäftigt sie? Angehörige der Generation Z sind zwischen 1995 und 2010 (je nach Definition) geboren worden. Rund 6750 Frauen und 7400 Männer dieser Generation leben im Kanton Schaffhausen, das zeigen Zahlen aus dem Jahr 2017 vom Bundesamt für Statistik.

Umweltbewusstsein ist wichtig

Lina Gosteli (16) aus Flurlingen und Maurus Pfalzgraf (19) aus Feuerthalen gehören zur Generation Z (siehe Porträts unten). Für die Jugendlichen ist der Umgang mit der Umwelt ein wichtiges Thema. Lina Gosteli sagt: «Wir merken doch, dass es der Erde nicht gut geht.» Sie benutzt deshalb die öffentlichen Verkehrsmittel, fliegt wenig und versucht auch im Alltag umweltbewusst zu leben. Ihre Kleider kauft sie meistens secondhand oder im Brocki. «Manchmal lande ich aber doch auch beim Online-Versandhändler Zalando», sagt Gosteli. «Es ist halt ab und zu echt praktisch.» Pfalzgraf beschäftigt der Umweltschutz ebenfalls: «Ich finde, die Politiker unternehmen nicht genug und setzen noch viel zu wenig um.» Er sieht unsere Gesellschaft diesbezüglich vor einer grossen Herausforderung. «Ich selbst würde ja gerne mehr für das Klima tun, wenn ich nur wüsste, was», sagt Pfalzgraf – eine Kluft besteht also zwischen Umweltbewusstsein und tatsächlichem Umweltverhalten.

Generation «Mobile first»

Das prägende Merkmal der Generation Z ist das Smartphone, welches mit der Einführung des iPhones im Jahr 2007 begonnen hat. Sie wird oft auch Generation Youtube genannt. Die Vorgängergeneration Y (Jahrgänge 1981 bis 1995) besteht aus den ersten sogenannten «Digital Natives», sie sind also in der digitalen Welt aufgewachsen. Die darauffolgende Generation Z kennt bereits nichts anderes, als sehr oft online zu sein. Eine funktionierende WI-FI-Verbindung für das Smartphone sei wichtiger als eine Toilette, wird im Internet gescherzt. Soziale Medien sind weiterhin ein sehr bedeutendes Thema. Obschon Facebook mittlerweile fast nur noch von den «Alten» genutzt wird, liegen WhatsApp, Youtube, Snapchat und insbesondere Instagram, eine App zum Teilen von Fotos und Videos, hoch im Trend. War für die Vorgängergeneration die digitale Welt noch ein neues, paralleles Universum, war sie für die Generation Z schon immer da.

Gosteli und Pfalzgraf sind beide mit dem Smartphone aufgewachsen. Pro Tag verbringen die Jugendlichen mindestens eine Stunde damit (siehe Tabelle links mit den meistverwendete Apps). Vor allem Instagram fresse dabei sehr viel Zeit, sagt Gosteli: «Es ist schon komisch, wenn jemand heute kein Instagram-Profil hat.» Pfalzgraf hat sich aus zeitlichen Gründen schon mehrmals überlegt, die App zu löschen. Gosteli macht sich dazu ähnliche Gedanken. «Die Suchtgefahr ist hoch, man vergisst zum Teil alles rundherum, und die ständige Erreichbarkeit ist mir manchmal echt unheimlich», sagt sie. Trotzdem können sich die beiden nicht vorstellen, ganz auf ihr Smartphone zu verzichten: «Die Kommunikation mit Freunden wäre mir ohne Smartphone dann doch zu umständlich», bemerkt Gosteli.

Geregelte Arbeitszeiten und Freizeit

Die Arbeitswelt und das Konsumverhalten wird in den nächsten Jahren durch die Generationen Y und Z geprägt sein. Bald gehen die Babyboomer, die Nachkriegsgeneration, in Pension. In der Schweiz werden sie eine Lücke in der arbeitenden Bevölkerung hinterlassen. Darauf müssen sich die Arbeitgeber früh genug einstellen. In Bezug auf ihre künftige Arbeit teilen Gosteli und Pfalzgraf ähnliche Ansichten und Wünsche: lieber geregelte Arbeitszeiten und weniger Geld, dafür aber mehr Freizeit.

Während Firmen mit Snapchat-Werbung krampfhaft versuchen, die Generation Z zu erreichen, rückt schon eine neue Zielgruppe in den Fokus der Trendforscher: Generation Alpha – Die Kinder der ersten Digital Natives. Sie sind nach 2010 geboren. Es wird vermutet, dass Generation Alpha schon in jungen Jahren mehr Ahnung von Technik hat als ihre Eltern.

«Viele junge Frauen wollen wie Kim Kardashian aussehen»

Lina Gosteli (16). Bild: Julia Leppin

«Ich bin in einer komischen Zwischenphase, ich bin kein Kind mehr, aber auch noch nicht erwachsen», erzählt die 16-jährige Lina Gosteli aus Flurlingen. Sie stelle sich gerade viele Fragen: Bin ich zufrieden mit mir? Mache ich das «Richtige» mit meiner Zeit? Erwartet man grundsätzlich mehr von mir? Es gebe so vieles zu entscheiden und unzählige Berufsmöglichkeiten. In solchen Momenten holt sie sich Unterstützung von ihren Freunden und ihrer Familie. «Von uns wird viel erwartet, der Druck in der Schule ist enorm gross», sagt Gosteli und fügt an, dass viele Gleichaltrige das Gefühl hätten, keine Fehler machen zu dürfen. Oder dass sie Angst hätten, gewisse Erwartungen nicht zu erfüllen. Berufswahl heisse ja auch die Suche nach der eigenen Identität.

DROGEN UND SEXTING Dem Leistungsdruck nicht standhalten und ausbrechen, das erlebten momentan viele in ihrem Alter, sagt Gosteli: «Hustensaft mit Codein zu konsumieren, ist unter anderem beliebt.» Sie selbst interessiert sich nicht für Drogen. Auch Sexting, der Austausch von intimen Fotos, sei ein grosses Thema bei den Jugendlichen. Immer wieder geschehe es, dass Nacktbilder von jungen Frauen auf den Smartphones kursierten und diese dann sofort als Schlampen abgestempelt würden. In der Schule werde zwar über die Folgen von Sexting aufgeklärt, das halte aber niemanden davon ab. «Ich habe das Gefühl, dass meine Generation eben auch ein wenig naiv ist», meint Gosteli.

GESUNDHEIT Der perfekte Körper spiele für einen grossen Teil eine wahnsinnig grosse Rolle. «Viele junge Frauen wollen wie Reality-Star Kim Kardashian aussehen», sagt sie. Das habe sicherlich auch mit den sozialen Medien zu tun, wo ein absolut unrealistisches Bild der Frau propagiert werde. Gosteli quittiert diese Trendbewegung mit einem Kopfschütteln. Sie selbst achtet vor allem auf eine gesunde Ernährung.

INTERESSEN «Ich bin süchtig nach Musik und sauge alles, was mir gefällt, regelrecht auf», sagt Gosteli. Ob Indie, Rock, Soul, Blues, Jazz oder Hip-Hop – die Jugendliche hört gerne unterschiedliche Musikstile. Sie besucht auch oft Konzerte und kauft dort Fanartikel der Bands. «So kann ich lokale Musiker immerhin ein wenig unterstützen.» Zeichnen und mit Freunden Zeit verbringen sind weitere Hobbys von ihr.

ZIELE Zurzeit besucht sie einen Vorkurs an der Schule für Gestaltung, dem Lindenforum. Ihr Traum ist es, selbständig als Fotografin zu arbeiten. «Ich versuche, im Moment zu leben, und will mich auf nichts festlegen.» (tsc)

«Mein Ziel ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024»

Maurus Pfalzgraf (19). Bild: Tamara Schori

Er ist Spitzensportler: Zwei- bis viermal pro Tag ist Maurus Pfalzgraf in seinem Kanu auf dem Wasser anzutreffen. Sein grösstes Ziel sei die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024 in Paris, sagt der 19-Jährige aus Feuerthalen. Dafür gibt Pfalzgraf alles: Seit er neun Jahre alt ist, trainiert er auf dem Wasser und im Kraftraum, nimmt an Trainingslagern und Wettkämpfen teil, während Gleichaltrige in den Ausgang gehen. Zurzeit absolviert er das RS-Förderprogramm für Spitzensportler in der Schweizer Armee in Magglingen, wo er nebenher trainieren kann.

LIEBE Seit zweieinhalb Jahren hat Pfalzgraf eine Freundin, er kennt sie seit seiner Kindheit. «Viele lernen sich heute aber auch über Instagram kennen, dann wird zuerst einmal miteinander geschrieben.» Wie das funktionieren soll, kann er sich nicht recht erklären. Trotzdem spiele in seiner Generation das Internet eine grosse Rolle, sei es in der Liebe oder der Sexualität: «Fast jeder schaut vor dem ersten Mal einen Porno im Netz, wir sind eigentlich damit aufgewachsen.» Es sei jedoch den meisten in seinem Alter bewusst, dass diese Darstellungen nicht viel mit der Realität zu tun hätten, sagt Pfalzgraf.

GESUNDHEIT Alkohol trinkt Pfalzgraf nur selten, Zigaretten und andere Drogen rührt er nicht an. «Diese Konsumentscheidung geht Hand in Hand mit der Tatsache, dass ich Sportler bin.» Zudem achtet Pfalzgraf auf eine ausgewogene Ernährung. Er informiert sich darüber im Internet, schaut Dokumentationen auf Netflix und hört Podcasts. Wenn er einkaufen geht, dann achtet er darauf, dass die Lebensmittel biologisch und saisonal sind. «Kochen lernen steht momentan noch auf meiner To-do-Liste», erwähnt er. Die vegetarische und die vegane Ernährungsweise interessieren ihn. «Ich kaufe und esse bewusst wenig Fleisch, das einerseits aus gesundheitlichen Gründen und andererseits wegen der Auswirkungen auf das Klima.»

ARBEIT Während der Maturarbeit an der Kanti Schaffhausen hat Pfalzgraf einen Kurs zum Fitnesstrainer abgeschlossen. «Sport begleitet mich schon mein ganzes Leben», sagt er. Trotzdem soll auch eine Ausbildung neben dem Kanufahren Platz haben, weshalb er diesen Sommer das Studium Gesundheitswissenschaften und Technologie an der ETH Zürich anfangen möchte. Zu viele Überstunden im Job möchte Pfalzgraf künftig aber nicht leisten: «Lieber habe ich weniger Geld, dafür mehr Freizeit.» Ihm sei es wichtig, einen sinnvollen Beruf auszuüben, welcher gleichzeitig auch finanzielle Sicherheit und Spass biete. (tsc)

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