«Alle modischen Schrecklichkeiten mitgemacht»

Autor
Julia Heiri

Schaffhauser Persönlichkeiten haben für die SN ihre Fotoalben geöffnet und zeigen uns, wie und wo sie früher Ski gefahren sind.

SN Redaktor Uli Schweizer erinnert sich: «Damalige Ski waren noch viel länger als heutzutage.»

Skipisten waren und sind noch heute die Laufstege des Wintersports. Die Geschichte des Schneesports ist geprägt von Fashion-Hinguckern und Modesünden. Während man in den 70er-Jahren mit Schlaghosen Ski fuhr, waren es in den 80er- und 90er-Jahren neonfarbige Overalls und weite Flatterhosen. Heute trägt man vor allem wetterfeste Funktionskleidung, die zwar oft farbig, ansonsten jedoch eher brav ist. Wer im Alltag auf Businesslook setzt, nimmt sich auf der Piste vielleicht etwas mehr Freiheiten und schert modisch auch mal aus. Um vergangene ­Skimode und Skimodesünden aufzuspüren, haben Schaffhauser Persönlichkeiten für uns ihre Fotoalben geöffnet und geben einen Einblick in ihre Schneesport­vergangenheit.

Vom violetten Einteiler von Thomas Hurter bis zum Norwegerpulli von Ueli Jäger ist alles dabei. Auch Alltagskleider wie Jeans oder normale Stoffhosen waren auf der Skipiste keine Seltenheit. «So, wie ich sonst zum Haus raus bin, bin ich auf die Bretter», erinnert sich zum Beispiel der Künstler Erwin Gloor. Hingegen jeden Trend mitgemacht haben zwei Politiker: «Ich war immer ein sehr modebewusster Skifahrer und würde auch heute wieder einen Einteiler im 80er-Stil tragen, falls sie wieder in Mode kämmen», sagt Stadtrat Raphaël Rohner. Auch Regierungsrat Christian Amsler erinnert sich: «Das waren früher ja manchmal schon himmeltraurige Designs, aber ich habe alle ­modischen Schrecklichkeiten mitgemacht», sagt er und lacht. Tragen würde er die Mode von früher nicht mehr, aber dass die Jungen sich heute zuweilen an alten Trends orientieren, findet er schön.

Ulrich Schweizer, SN-Redaktor 

 Am Betriebsausflug des Diogenes-Verlags Anfang der 90er-Jahre fuhr SN-Redaktor Ulrich Schweizer die Gletscherabfahrt der Diavolezza bei Pontresina mit ­seinen 80 Kolleginnen und Kollegen. Trotzdem hatte er noch genügend Energie für Scherze. «Damalige Ski waren noch viel länger als heutzutage», erinnert er sich.

Christian Amsler, Regierungsrat

 «Mein Bruder und ich haben damals das Skigebiet ­unsicher gemacht», erinnert sich ­Regierungsrat Christian Amsler. Das Bild wurde ­ungefähr 1980 ­aufgenommen und zeigt Amsler als 17-jährigen «Pistenrowdy» am Crap Sogn Gion in Laax. Er trägt eine Latzhose und einen Skipulli mit Streifen von Nabholz. «Auf der Piste habe ich alle modischen Schrecklichkeiten mitgemacht», sagt er und lacht. Auf seine ersten Henke-Schnallenschuhe sei er besonders stolz gewesen, ­obwohl sie «brutal weh-getan» ­hätten.

Ueli Jäger, Geschäftsführer der KSS

1983 war Ueli Jäger, heutiger Geschäftsführer der KSS, vierzehn Jahre alt. Im Norwegerpulli, den seine Mutter gestrickt hatte, befuhr der begeisterte Skifahrer gemeinsam mit seinen Freunden den Schofbuck in Stetten. «Für eine Minute Abfahrt sind wir eine halbe Stunde lang den Hügel hinauf­- gestiegen», erinnert er sich.

Raphaël Rohner, Stadtrat 

Im Februar 1963 war Stadtrat Raphaël Rohner fünf Jahre alt und ging in Valbella zum ersten Mal in die Skischule. Er gewann sogar das Abschlussrennen. «Skifahren ist immer noch mein Lieblingssport», sagt Rohner heute. Gut ausgerüstet mit einer «furchtbar kratzigen Wollhose» und geschnürten Skischuhen machte er ­damals die Pisten unsicher. «Ich war immer ein sehr modebewusster Skifahrer und würde auch heute wieder einen Einteiler im 1980er-Stil tragen, falls sie wieder in Mode kommen.»

Andrea Moser, ­stellvertretende ­Moderationsleiterin bei Radio Munot

 Andrea Moser, ­stellvertretende ­Moderationsleiterin bei Radio Munot, war 1987 drei Jahre alt und verbrachte die Sportferien mit ihren Eltern und ihren Grosseltern in Malbun in Liechtenstein. «Diese Sonnenbrille war echt cool, die würde ich wieder tragen», sagt sie. Die Einteiler seien für sie aber definitiv ­Geschichte. Schlimmstes Accessoire auf den Skipisten findet sie Mützen, die farbige Wuschelhaare imitieren.

Erwin Gloor, Künstler

Der 26-jährige ­Erwin Gloor ­verbrachte seine Skiferien 1967 mit Frau und Kind in Pany im Prättigau. Skifahren sei für die Familie ein Muss gewesen, so Gloor. Sie hätten sogar extra ein Maiensäss gemietet. Spezielle Ski- kleidung habe er aber nie getragen: «So, wie ich sonst zum Haus raus bin, bin ich auf die Bretter», erinnert sich der Künstler.

Hausi Naef, Gründer Jazzfestival

Hausi Naef war im Jahr 1974 dreizehn Jahre alt. ­Damals sei man in Alltagshosen Ski gefahren. «Skihosen waren out, sie zu tragen, war oberpeinlich», erinnert sich der Schaffhauser Kulturschaffende. Das Bild wurde in den ­Familienferien in Mürren aufgenommen. Neben Naef steht seine­ ­Schwester Barbara.

Beat Toniolo, Künstler

In den Familienferien 1977 brachte der 15-jährige Beat ­Toniolo in Brand im österreichischen Vorarlberg seiner kleinen Schwester Sybille das Skifahren bei. Besonders stolz war der Schaffhauser Künstler damals auf seine neuen Rossignol-Ski.

Karola Lüthi, Munotwächterin

Munotwächterin Karola Lüthi (r.) als Fünfjährige mit ihrer jüngeren Schwester und einer Freundin in Pfyn im Jahr 1968. «Wir hatten damals nur ein ­einziges Paar Ski für mich und meine drei Schwestern», erzählt sie. Um damit fahren zu dürfen, musste man gross genug sein. «Wir stellten uns neben den Ski und mussten mit den ­Fingerspitzen bis zur Skispitze gelangen, das war der Test.»

Cornelia Stamm Hurter und Thomas Hurter, Regierungsrätin bzw. Nationalrat

Regierungsrätin Cornelia Stamm Hurter und ihr Mann, Nationalrat Thomas Hurter, verbrachten 1995 ein Skiwochenende in St. Peter GR. Zusammen mit Pilotenkollegen von Hurter und deren Ehefrauen übernachteten sie in einer einfachen ­Berghütte mit Massenschlag. Nicht fehlen durften die trendigen Overall-Skianzüge in knalligem Rot und Violett. «Die ­Anzüge waren schön warm, aber auch ­unpraktisch, zum Beispiel wenn man auf die Toilette musste», erinnert sich Stamm Hurter. «Auch trug ich damals nur ein Stirnband, weil eine Mütze die Frisur kaputt gemacht hätte. Helme ­waren noch kein Thema.»

Linda Graedel, Künstlerin

Linda Graedel, Künstlerin aus Schaffhausen und gebürtige Kalifornierin, 1982 mit ihrem inzwischen verstorbenen ­Ehemann André Graedel in den Skiferien in Wildhaus. «Mein dunkelblauer Skianzug mit Kunstfellkragen war von einem französischen ­Designer. Er war warm, bequem und trotzdem ­figurbetont.»

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