Kinder, Krücken und Ferngläser: Was Leute alles in Schwimmbädern vergessen

Autor
Ralph Denzel

Die Freibadsaison ist so gut wie beendet - und wie jedes Jahr wurden wieder etliche Gegenstände in den Bädern vergessen. Oft auch Dinge, die man eigentlich nicht vergessen sollte.

Auch in der KSS werden regelmässig Gegenstände vergessen.

Die Freibadsaison 2018 ist Geschichte. Nach einem rekordverdächtigen Sommer mit vielen Hitzetagen können die Betreiber dieses Jahr auf hohe Besucherzahlen zurückblicken – aber auch auf viele Gegenstände, die auch dieses Jahr wieder in den Schwimmbädern vergessen wurden. 

Die «übliche Verdächtigen»

Franziska König, Betriebsleiterin der Genossenschaft Aquarina in Rheinau kennt das Phänomen, dass Badegäste nach einem langen Tag in der Badi öfter was liegen lassen. Meistens handelt es sich dabei um Kleinteile. «Die meist vergessenen Artikel sind Schwimmbrillen und Badetücher, dicht gefolgt von Badehosen und Haarbürsten.» Ähnliches kann auch Urs Moos vom Schwimmbad in Andelfingen berichten. «Im Normalfall werden bei uns Badetücher, Badehosen, Sändelisachen, Trottis, Schuhe und Bälle vergessen.»

All diese Gegenstände kann man vergessen – aber die Schwimmbäder erleben auch immer wieder, dass teils ganz andere - auch sehr wichtige Dinge - zurückgelassen werden. «Unsere Sammlung enthält auch Seltenheiten wie einen Epi-Pen, ein Kopfkissen und ein Fernglas.» Zur Erklärung: Ein Epi-Pen ist eine kleine, stiftförmige Spritze, die vor allem bei Menschen, die auf Bienen und Wespenstiche allergisch reagieren, lebensnotwendig sein kann. Was allerdings jemand mit einem Fernglas im Schwimmbad wollte – das bleibt dann wohl der Fantasie überlassen.

Einen beschwerlichen Heimweg hatte hingegen wohl die Person, die in der KSS seine Krücken vergessen hatte, wie sich Susy Egloff erinnert. Das Kurioseste, was bisher in einem Schwimmbad zurückgelassen wurde, ist jedoch in Andelfingen zu finden, wie Urs Moos weiss. Dort schafften es Schwimmbadbesucher einmal zwar mit ihren Badesachen, aber ohne ihr Kind, die Heimfahrt anzutreten. Aber keine Sorge: Der Irrtum währte nicht lange.

Manchmal sind die Gegenstände allerdings nicht kurios, aber doch sehr wertvoll – ob emotional oder materiell. So verlor im Schwimmbad in Rheinau eine Frau ihren Fingerring auf der Liegewiese. «Wir haben ein halbes Jahr lang danach gesucht und sie kam sogar regelmässig mit einem Rechen vorbei», erinnert sich Franziska König. Als diese Suche erfolglos blieb «hatten wir dann die Idee mit einem Metalldetektor». Mit diesem bewaffnet, konnten sie den Ring tatsächlich finden. Fast sieben Monate, nachdem er verschwunden war.

Was passiert mit meinen Sachen, wenn ich sie verloren habe?

Bemerkt man auf dem Heimweg, dass man etwas verloren hat, dann ist nicht aller Tage Abend, wie die von uns angefragten Schwimmbäder einstimmig erklären. So gut wie immer werden die Gegenstände vom Personal verwahrt. In einer Badesaison, vor allem, wenn die Bäder gut besucht sind, kommt dabei jedoch einiges zusammen. So ist zum Beispiel das Aquarina zu folgender Lösung übergegangen: «Nachdem unsere Schränke fast überquollen sind, gingen wir Anfang des Jahres dazu über, Gegenstände, die nicht wertvoll sind, während zwei Wochen in einer Box nahe dem Eingang zu deponieren.» Dort finden sich Schwimmflügeli, Taucherbrillen oder kleinere Spielsachen.

Teurere Gegenstände sind hingegen ein anderes Thema: Diese werden direkt weggeschlossen.

Speziell geht man dort auch mit zum Beispiel Badehosen oder Handtüchern um, denn: Sollte nach zwei Monaten niemand diese Gegenstände beansprucht haben, werden sie entweder entsorgt oder landen im Leihfundus. «Wenn zum Beispiel ein Kind die Badesachen für das Schulschwimmen vergessen hat, leihen wir ihm Schwimmsachen, die nicht abgeholt wurden. Grundsätzlich werden alle Fundtextilien erst mal gewaschen, damit sie nicht stinken.» Auch in der KSS werden die Gegenstände zwei Monate aufbewahrt. «Die Badetücher und Badehosen werden gewaschen und bei der Abholung 2.50 Franken verlangt.» In Andelfingen können die gefundenen Gegenstände bis Ende September abgeholt werden. «Danach werden Sie an Bedürftige weitergegeben», so Urs Moos.

Vor allem Gegenstände mit Wert werden dabei in allen angefragten Bädern schnell wieder geholt. Wenn das nicht der Fall ist, wandern sie ins Fundbüro. Allerdings sollte man trotzdem immer gut auf die Dinge aufpassen, die man gerne behalten möchte. Urs Moos drückt es so aus: «Die Sachen, die man gerne wieder haben will, werden meistens nicht abgegeben.»

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