«Ein Nachweis hätte nicht gereicht»

Autor
Darina Schweizer

Ende 2017 tötete ein Jäger in Affeltrangen sieben Schafe. Nun wird im April im Thurgau ein Treffsicherheitsnachweis eingeführt. In Schaffhausen habe dieser an der Treffsicherheit aber nichts verändert, meint der Präsident von Jagd Schaffhausen, Silvio Lorenzetti.

Um treffsicherer zu werden, schiesst Silvio Lorenzetti bei jeder Gelegenheit. Bild: zvg

Ende letzten Jahres hat ein Jäger im Kanton Thurgau insgesamt sieben Schafe getötet. Was denken Sie als Präsident von Jagd Schaffhausen darüber?

Silvio Lorenzetti: Das ist ein sehr unerfreuliches Ereignis. Ich kenne die genaueren Umstände zwar nicht, aus meiner Sicht wurden aber gleich zwei Fehler begangen: Erstens konnte der Jäger das Wild in der Nacht trotz Nachtsichtgerät nicht genügend gut erkennen, und zweitens hätte er nie auf eine Gruppe hintereinanderstehender Tiere schiessen dürfen.

Wie kommen Sie darauf, dass die Tiere hintereinandergestanden hätten?

Lorenzetti: Weil in einem Jagdgewehr normalerweise nicht sieben, sondern maximal fünf Patronen Platz haben. Der Jäger muss also mit einem Schuss mehrere Schafe ­getroffen haben. Weidgerecht, also verantwortungsvoll und beispielhaft, ist ein Schuss nur, wenn das Tier korrekt angesprochen werden kann, frei steht und der Kugelfang vorhanden ist.

Der entsprechende Jäger wurde mittlerweile vom Thurgauischen Tierschutzverband wegen Tiertötung und Tiermisshandlung angezeigt. Halten Sie das für angemessen?

Das ist schwierig zu beurteilen. Der Mann hat sich insofern richtig verhalten, indem er sofort die Polizei eingeschaltet hat. Aber natürlich hätte er nicht schiessen dürfen, solange er nicht sicher war, ­worauf er zielt. Man muss dazu aber auch sagen, dass der Tierschutz im Kanton Thurgau nicht gut auf die Jagd zu sprechen ist. Meiner Meinung nach wäre es wichtig, dass die Jagd und der Tierschutz zusammenarbeiten, beispielsweise bei der Vermeidung des Leids von 1600 Tieren, welche im Kanton Thurgau jährlich überfahren werden.

Dies macht aber einen Vorfall wie den im Thurgau nicht ungeschehen. Wie hätten Sie reagiert, wenn ein Jäger von Jagd Schaffhausen involviert gewesen wäre?

Man muss bedenken, dass Jäger im Bezug auf das Schwarzwild ziemlich unter Druck stehen, weil die Landwirte weniger Schaden haben möchten und die Jäger diesen bezahlen müssen. Auch entstand der Ruf nach neuen Jagdmethoden in der Nacht. Vor zehn Jahren wäre es keinem Jäger in den Sinn gekommen, mit einem Nachtsichtgerät auf Sauen zu schiessen. Trotzdem ist hier etwas geschehen, was so nicht hätte passieren dürfen.


Wie sieht es mit der Treffsicherheit in Schaffhausen aus? Es gibt hier ja schon länger einen jährlichen Treffsicherheitsnachweis. Im Kanton Thurgau wird er erst im April 2018 eingeführt. Hätte ein solcher Nachweis den Vorfall verhindern können?

Vermutlich nicht. Im Kanton Schaffhausen hat es mit dem Wechsel zum gesamtschweizerischen Obligatorium keine Veränderung gegeben. Dieser Fall im Thurgau hätte mit dem obligatorischen Treffsicherheitsnachweis nicht verhindert werden können.

Wenn nicht mit dem Treffsicherheitsnachweis, wie kann man solchen Jagdfehlern dann entgegenwirken?

Ein Jäger muss das Jagdgebiet wie seine Westentasche kennen und den Kugelfang im Griff haben, weil die Jagd in der Nacht grosse Anforderungen an ihn stellt. Nebst der Schiessfertigkeit muss auch das Beurteilen von Wild und Jagdsituationen geübt werden, um zu entscheiden, ob ein sicherer Schuss möglich ist. Am sinnvollsten ist, wenn jeder Jäger regelmässig in den Schiessstand geht. Dort kann er seine koordinativen Fähigkeiten verbessern. Jagd Schaffhausen motiviert seine Mitglieder auch dazu, den Schiessstand zu besuchen.

Wie funktioniert das?

Wir übernehmen zum Beispiel ab und zu die Standgebühr vom Schiessstand in Siblingen, damit die Jäger diesen häufiger besuchen. Und wir führen regelmässig einen Schiesswettbewerb durch.

Führt der Vergleich mit anderen Jägern auch dazu, dass man besser werden will?

Ja, klar. Jeder Jäger schiesst gerne gut. Das gibt ihm eine intrinsische, das heisst aus sich selbst entstehende Motivation.

Es hängt also auch von der Jagdvereinigung und ihren Anlässen ab, wie regelmässig und gut ihre Jäger schiessen?

Nicht nur. Das ist eine sehr individuelle Sache. Auch spielen die Jagdschiessstände eine wichtige Rolle. Gewisse Jäger waren schon gute Schützen, bevor sie mit dem Jagen begonnen haben. Andere müssen mehr dafür tun. Jagd Schaffhausen unterstützt aber alle darin, noch treffsicherer zu werden.

Was tun Sie selbst, um Ihre Treffsicherheit zu gewährleisten und zu verbessern?

Ich gehe bei jeder Gelegenheit schiessen, auch in Schiesskinos. Dort werden verschiedene Jagdszenen auf eine Leinwand projiziert, auf die man mit dem eigenen Gewehr schiessen darf. Im Nachhinein erhält man ein Feedback und diskutiert mit anderen Jägern, wie man in einer Situation richtig hätte reagieren sollen.

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