Hitzewelle hat dem Brotweizen zugesetzt

Autor
Luc Müller

Auf Feldern im ganzen Kanton steht Weizen mit zu kleinen Körnern – wegen Wassermangel ist er unbrauchbar geworden.

Eigentlich müsste der Weizen jetzt grün sein – aber in vielen Feldern wie hier bei Gennersbrunn in Richtung Dörflingen ist der Weizen weiss, wie die kantonale Ackerbaufachfrau Lena Heinzer zeigt. Bild; Selwyn Hoffmann

Die anhaltende Hitze mit Temperaturen über 30 Grad hat auf den Feldern Spuren hinterlassen. Vor allem der Brotweizen, aus dem Mehl zum Backen gewonnen wird, leidet unter Wasserknappheit. Weizen ist mit Abstand die wichtigste Ackerkultur im Kanton Schaffhausen. «Es ist schade. Eigentlich sah alles nach einer vielversprechenden Ernte aus», sagt Lena Heinzer, die sich im kantonalen Landwirtschaftsamt als Fachfrau um den Ackerbau kümmert.

Doch nun hat die Sonne dem Weizen schon starken Schaden zugefügt. Unter ihrer Hitze ist er notreif geworden. Das bedeutet: Das Korn, der Samen, hat das Wachstum zu früh gestoppt, bleibt klein und hat kein Volumen. Der Mehlgehalt ist deshalb sehr gering. «Zum Wachsen brauchen die Pflanzen Sonnenlicht, CO2, Nährstoffe und Wasser – doch nun fehlt das Wasser», erklärt Heinzer. Eigentlich müsste der Weizen jetzt noch grünlich sein – doch der notgereifte Weizen ist weisslich verfärbt.

Nur noch als Futter geeignet

«Ist der Weizen notgereift, ist der Mist geführt», so Heinzer weiter. «Auch sofortiger Regen hilft nicht mehr. Notgereiftes Korn besteht fast nur aus Hülle und ist bloss noch als Futter geeignet oder landet in der Biogas­anlage.» Schon im letzten Jahr hat das Wetter dem Brotweizen zugesetzt. Damals wurden die Pflanzen wegen der vielen Niederschläge von vielen Pilzkrankheiten befallen: Für die Bauern bedeutete das im Durchschnitt 30 Prozent Ertragsausfall und tiefere Preise wegen der schlechten Qualität.

«Ist der Weizen notgereift, ist der Mist geführt. Auch sofortiger Regen hilft nicht mehr.»

Lena Heinzer, Ackerbaufachfrau im Landwirtschaftsamt

Notgereifter Weizen ist aktuell im ganzen Kanton Schaffhausen zu sehen – aber nur punktuell. Vor allem dort, wo der Boden im Feld flachgründig und kiesig ist. «Solcher Boden kann die Niederschläge schlecht speichern, weshalb hier immer die ersten Trockenheitsschäden auftreten», sagt Heinzer. Auf den Feldern, wo der Boden lehmhaltiger ist, sieht der Weizen noch besser aus. «Der braucht jetzt aber dringend Wasser, damit er gedeiht.» Aus Kostengründen und wegen der begrenzen Verfügbarkeit von Wasser werden die Kornfelder nicht gewässert – anders als die Kartoffelfelder.

Ende Juli und Anfang August ist Erntezeit. Dabei wird das ganze Weizenfeld geerntet. Die notgereiften Körner vermischen sich mit den gut ausgebildeten Körnern. In der Sammelstelle wird die gesamte Ernte durch verschiedene Siebe geschüttet – die mickrigen, notgereiften Körner fallen so als Abfall heraus. Das Ertragsgewicht verringert sich, und der Bauer verdient weniger.

Auch Gras und Mais zu klein

Auch beim Futteranbau für die Tiere gibt es derzeit erhebliche Probleme. «Schon der Frost im April hat das Graswachstum zum Stillstand gebracht. Danach fehlte das Wasser, und so konnte zu wenig Heu eingebracht werden.» Einige Bauern müssten bereits Futter zukaufen – im schlimmsten Fall muss sogar Vieh verkauft werden. Ein «wüchsiger» Spätsommer und Herbst könnten hier aber noch einiges retten, sagt Lena Heinzer.

Und auch der Mais zeigt den Wassermangel deutlich. Er hat seine Blätter eingerollt und sieht struppig aus. Die Blätter sind normalerweise entfaltet, um möglichst viel Sonnenlicht für die Fotosynthese einzufangen, die das Wachstum der Pflanze ermöglicht. Bei dem Vorgang wird aber Wasser verdunstet – das versucht der Mais nun mit den eingerollten Blättern zu minimieren. «Der Mais ist wegen der Wasserknappheit heuer eher klein und wächst kaum weiter», sagt Heinzer. Die Böden sind stark ausgelaugt: Heftiger Platzregen würde nur oberflächlich abfliessen. «Wichtig wäre jetzt ruhiger Regen über zwei, drei Tage.»

Wasserknappheit: In Merishausen ist noch Sparen angesagt

Die tagelange Hitze hat in Rüdlingen beinahe zur Verdoppelung des täglichen Wasserverbrauches geführt (die SN berichteten). Statt 350 000 Litern wurden in den vergangenen Tagen bis zu 700 000 Liter Trinkwasser genutzt. «Der Verbrauch hat sich aber wieder eingependelt», sagt der Rüdlinger Gemeindepräsident Martin Kern. «Nun liegt der Tagesverbrauch wieder bei rund 600 000 Litern. Viele Bürger sprengen jetzt beispielsweise ihren Rasen nicht.» Die Gemeinde bezieht ihr Trinkwasser aus dem Grundwasserstrom des Rheins.

In den vergangenen Tagen gab es seitens der Gemeinde ein Verbot für das Bewässern der Felder mit Wasser vom Hydranten. «Für diese Bewässerung braucht es eine Bewilligung von der Gemeinde», sagt Kern. «In diesem Sommer haben wir sicher schon bis zu acht Bewilligungen erteilt.» Weil aber die Pumpanlage für das Trinkwasser wegen des aussergewöhnlichen Tagesverbrauches an den Anschlag gekommen ist – das passiert ab einer Pumpleistung von rund 800 000 Litern –, hat man der Landwirtschaft das Bewässern der Felder kurzzeitig verboten. «Es gibt nicht zu wenig Wasser, aber wir hatten nicht genug Pumpen, damit auch die Bauern noch wässern konnten.»

Die Trinkwasseranlage der Gemeinde sei nicht darauf ausgelegt, auch noch die Landwirtschaft mit Trinkwasser zu versorgen. Bei Einzelanfragen sei es aber jetzt wieder möglich, dass die Bauern in der Nacht Wasser vom Hydranten für ihre Felder nutzen können, so Kern. Das Verbot habe nur für wenige Tage gegolten und sei erstmals seit Jahren ausgesprochen worden. «Wir sind hier in der glücklichen Lage, dass wir drei Beregnungsanlagen für die Felder haben. Vom Kanton haben wir eine Konzession, dafür Rheinwasser zu nutzen», sagt Kern.

Auch in Merishausen hat die Gemeinde vergangene Woche mit einem Infozettel im Briefkasten dazu aufgefordert, mit dem Trinkwasser sparsam umzugehen. Die Bürger sollten darauf verzichten, den Rasen zu wässern oder den Pool aufzufüllen. Die Pegel der Dorfquellen waren wegen der anhaltenden Trockenheit drastisch gesunken, wie Gemeindepräsident Herbert Werner sagt. Deshalb musste von der Reiat-Wasserversorgung zusätzlich Trinkwasser hochgepumpt werden.

Quellpegel haben sich stabilisiert

«Die Aufforderung zum Wassersparen hat gefruchtet. Die Pegel in unseren Quellen haben sich stabilisiert», freut sich Gemeindepräsident Herbert Werner. Dank dem nun angesagten Regen soll sich die Lage normalisieren. Der Gemeindepräsident bittet die Bevölkerung aber, in den nächsten Tagen noch sparsam mit dem Trinkwasser umzugehen. Unter www.merishausen.ch wird übers Internet informiert, wenn sich die Wasserlage normalisiert hat.

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