Parachute-Sounds in Dettighofen: Wie ein paar Freunde ein Festival erschufen

Autor
Ralph Denzel

Im grenznahen Dettighofen gibt es dieses Wochenende viel elektrische Musik. Das Parachute-Sounds steht an. Das Fest entstand aus einer Bieridee und ist heute für viele eine Pflichtveranstaltung.

Den Namen hat die Veranstaltung von dem Fallschirm, der gleichtzeitig als Hitze- und Regenschutz dient. Bild: Parachute Sounds/zvg

Dettighofen ist eine Gemeinde im Grenzgebiet, die selten Aufmerksamkeit erfährt. Viele kennen sie wohl am ehesten als Durchfahrtsort – vielleicht auch als die letzte Gemeinde, bevor man nach Albführen fährt. Aber einmal im Jahr kommt es in diesem beschaulichen Ort zu einem Grossereignis, so auch diesen Samstag. Dann findet dort wieder das Parachute-Sounds statt. Organisiert wird das von einem extra gegründeten Verein – der dabei keine anderen Interessen verfolgt als eine gute Party feiern zu wollen.

Früher war «nicht viel los» in Dettighofen

Einer der Mitglieder ist Mirco Läule aus Wil. Er ist schon seit den Anfangstagen des Festivals dabei und erinnert sich, wie es überhaupt dazu gekommen ist: «Im Dettighofer Raum war für die Jugend früher so gut wie nichts geboten», erinnert er sich. Damals wohnte er noch in Jestetten, spielte aber in der kleinen Gemeinde beim FC Dettighofen Fussball und erfuhr daher aus erster Hand, wie wenig in diesem Ort passierte und was für Wünsche die Jugend umtrieb. «Wenn man was erleben wollte, musste man immer irgendwo hinfahren.»

Das wollte er und ein paar Freunde ändern und organsierten das erste Fest, dass damals allerdings noch nicht Parachute-Sounds hiess und auch nicht so gross war wie es heute ist.

Die Idee dafür entstand im «Freundes und Bekanntenkreis», erinnert Mirco Läule sich. So waren die ersten Veranstaltungen auch eben genau das: Eine Party für Freunde und «Einwohner aus Dettighofen». Auch aus versicherungstechnischen Gründen wurde dann später der «Kulturclub Nightlife Dettighofen» gegründet, der jetzt das ganze organisiert.

Aus dieser kleinen Fete entwickelte sich dann aber langsam etwas Grösseres, was heute weit über die Grenzen von Dettighofen Bekanntheit hat: Das Parachute-Sounds. «Wir leben dabei von der Mund-zu-Mund Propaganda», so Mirco Läule. Die kann sich sehen lassen: Die Gäste strömen teils aus dem tiefsten Schwarzwald und auch aus der Schweiz ins beschauliche Dettighofen für diesen Abend, an dem bis in die Morgenstunden elektronische Musik aufgelegt wird. Das freut den Non-Profit-Verein. «Wir machen das ja nicht wegen des Geldes», unterstreicht Mirco Läule. «Wenn wir am Ende des Tages unsere Kosten drin haben, sind wir zufrieden.»

Rock kam nicht gut an

Das war nicht immer so gegeben: Als der Verein eine Weile ein zweitägiges Festival mit Live-Bands anbot, kamen nicht genug Besucher. «Wir wollten damals auch der älteren Generation was bieten – aber leider wurde das nicht von den Zuschauern honoriert.» Daher sei man jetzt wieder zu einem eintägigen Festival übergegangen, bei dem verschiedene DJs auflegen. «Das hat auch den Vorteil, dass wir so weniger Auf- und Abbau haben.»

Denn, bei all der Professionalität, die das Team des «Kulturclub Nightlife Dettighofen» an den Tag legen, darf man nicht vergessen, dass die ganze Veranstaltung ehrenamtlich organisiert und durchgeführt wird: «Viele von uns nehmen sich extra Urlaub für diese Tage», so Läule. Familie und Freunde würden in der Festival-Woche sehr kurz kommen. So war auch, als Parachute Sounds zweimal an einem Wochenende stattfand, vor allem die Organisation der Helfer ein Problem: Es fehlte irgendwann nicht die Bereitschaft, sondern schlicht die Energie. «Wir sind aktuell 18 Mitglieder im Verein. Wenn wir dann die Veranstaltung hatten, mussten wir am morgen aufbauen, die ganze Nacht an der Bar arbeiten und am nächsten Morgen wieder abbauen – das schlaucht enorm.»

Dieses Jahr werden an diesem Festival wieder vier DJs auflegen. Einer, der bereits eine Art «Dauergast» bei dem Festival ist, kommt extra aus Dortmund angereist. Mirco Läule ist optimistisch für die Veranstaltung. «Wir werden sehr gutes Wetter haben, gute Musik und die Bar ist auch gut bestückt.»

So kann das Parachute-Festival, das dieses Jahr zum achten Mal stattfindet, wohl noch einige Jahre weiter bestehen – solange es so motivierte Helfer im Hintergrund hat. Schliesslich freue man sich ja jetzt schon auf das 10-jährige Jubiläum, welches 2021 ansteht. «Da planen wir was ganz besonderes», so Mirco Läule. Was, wollte er allerdings nicht verraten.

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