Tote 22-Jährige im Tessin: Mutmasslicher Täter war eng mit Region verbunden

Autor
Ralph Denzel

Dirk W. steht im Verdacht, den Tod seiner 22-jährigen Freundin verschuldet zu haben. In der Region fiel der 29-jährige mehrmals auch durch körperliche Gewalt auf.

In diesem Hotel starb die 22-jährige Engländerin. Dirk W. wurde als Tatverdächtiger verhaftet. Bild: Key

Der Tod einer 22-jährigen Engländerin im Tessin vor zwei Wochen schockierte die Schweiz und beherrscht immer noch die Medien. Immer neue Details über den Tod der jungen Frau kommen ans Licht. Der vom «Blick» Dirk W.* genannte Tatverdächtige, ein Deutscher mit einem Wohnsitz in der Schweiz, war in der Nacht, in der die Anna R. zu Tode kam, ebenfalls mit ihr im Zimmer. Die beiden hatten am 8. April in das Hotel «La Palma Au Lac» an der Viale Verbano in Muralto im Tessin eingecheckt. In den frühen Morgenstunden des 9. Aprils meldete Dirk W. an der Rezeption, dass etwas mit seiner Freundin passiert sei. Laut «Blick» wollen andere Hotelgäste zuvor Schreie aus dem Zimmer der beiden gehört haben. Das Hotel alarmierte die Sanitäter, welche vor Ort später nur noch den Tod der jungen Frau feststellen konnten. Dirk W. wurde noch am selben Tag von der Tessiner Polizei verhaftet.

Im Vordergrund stünden laut der Tessiner Staatsanwaltschaft die Tatbestände vorsätzliche Tötung oder Totschlag.

Der 29-jährige Deutsche ist auch in der Region kein Unbekannter, wie Recherchen der «Schaffhauser Nachrichten» zeigen.

Körperverletzung in Jestetten

In der Nacht vom 10. auf den 11. Februar 2018 kam es in Jestetten zu einem Vorfall, bei dem ein 17-Jähriger verletzt wurde. Laut deutscher Polizei war der Jugendliche zusammen mit zwei Freunden auf dem Nachhauseweg, als er im Gedränge gegen einen Unbekannten stiess. Bei diesem handelte es sich um Dirk W. Trotz einer Entschuldigung sei dieser sofort aggressiv geworden und musste von seinen Begleitern zurückgehalten werden. Als er diese abgeschüttelt hatte, nahm er die Verfolgung des Jugendlichen auf. Als er ihn einholte, spuckte er ihm ins Gesicht und versetzte ihm einen Schlag gegen die Hüfte. Erst dann liess Dirk W. wieder von dem 17-Jährigen ab. Der Jugendliche stellte später dann eine blutende Wunde fest, welche im Krankenhaus behandelt werden musste. Die Begutachtung durch einen Arzt ergab den Verdacht, dass es sich bei der Wunde um eine Stichverletzung handeln könnte. Dirk W. wurde später als Täter ermittelt und, wie das Amtsgericht Waldshut bestätigte, am 8. Oktober 2018 zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt.

Überhaupt hielt sich Dirk W. sehr oft in der Grenzregion auf, vor allem im Bereich Jestetten/Lottstetten. Eine Person, die anonym bleiben möchte, erinnert sich gut daran, ihn öfter in einer beliebten Kneipe in Jestetten getroffen zu haben. Aggressives Verhalten habe er dabei nie an den Tag gelegt.

Ungefragt Homepage gebaut

Genervter reagiert man hingegen in der Lounge-Bar in Jestetten. Diese muss sich, seit der Name Dirk W. in den Medien herumgereicht wird, immer wieder mit Anfragen von Journalisten auseinandersetzen, obwohl sie laut einem Angestellten nichts mit dem Mann zu tun habe. Der Hintergrund: Dirk W. erstellte für die Bar eine Homepage – ohne das Wissen selbiger. Als Kontaktperson gab er sich selbst an.

«Bei der gesamten Website handelt es sich um eine Fälschung», heisst es vonseiten der Bar. Erfreut ist man darüber nicht. So versuche der Chef schon lange, diese Seite wieder löschen zu lassen.

* Name der Redaktion bekannt

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