Vom Veloventil zum intelligenten Haus – 100 Jahre Moser Elektro AG

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Moser Elektro AG

Vom Veloventil zum intelligenten Haus – 100 Jahre Moser Elektro AG

1918 half der Gründer der Moser Elektro AG mit den Klettgau zu elektrifizieren. Heute konzipiert das Unternehmen Häuser, die selbst denken.

Wenn ein Betrieb drei der vier Industrialisierungsstufen miterlebt, prägt dies nicht nur das Firmen-Knowhow, sondern resultiert in jener besonnenen Geschäftsleitung, die es gewohnt ist, langfristig zu denken und fair und umsichtig zu handeln.

Ende des 18. Jahrhunderts legten Dampfmaschinen die Grundlage der ersten Industrialisierungsstufe. Mit der Automatisierung der Autoindustrie setzte Henry Ford 1913 die nächste Industrialisierungsphase in Bewegung. Als der Gründer der Moser Elektro AG, Hermann Moser, 1918 sein Geschäft eröffnete, lebten im Klettgau noch ganze Dorfteile ohne Strom. Elektrische Haushaltsgeräte waren weitgehend unbekannt. Petroleumlampen spendeten ein russiges Licht. Deshalb arbeitete der Jungunternehmer in der Anfangszeit als Allrounder. Nebst seinen Dienstleistungen im elektrischen Bereich reparierte er auch Fahrräder. In den Geschäftsbüchern von damals kann man Einträge von verkauften Veloventilen finden. Mit Ende des Ersten Weltkrieges wurde Petroleum knapp und die Notwendigkeit der Elektrifizierung stieg auch im Klettgau rapide an.

Rechnungsbuch von Hermann Moser aus dem Jahre 1918. Bilder: zVg

Die Zwanziger und der Zweite Weltkrieg

Helles und sauberes Licht war das Erste, das aus den damals noch geheimnisumwobenen Drähten strömte. Die ersten elektrischen Kochherde und Boiler kamen in Gebrauch. Hermann Moser stürzte sich in die Arbeit. Zu seinen Einsatzgebieten im Klettgau war er oft mit dem Fahrrad unterwegs. Die Zwanzigerjahre schickten ihre Schatten voraus. Arbeitslose reihten sich in die langen Schlangen von Stellensuchenden ein, die Teuerung war vernichtend. Doch der Elektrobereich startete voll durch. Bestehende Wohnungen wurden ans Netz angehängt, Ökonomiegebäude elektrifiziert und Motoren angeschlossen. Exakt zum 25-jährigen Jubiläum trat der Sohn Theo Moser ins Unternehmen ein. Erst die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges bremsten. Kupfer wurde knapp und das Arbeitsmaterial war von schlechter Qualität.

Eine Rechnung aus dem Jahr 1922.

Industrie 3.0

Die Siebziger hielten Einzug, man erlebte die Ölpreiskrisen und das Ende des Nachkriegsbooms. Später brach das Computerzeitalter an, man sprach vom papierlosen Büro und vom Cyberspace. Mit der dritten Industrierevolution erhielten die Geschäfts- und Produktionsprozesse ein ganz neues Gesicht. Jürg Moser, als Vertreter der dritten Generation, liess sich 1974 zum Elektrozeichner, später als Elektroinstallateur ausbilden. Nach 2-jährigem Auslandsaufenthalt in Südafrika absolvierte er die Meisterprüfung und die SIU-Unternehmensschulung. 1990 löste er seinen Vater im Unternehmen ab. Beinah zeitgleich schossen die Hypothekenzinsen in die Höhe und die Schlagzeilen überboten sich: «Preiskampf bis zum Kurzschluss», «der Baubranche droht der Zusammenbruch» und «wen lüpft es als nächstes?». Mit sicherer Hand steuerte der neue Geschäftsführer das Unternehmen durch die Krise. Jürg Moser: «Ausschlaggebend war unsere Ehrlichkeit, die Zuverlässigkeit und dass wir trotz allem immer zu unserem Wort gestanden sind.» Ein weiterer stabilisierender Faktor war die Treue des Personals. Sogar heute noch besteht das Kernteam des Unternehmens aus langjährigen Mitarbeitenden, die sich zum Teil seit ihrer Lehrzeit zu 100 % mit der Moser Elektro AG identifizieren. Der Firmeninhaber: «Das ist überhaupt nicht selbstverständlich und für diese Loyalität möchte ich mich bedanken.»

Der Bauboom

Am 8. Mai 1945 unterschrieben die Deutschen die bedingungslose Kapitulation. Der Bauboom begann. Im Rahmen ihrer bisherigen Aufträge hatte die Moser Elektro AG mehrere Hundert Kilometer Leitungen und Drähte verlegt. Der Geschäftsbereich dehnte sich über den gesamten Klettgau aus, sogar über den Randen bis nach Hemmental. Das Auftragsvolumen wurde grösser und die ersten Grossprojekte stellten ihre spezifischen Herausforderungen. Das Unternehmen machte sich einen Namen als kompetenter, verlässlicher und seriöser Betrieb. Die Firma erlebte eine schöne und goldene, aber auch sehr anspruchsvolle Zeit.

Das erste Firmenschild von Hermann Moser.

Differenzierungsmerkmal Intelligenz

Es waren die Herausforderungen der Neunziger, die den neuen Inhaber den Markt unter einem ganz neuen Licht betrachten liessen. Die Zeiten der Massenbauten und des Leistungsdrucks bis zur Unvernunft waren mehr oder weniger vorbei. Auch das Bewusstsein der Kunden wandelte sich. Verantwortung gegenüber natürlichen Ressourcen bedeutete plötzlich mehr als das reine Lippenbekenntnis der Achtziger. Ein höchstmöglicher Nutzeffekt für Kunde und Umwelt wurde angestrebt. Energieeffizienz und die Frage, wie viel man entlang einer Zeitachse zurückgewinnen kann, wurden zu den zentralen Themen. Die neuen Differenzierungsmerkmale des Unternehmens waren nicht mehr länger Kraft und Leistung, sondern Intelligenz.

«Digitalisierung findet nicht nur in der Technik und Industrie statt, sondern auch im eigenen Haus. Der Bewohner wählt individuell für jeden einzelnen Raum, wieviel Technik er für sinnvoll erachtet und welcher Standard seinen persönlichen Vorstellungen entspricht.»

Jürg Moser

Häuser, die selbst denken

Ab dem neuen Jahrtausend setzten sich die Mitarbeiter der Moser Elektro AG eingehend mit der Gebäudeautomation auseinander. Dabei geht es darum, alle Funktionen einer Immobilie untereinander und mit dem Benutzer in Kommunikation zu bringen. Anfänglich wurden kleinere, frei programmierbare Steuerungen für Licht und Storen eingesetzt, später kamen dann ganze Häuser dazu. Es lassen sich verschiedene Szenarien programmieren, die zu einer markant gesteigerten Energieeffizienz, einem besseren Wohnkomfort und zu einer höheren Sicherheit beitragen. Beispiel: Die Benutzer verlassen das Haus. Stromfresser werden automatisch ausgeschaltet, Temperatur gesenkt und die Alarmanlage aktiviert. Die Markisen passen sich dem Sonnenlicht an und werden zusammen mit Dachfenstern bei Regen automatisch eingezogen. Jeder Raum lässt sich unterschiedlich beheizen, belüften – das Spektrum ist beinah grenzenlos. Dank einer immer grösseren Verbreitung und konstanten Weiterentwicklung der Systeme bewegen sich die Investitionen heute in Bereichen, die sich Private leisten können.Heute beschäftigt das Unternehmen rund 10 Mitarbeitende und schaut gut aufgestellt einer interessanten Zukunft entgegen.

Lehrlingsausbildung war immer ein fester Bestandteil der Unternehmenstradition

«Eine Investition in Bildung bringt immer noch die besten Zinsen». Mit diesem Zitat formulierte Benjamin Franklin eine Weisheit, die zu allen Zeiten gilt. Die Inhaber aus jeder Generation der Moser Elektro AG bildeten Lehrlinge aus und nahmen als aktive Experten Lehrabschlussprüfungen ab. Zu Beginn wurden die jungen Menschen noch vollständig im eigenen Betrieb ausgebildet. Später arbeitete der SELIV (Schaffhauser Elektroinstallateuren-Verband) erste Grundlagen für Kurse aus, die von den Auszubildenden gemeinsam besucht wurden. Entlang der Zeit entwickelte sich das Angebot weiter. In Zusammenarbeit mit der Berufsschule entstand schlussendlich die Berufsausbildung, wie wir sie heute kennen. Auch der heutige Firmeninhaber war 27 Jahre als Experte der Elektroberufe des Kantons Schaffhausen tätig, davon 20 Jahre als Chefexperte.

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