Schwitzen in der Sauna bei strahlendem Wetter – warum die Lindlisauna gerade jetzt eröffnet
In Schaffhausen soll auch im Sommer das Saunafieber ausbrechen. So jedenfalls der Wunsch. Während andernorts die Schwitzstuben in die Sommerpause gehen, legen die Macher der neuen Lindlisauna erst richtig los. Was es damit auf sich hat.
Seit Wochen wird im Garten der Direktorenvilla am Gaswerkareal in die Hände gespuckt. Rasen wurde angesät und es schossen Saunajurten aus dem Boden. Doch Letztere wuchsen nicht von alleine: In etlichen unbezahlten Arbeitsstunden haben Freiwillige aus der ganzen Region angepackt, um eine neue Saunalandschaft zu bauen.
Die Eröffnung der Lindlisauna ist am Donnerstag. Es ist der Startschuss für eine Zwischennutzung, die ein noch heisseres Sommerleben in der Munotstadt verspricht. Hinter dem Projekt stehen angefressene Saunagänger von der Rhysauna, die jeweils in den Wintermonaten in der Rhybadi aufgebaut wird. Mit im Boot sind auch die Organisatoren des Saunamarathons. «Schwitzen kann man das ganze Jahr, im Norden macht man das auch so», sagt Manuel Gruber, Aktuar des Vereins Lindlisauna.
In der Rhysauna wurde es zu eng
Die Idee für die Lindlisauna entstand aus einem praktischen Engpass: Die Rhysauna in der Rhybadi war in den Wintermonaten regelmässig ausgelastet. «Wir hatten Gäste, die vor verschlossenen Türen standen und enttäuscht waren, weil sie den Weg auf sich genommen hatten, aber keinen Platz mehr fanden», beschreibt Gruber die damalige Situation.
Um diesem hohen Andrang zu begegnen, suchte der Verein nach einer Erweiterungsmöglichkeit. Dass man den Betrieb nun auch auf die Sommermonate ausweitet, ist für den Verein die logische Konsequenz, um dem ungebrochenen Bedürfnis nach dem gemeinsamen Schwitz-Erlebnis gerecht zu werden. Geplant ist ein Ganzjahresbetrieb am Lindli, dies sei jedoch ein längerfristiges Ziel und mit den aktuellen Mitteln noch nicht realisierbar. Die Rhysauna im Winter bleibt als zusätzliches Angebot bestehen.
Die Saunajurten sind hinter der Direktorenvilla aufgebaut. Das Gebäude selbst, eigentlich architektonisch eine Perle, sei für den Verein aber gar nicht von Interesse gewesen, sagt Gruber offen. «Wir mussten die Villa dazunehmen, damit wir den Garten bekommen.» Dass man sie nicht als zentralen Wellnesstempel nutzt, hat pragmatische Gründe: «Da fehlen uns ganz klar die finanziellen Mittel.» Die Villa befinde sich in keinem besonders guten Zustand, was eine umfassende Nutzung für den Wellnessbetrieb derzeit ausschliesst.
Dennoch steht die Villa nicht einfach leer: «Wir haben Untermieter gefunden, die auch Sauna-Fans sind», sagt Gruber. Tatsächlich trifft die SN bei einem Besuch vor Ort auf Untermieter Harald Schmitz, der spontan durch das Saunadorf führt und sich für ein Foto in den Bademantel stürzt und posiert, als hätte er sein Leben lang nichts anderes getan.
Schmitz ist aber eigentlich Spezialist für Yoga und ayurvedisches Essen. Dieses Angebot will er künftig auch im Saunadorf anbieten. Auch Aktuar Gruber spricht von einer geplanten Kooperation, zudem wolle man die Villa als Umkleide nutzen, um beispielsweise Spinde unterzustellen. So diene das Gebäude als praktische Ergänzung für das Saunadorf.
In die Badehose für die Abkühlung
Dass der Ort aber nicht von Anfang an als Saunatempel konzipiert wurde, macht ein Detail deutlich. Das kühlende Nass, der Rhein, ist durch eine Strasse von der Sauna getrennt. Es gibt zwar Kaltwasserpools, aber wer nach dem Schwitzen die Abkühlung im Rhein sucht, muss etwas spazieren und zunächst Ruhe bewahren, was beim Saunieren ohnehin empfohlen wird, um den Kreislauf nicht zu überlasten. Manuel Gruber nimmt das Hindernis mit Humor: «Wir haben Glück, wir haben einen Zebrastreifen vor der Tür.»
Für den Schwumm im Rhein gibt es zudem eine Regel, die für eingefleischte Saunagänger eine Umstellung bedeutet. Anders als in der geschützten Atmosphäre der Rhysauna spielt hier der öffentliche Raum eine entscheidende Rolle. Während in den Jurten und Saunafässern textilfrei geschwitzt wird, gilt dies ausserhalb nicht. «Wir sagen allen Gästen klipp und klar, sie müssen mit Badekleidern rüberlaufen, weil wir dann im öffentlichen Raum sind.»
Die Abkühlung im Rhein erfordert also, ganz im Sinne der Entschleunigung, einen kurzen Zwischenstopp, um die Badehose oder das Badekleid anzuziehen, bevor man den Zebrastreifen überquert. Vielleicht ist es gerade dieses Hindernis, das den Reiz ausmacht – auch wenn sich der eine oder andere nicht ortskundige Autofahrer die Augen reiben dürfte, wenn plötzlich Gestalten im Bademantel und mit dampfender Haut über den Fussgängerstreifen huschen.