Zwei neue Gesichter im GF-Verwaltungsrat – das sorgte an der Generalversammlung für Wortmeldungen

Kay Fehr | 
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Generalversammlung 2025 der Georg Fischer GF AG mit Yves Serra, Eveline Saupper, Andreas Mᅢᄐller, Ton Bᅢᄐchner und Christopher Guᅢᄅrin in der IWC Arena. Fotografiert am Mittwoch, 15. April 2026 in Schaffhausen. (ENYA DALLE FE
Wie gewohnt führte Verwaltungsratspräsident Yves Serra durch die Generalversammlung der Georg Fischer AG. Dieses Mal musste er auf mehr Wortmeldungen als üblich antworten. Bilder: Enya Dalle Feste

Über 800 Aktionärinnen und Aktionäre konnte die Georg Fischer AG am Mittwoch zur Generalversammlung begrüssen, bei der zwei Männer in den Verwaltungsrat gewählt wurden. Vereinzelt wurde daran Kritik geäussert.

Lackschuhe statt Kufen, Abstimmungsgeräte statt Hockeyschläger, edle Hemden statt Schutzausrüstung: Wer am Mittwochnachmittag die IWC-Arena auf der Breite betrat, wurde ausnahmsweise nicht Zeuge eines Eishockeyspiels, sondern er fand sich inmitten der Generalversammlung eines der grössten Unternehmen in der Region wieder. 836 Aktionärinnen und Aktionäre der Georg Fischer AG – über 150 mehr als letztes Jahr – sowie zahlreiche Gäste aus Politik und Wirtschaft kamen auf der Eisfläche zusammen, die für den Anlass mit Teppich überzogen worden war.

Anders als im Vorjahr, als das Unternehmen mit Theaterbestuhlung und anschliessendem Apéro experimentiert hatte, kehrte man heuer zu gedeckten Tischen und einem dreigängigen Znacht im Anschluss zurück. «Der Stehapéro hat viele begeistert, andere hätten sich mehr Ruhe und Komfort gewünscht», sagte Verwaltungsratspräsident Yves Serra. «Wir hören Ihnen zu. Deshalb haben wir uns entschieden, dieses Jahr wieder zum ‹Klassiker› zurückzukehren.» Er erntete mit diesen Worten den grössten Applaus des Tages.

Einzelne unzufriedene Voten

Ganz reibungslos ging die 130. Generalversammlung von GF indes nicht über die Bühne. Zwei Einzelaktionäre machten ihrer Unzufriedenheit mit mehreren Wortmeldungen Luft. Es herrsche eine Ausverkaufsstimmung bei GF, monierte der eine mit Verweis auf die beiden Divisionen, welche GF im Zuge seiner grossen Transformation veräussert hat. Besonders der Verkauf des Giessereigeschäfts in Leipzig stiess ihm sauer auf. «Das hat mich schwer enttäuscht», sagte er und nannte die Transaktion einen Affront gegenüber jenen Mitarbeitenden, die bis 1992 in der Schaffhauser Stahlgiesserei Schwerstarbeit verrichtet haben. «Wollen wir denn nur noch Industriedenkmäler?», fragte der Aktionär. «Ich habe das Vertrauen in den derzeitigen Verwaltungsrat verloren.»

Generalversammlung 2025 der Georg Fischer GF AG mit Yves Serra, Eveline Saupper, Andreas Mᅢᄐller, Ton Bᅢᄐchner und Christopher Guᅢᄅrin in der IWC Arena. Fotografiert am Mittwoch, 15. April 2026 in Schaffhausen. (ENYA DALLE FE
CEO Andreas Müller – von Serra als «treibende Kraft hinter der Transformation von GF» bezeichnet – sprach von einem soliden Jahresergebnis, das ihn allerdings nicht vollständig zufriedenstelle.

Serra antwortete ihm, dass er seine Gefühlslage gut nachvollziehen könne. «Wir waren über 150 Jahre in diesem Geschäft tätig. Es fiel uns nicht leicht, diese Devestition zu machen», so Serra, der selbst elf Jahre bei der GF Machining Solutions gearbeitet hat. Doch mit der Krise, in der sich die Automobilindustrie aktuell befindet, wäre GF heute «in einer sehr schwierigen Situation», hätte sie die Sparte nicht verkauft, sagte der Verwaltungsratspräsident. CEO Andreas Müller ergänzte, dass man für beide Divisionen strategische Partner finden konnte, welche die Aktivitäten der ehemaligen Geschäftszweige von GF wertschätzen.

Zwei Neue im Verwaltungsrat

Als es um die anstehende Wahl der Verwaltungsräte ging – die sieben bestehenden sollen wiedergewählt werden, zudem wurde die Neuwahl von Ton Büchner und Christopher Guérin beantragt –, meldete sich ein zweiter Aktionär zu Wort. Er wolle die beiden Neuen nicht nur sehen, sondern auch eine Vorstellung ihrerseits hören. Bei Büchner habe er zudem «ernsthafte Bedenken», dass er für GF überhaupt genug Zeit habe – der niederländisch-schweizerische Doppelbürger ist auch Verwaltungsrat von Novartis sowie Vorsitzender des Verwaltungsrats der Swiss Prime Site AG, einer der grössten börsenkotierten Immobiliengesellschaften in Europa. Beide Männer stellten sich daraufhin kurz vor. «Ich sehe eine Firma mit sehr viel Potenzial und ich kann ihr mit absoluter Sicherheit genügend Zeit geben», sagte Büchner. Sie wurden im Anschluss mit jeweils über 98 Prozent der Stimmen gewählt, der Verwaltungsrat besteht neu aus dem statutarischen Maximum von neun Personen.

Die Abstimmungen selbst förderten eine deutliche Zustimmung von mehr als 90 Prozent zu allen Anträgen zutage. Trotz eines schwierigen Jahres des Übergangs, in welchem ein Verlust von rund 48 Millionen Franken hingenommen werden musste, schlug der Verwaltungsrat eine unveränderte Dividende von 1.35 Franken pro Aktie vor. Man habe die Basis für zukünftige Gewinne gelegt, argumentierte Serra. Zudem müsse man berücksichtigen, «dass das Jahresergebnis durch die Devestitionen verzerrt wurde». Die heutige GF habe, isoliert betrachtet, ein solides Ergebnis erzielt.

Serras Nachfolge soll noch dieses Jahr bekannt gegeben werden

Beide Kleinaktionäre meldeten sich im Verlauf der Generalversammlung erneut zu Wort. Es könne doch nicht sein, dass das Unternehmen einen Verlust schreibe und die Konzernleitung dennoch fürstlich entlöhnt werde, meinte der eine – es wurde ein maximaler Gesamtbetrag von 10,3 Millionen Franken zur Vergütung der Konzernleitung für das Geschäftsjahr 2027 beantragt. Das solle man ablehnen, fand er. Der andere Aktionär sagte, er werde die neuen Verwaltungsräte nicht wählen. Es sei doch nicht gerecht, dass sie mit so einem Mandat jährlich einen Haufen Geld verdienen, während andere ein Leben lang für so einen Betrag ackern müssten (der Präsident enthielt sich jeglichen Kommentars).

«Ich sehe eine Firma mit sehr viel Potenzial und ich kann ihr mit absoluter Sicherheit genügend Zeit geben.»

Ton Büchner, neugewählter Verwaltungsrat von GF

Dann sprach der Mann das Thema Nachfolge an – Serra sei schliesslich 72 Jahre alt, somit sei die nächste Generalversammlung aufgrund der Altersbeschränkung seine letzte. Das bejahte der Präsident. «Der Verwaltungsrat ist daran, die Nachfolge zu organisieren», sagte Serra. «Wir werden das voraussichtlich noch dieses Jahr kommunizieren, sobald ein Entscheid getroffen wurde.»

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