Vom Klettgau nach Singapur – wie regionale Innovationskraft weltweit Wirkung entfaltet

Louise Østergaard | 
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Innovationskraft aus dem Klettgau. CEO Hidrostal Group erklärt, wie Pumpensysteme weltweit eingesetzt werden. Bild: ZVG

Was auf den ersten Blick wie ein geografischer Spagat wirkt, ist für die Schweizer Pumpentechnikfirma Hidrostal längst Realität. Ihre Systeme dienen in Millionenstädten der Abwasserinfrastruktur und wehren Hochwasser ab. Das Interessante dabei: Hergestellt werden die Pumpsysteme in Neunkirch – regionale Innovationskraft also, die weltweit Wirkung entfaltet.

Pumpentechnik aus dem Klettgau

Schweizer Standort Neunkirch

Seit 1968 betreibt Hidrostal im Klettgau ein eigenes Werk. Heute ist der Standort Innovationszentrum der gesamten Gruppe: Entwicklung, Konstruktion, Giesserei, Modellbau, Prototypenfertigung und Prüfstände befinden sich hier unter einem Dach. Diese Konzentration macht Neunkirch zu einem technisch hochrelevanten Standort, obwohl dort nur rund ein Zehntel der weltweiten Belegschaft arbeitet.

Globales Netzwerk

Ausgehend vom Kanton Schaffhausen hat sich Hidrostal zu einer global tätigen Unternehmensgruppe entwickelt – mit Standorten in Europa, den USA, Lateinamerika, Asien und Australien. Heute werden Pumpen und komplette Pumpensysteme in über 100 Ländern eingesetzt, unter anderem in Renommierprojekten in Singapur, Hongkong, Brisbane, Los Angeles, Amsterdam oder Jakarta.

 

 

Was aus einer Werkstatt am Rhein entstand, bewegt heute Wasser in den grössten Metropolen der Welt: Die Pumpensysteme der Hidrostal AG aus Neunkirch gehören zu den unsichtbaren, aber unverzichtbaren Komponenten moderner Infrastruktur. Ihr Weg führt aus dem Klettgau bis zum Beispiel nach Singapur und zeigt die globale Relevanz von Schweizer Ingenieursgeist.

Auf den ersten Blick scheint es ungewöhnlich, dass ein mittelständisches Unternehmen aus einer ländlichen Region des Kantons Schaffhausen für Millionenstädte produziert. Doch wer sich mit den Herausforderungen moderner Urbanität beschäftigt, versteht, dass Städte wie Singapur, Hongkong, Jarta oder Brisbane hochzuverlässige Systeme benötigen, um Abwasser zu transportieren, Hochwasser abzuwehren oder feststoff-beladene Flüssigkeiten effizient zu fördern.

Robuste Lösung – international anerkannt

Genau hier hat Hidrostal seit Jahrzehnten eine besondere Stellung. Die sogenannte Schrauben-Zentrifugalpumpe, auf die das Unternehmen spezialisiert ist, gilt international als robuste Lösung für Flüssigkeiten mit Feststoffen – ideal für den Abwasserbereich. Laut Firmenwebseite werden Hidrostal-Pumpen weltweit dort eingesetzt, wo Zuverlässigkeit entscheidend ist: in Klärwerken, Hafenstädten, in stark belasteten Kanalisationssystemen oder beim Hochwasserschutz.

Für Rolf Schweizer, CEO Hidrostal Group, ist deshalb klar: «Internationale Aufträge sind für uns in vielerlei Hinsicht wichtig. Sie zeigen, dass Schweizer Unternehmen auf den Weltmärkten bestehen können, vorausgesetzt, sie bieten hervorragende Qualität, Innovation und Produzieren zu wettbewerbsfähigen Kosten. Genauso wichtig ist für uns aber auch, dass der Heimmarkt und kleine Aufträge von lokalen Kunden genau so hohe Aufmerksamkeit in der Abwicklung wie Grossprojekte geniessen.»

Neunkirch: Innovationszentrum mit globaler Strahlkraft

Trotz globaler Aufstellung schlägt das technische Herz des Unternehmens im Klettgau. Der Standort Neunkirch ist laut Firmenangaben das Innovationszentrum der gesamten Gruppe. Hier arbeiten Entwicklung, Konstruktion, Modellbau, Giesserei, Prototypenbau und Teststände an einem Ort zusammen. Ein für die Branche ungewöhnliches Set-up, das schnelle Entwicklungszyklen ermöglicht.

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Neue Pumpenmodelle können im eigenen Haus konzipiert, gegossen, montiert, getestet und optimiert werden. Damit verkürzt Hidrostal die Wege und hält gleichzeitig das technische Know-how im Kanton Schaffhausen gebündelt. Für den Weltmarkt ist diese Geschwindigkeit ein Vorteil, gerade bei Projekten, bei denen es auf technische Sonderlösungen oder kurze Lieferfristen ankommt. «Läuft es in Neunkirch rund, geht es normalerweise auch der Hidrostal-Gruppe gut», so Schweizer. Obwohl dort nur gut zehn Prozent der weltweiten Belegschaft arbeiten, sei der Standort zentral für die Wettbewerbsfähigkeit.

Warum Singapur mehr als ein Auftrag ist

«Gerade bekannte Städte wie Singapur, Hongkong oder Los Angeles sind für uns Leuchttürme. Wenn wir dort überzeugen, stärkt das unser Ansehen weltweit», sagt Schweizer. Der Heimatmarkt Schweiz wäre für Hidrostal viel zu klein. Rund 95 Prozent des Schweizer Produktionsvolumens werden exportiert.

«Gerade bekannte Städte wie Singapur, Hongkong oder Los Angeles sind für uns Leuchttürme. Wenn wir dort überzeugen, stärkt das unser Ansehen weltweit.»

Rolf Schweizer, CEO Hidrostal Group, Neunkirch

Internationale Grossprojekte dienen nicht nur der Auslastung, sie sind auch wichtige Referenzen. Ein erfolgreiches Projekt in Singapur öffnet Türen zu Bauingenieuren in Europa, Lateinamerika oder Australien.

Alles begann in Peru

Die Geschichte von Hidrostal begann 1957 in Peru, als der Schweizer Ingenieur Martin Stähle eine neuartige Schrauben-Zentrifugalpumpe entwickelte. Das Prinzip kombinierte schonend fördernde Schraubentechnik mit der Leistungsfähigkeit einer Kreiselpumpe – eine Innovation, die besonders in der Abwassertechnik weltweit neue Massstäbe setzte. In den 1960er-Jahren wurde die Technologie in die Schweiz gebracht, wo die Firma ihren europäischen Kern aufbaute.

Technologie für sauberes Wasser

Hinter den technischen Leistungen steht jedoch mehr als Maschinenbau. Es sind gesellschaftlich relevante Aufgaben: sauberes Wasser, funktionierende Abwassersysteme, Schutz vor Überflutungen. «Wir leisten einen wertvollen Beitrag zu sauberen Flüssen, Seen und Ozeanen – und wir schützen Städte wie Jakarta oder Amsterdam wirkungsvoll gegen Hochwasser», so Schweizer. Gerade angesichts des Klimawandels wird diese Rolle wichtiger. Städte planen grösser, Pumpwerke müssen mehr leisten, Systeme brauchen höhere Zuverlässigkeit. Dass Know-how aus Neunkirch dabei Teil der Lösung ist, zeigt eindrücklich, wie internationale Relevanz aus regionaler Stärke entsteht.

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