Neuausrichtung nach tragischem Schiffsunglück: Wege aus der Krise
Sie haben Stürme erlebt. Im übertragenen und im wörtlichen Sinn. Für Caroline Grewar-Brinkhoff, gebürtige Schaffhauserin und Teil des Teams der Ostschweizer Kaffeemarke Atinkana, wurde das letzte Jahr zur Bewährungsprobe. Ein Ernteausfall, ein Schiffsunglück, der Tod zweier Menschen – und der Entschluss, weiterzumachen.
«Es gab Momente, in denen das Team alles infrage stellte», sagt Caroline Grewar-Brinkhoff, gebürtige Schaffhauserin und Teil des jungen Unternehmens Atinkana. Das Jahr 2024 war für die Mitarbeitenden der Ostschweizer Kaffeemarke eine Zeit voller Herausforderungen. Allem voran der tragische Untergang des Segelschiffs «De Gallant» mit 14 Tonnen Kaffee an Bord, bei dem zwei weibliche Crewmitglieder ums Leben kamen. Eine harte Bewährungsprobe für Gründerin Corinne Koller und ihr Team.
Ein Jahr voller Rückschläge
Neben dem Schiffsunglück traf das Unternehmen ein weiterer Schlag: Ein Ernteausfall von rund 80 Prozent in Kolumbien brachte die Lieferkette ins Wanken und stellte das gesamte Geschäftsmodell infrage. Angesichts dieser düsteren Ereignisse war das Team fast bereit, aufzugeben.
«Doch Corinne Koller hat sich dazu entschieden, weiterzumachen und den Blick nach vorne zu richten», sagt Grewar-Brinkhoff, dazu gehörte auch der Ausbau des Teams.
Atinkana steht seit seiner Gründung für eine Vision, die weit über das Produkt hinausgeht: Spezialitätenkaffee aus Kolumbien soll auf eine Weise nach Europa gelangen, die Umwelt und Menschen respektiert. Dafür setzt das Unternehmen auf möglichst nachhaltige Produktions- und Transportwege vom Anbau in Agroforstsystemen bis zum Segeltransport über den Atlantik.
Neue Hoffnung, neue Ausrichtung
Nach den einschneidenden Ereignissen musste das Geschäftsmodell angepasst werden. Um die Lieferkette zu stabilisieren, wechselte Atinkana vom ursprünglichen Direct-Trade-Ansatz zu einem Importeursmodell. Damit konnte das Unternehmen seine Werte bewahren und gleichzeitig handlungsfähig bleiben. «Es ging nicht darum, alles neu zu erfinden, sondern darum, tragfähige Strukturen zu schaffen, die unsere Grundsätze nicht gefährden», so Grewar-Brinkhoff.
Diesen September feierte Atinkana den Relaunch bei Coop mit neuem Verpackungsdesign, das Nachhaltigkeit und Lebensfreude verbindet. Die Verpackungen bestehen neu aus Monomaterial, was ein sortenreines Recycling ermöglicht. Besonders erfreulich für Grewar-Brinkhoff: Auch der Coop in ihrer Heimatstadt Schaffhausen wurde Teil dieser neuen Etappe. «Für mich ist das ein sehr persönlicher Moment», sagt sie.
«Schaffhausen ist meine Heimat, und es macht mich stolz, dass unsere Geschichte auch hier sichtbar wird.» Denn die Geschichte von Atinkana ist mehr als eine Unternehmensgeschichte: Sie erzählt von Rückschlägen und Neubeginn, von Haltung und der Kraft, an einer Vision festzuhalten.
«Nach Sturm und Schiffbruch weiterzumachen, war alles andere als selbstverständlich», sagt Grewar-Brinkhoff. «Aber wir glauben daran, dass nachhaltiges Wirtschaften möglich ist, auch wenn der Weg dorthin manchmal steinig ist.»
Segeltransport statt Frachtschiff
Atinkana steht für eine Vision von Kaffee, die auf Nachhaltigkeit und Transparenz baut – von der Pflanze bis in die Tasse. Die Bohnen stammen aus Kolumbien, wo sie in Mischkulturen nach Prinzipien der Permakultur wachsen; ohne Pestizide oder künstlichen Dünger. Ziel ist es, natürliche Kreisläufe zu fördern und die Biodiversität zu stärken.
Der Kaffee wird direkt von den Produzenten bezogen und in der Schweiz geröstet. Der Transport erfolgt mit Segelschiffen über den Atlantik – ein Symbol für den Anspruch, umweltfreundliche Alternativen auch im globalen Handel umzusetzen.
