Nur Bares ist Wahres? Schaffhausen pendelt zwischen Cash und Karte
Wer in Schaffhausen einkauft oder essen geht, erlebt es immer wieder: hier nur Karte, dort lieber nur Bargeld. Für viele Kundinnen und Kunden ist das ein Ärgernis – für Geschäftsleute eine bewusste Entscheidung. Ob Kosten, Gewohnheit oder eine Frage der Haltung: Wie bezahlt wird, ist mehr als eine technische Frage.
Laut der Schaffhauser Kantonalbank (SHKB) nimmt der Anteil digitaler Zahlungen rasant zu. «Kontaktloses Bezahlen ist längst Alltag. Die Menschen erwarten, dass sie überall mit Karte oder Smartphone bezahlen können», sagt Lara Iorlano, Leiterin Marketing und Kommunikation der SHKB.
Schweizweiter Rückgang bei Barzahlungen
Seit der Pandemie habe sich das Verhalten deutlich verändert. Die Bank verzeichnete zwischen September 2023 und September 2025 einen Zuwachs der Transaktionen von 27 Prozent bei Karten und sogar 51 Prozent bei Twint. «Unsere Kundinnen und Kunden schätzen das einfache, sichere Bezahlen mit ihren Smartgeräten. Bargeld hat aber in der Schweiz traditionell eine wichtige Funktion, und wir bieten deshalb weiterhin alle Möglichkeiten an», sagt Iorlano.
«Die Menschen erwarten, dass sie überall mit Karte oder Smartphone bezahlen können.»
Auch der Swiss Payment Monitor 2025 bestätigt den Wandel: Mobile Zahlungen via Smartphone oder Smartwatch machen inzwischen über 31 Prozent aller Transaktionen aus, Bargeld rund 24 Prozent. Den grössten Anteil bilden weiterhin Kartenzahlungen mit Debit- oder Kreditkarte, die zusammen knapp die Hälfte aller Zahlungen ausmachen. Besonders die jüngeren Generationen zahlen fast ausschliesslich digital, während ältere Menschen eher an Scheinen und Münzen festhalten – nicht zuletzt, weil sie damit ihre Ausgaben besser im Griff behalten.
Eine Frage der Ethik – Francos Änderungsatelier bleibt bar
Während Banken, Konsumentinnen und Konsumenten zunehmend auf Apps wie Twint setzen, hält Francos Änderungsatelier in der Schaffhauser Altstadt konsequent am Bargeld fest. «Bei jeder Kartenzahlung würden Gebühren anfallen, die letztlich den Banken zugutekommen», sagt Bekleidungsgestalterin Eliane Rombouts. Doch für sie sei das mehr als nur eine Kostenfrage: «Das ist für uns eine Frage der Ethik. Wir möchten das Bargeld in der Schweiz erhalten. Das hat im Grunde nichts mit Gebühren zu tun, sondern mit einer Überzeugung.»
Inzwischen ist die Änderungsschneiderei mit dem Bargeld-Konzept eine Ausnahme in der Region, eine, die nur funktioniere, weil das Geschäft sehr klein sei und die meisten Kundinnen und Kunden gelassen reagieren, wenn sie vergebens die Karte zücken. «Wer bei uns etwas abholt, wird per SMS daran erinnert, dass nur Barzahlung möglich ist. Und wer es vergisst, findet den Bankomat gleich 20 Meter neben unserer Eingangstür», erklärt Rombouts.
«Das hat im Grunde nichts mit Gebühren zu tun, sondern mit einer Überzeugung.»
Die Leute akzeptieren das, fänden es sogar sympathisch. «Vor allem ältere Kundinnen und Kunden schätzen, dass sie bei uns noch mit Bargeld zahlen können.» Für Rombouts steht fest, dass sich daran auch künftig nichts ändern wird. «Auf keinen Fall – wir bleiben dabei.»
Wütende Gäste: Ein Restaurant rudert zurück
Ganz anders lautet die Erfahrung eines neuen Restaurants in der Schaffhauser Innenstadt. Der Geschäftsführer, der ungenannt bleiben möchte, wollte ursprünglich ein komplett bargeldloses Konzept durchsetzen. «Wir waren eines der ersten Restaurants in Schaffhausen, wo man ausschliesslich mit Karte zahlen konnte. Leider haben uns manche Gäste regelrecht angemotzt: ‹Wenn ihr unser Geld nicht wollt, gehen wir wieder›, hiess es.»
«In grösseren Städten wie Zürich ist bargeldloses Zahlen längst normal. In Schaffhausen geht das offenbar noch nicht.»
Nach zwei Monaten musste das Team die Idee aufgeben. «Wir wollten unser Personal schützen – Bargeld birgt immer ein gewisses Risiko –, und organisatorisch ist Barzahlung aufwendig. Aber der Widerstand war gross. Viele fühlten sich wohl ausgeschlossen.»
Heute akzeptiert das Restaurant wieder beide Varianten, auch wenn nur ein Bruchteil tatsächlich bar bezahlt. «In grösseren Städten wie Zürich ist bargeldloses Zahlen längst normal. In Schaffhausen geht das offenbar noch nicht. Wir haben uns arrangiert, aber eigentlich hätten wir gerne daran festgehalten», sagt der Geschäftsführer.
Warum Gebühren den Ausschlag geben
Für viele Betriebe sind Kosten und Aufwand entscheidend. Jede Kartenzahlung zieht Gebühren nach sich, je nach Anbieter zwischen 1,2 und 3 Prozent pro Transaktion. Für kleine Betriebe mit schmalen Margen summiert sich das.
Zudem müssen sie Verträge mit Zahlungsdienstleistern abschliessen, Geräte warten und bei Netzproblemen improvisieren. Gerade für kleine Läden ein wichtiges Thema, denn wer am Ende des Tages 100 kleine Beträge kassiert, spürt jede Gebühr. Auf der anderen Seite spart die Kartenzahlung Zeit, reduziert Fehler und sorgt für mehr Sicherheit. Ein Abwägen, das jedes Geschäft für sich treffen muss.
Schaffhausen will den Fünfer und das Kärtli
Trotz der zunehmenden Digitalisierung bleibt Bargeld in der Munotstadt erstaunlich präsent. Viele Kundinnen und Kunden zahlen beim Coiffeur, in der Bäckerei oder im Café nach wie vor bar; oft aus Gewohnheit, manchmal aus Prinzip. Gleichzeitig wächst die Zahl derer, die das Portemonnaie gar nicht mehr mitnehmen und lieber per Handy tippen. Der Unterschied zeigt sich im Alltag deutlich: Bargeld und digitale Zahlungsmittel sind in Schaffhausen oft direkt nebeneinander verfügbar – und werden wohl noch eine Weile parallel genutzt werden.
Denn wie Lara Iorlano von der SHKB betont: «Digitale Zahlungen nehmen kontinuierlich zu, doch Bargeld hat in der Schweiz eine lange Tradition. Wir beobachten, dass unsere Kundinnen und Kunden sehr unterschiedlich bezahlen, und versuchen, beiden Bedürfnissen gerecht zu werden.»
