Scham, Freude und Ängste – wie Gefühle mit Transformation verbunden sind
Transformation ist selten bequem. Sie erfordert Mut, Offenheit und die Fähigkeit, Gewohntes hinter sich zu lassen. Lea Im Obersteg begleitet Unternehmen dabei und weiss: Nachhaltige Veränderung gelingt nur, wenn Menschen sich als Teil des Wandels erleben.
«Transformation bedeutet nicht nur, Organigramme neu zu zeichnen, sondern wie wir miteinander arbeiten und entscheiden», sagt Lea Im Obersteg, Gründerin von Im Obersteg Connect. Sie ist Expertin für Transformation und Organisationsentwicklung und unterstützt Unternehmen dabei, Wandel nicht nur zu überstehen, sondern aktiv zu gestalten.
Ihre Stationen in Diplomatie, Strategiearbeit und als Head of Global Design Thinking bei Georg Fischer Piping Systems haben ihr ein breites Rüstzeug gegeben. Heute bringt sie dieses Wissen in die Praxis von Schweizer KMU und Traditionsunternehmen ein.
Über Gefühle sprechen lernen
«Transformation betrifft immer auch die persönliche Ebene. Es erfordert Mut, Ängste zuzulassen und auszuhalten, dass der Weg nicht geradlinig verläuft», sagt Im Obersteg. Sie nennt eine mittelgrosse Schaffhauser Firma als Beispiel: Dort stand eine Abteilung vor einem Generationenwechsel, weil der langjährige Leiter in Pension ging, während gleichzeitig der Druck durch komplexe Projekte zunahm.
Besonders produktiv war ein Workshop mitten in dieser Krisenzeit, der bisher Ungesagtes ans Licht brachte. «Es ging darum, über Gefühle zu sprechen – von Mut bis Scham. Das offene Gespräch über Ängste und Unsicherheiten schuf Entlastung und Vertrauen», sagt Im Obersteg. Daraus entwickelte das Team eine gemeinsame Vision und definierte eine neue Rolle für die Führung: weniger Mikromanagement, mehr Verantwortung im Team. Das Miteinander erwies sich als entscheidend für den Erfolg bei der Umsetzung der angestrebten Ziele. «Veränderung wird nur dann nachhaltig erreicht, wenn die Menschen spüren, dass sie ein Teil davon sind.»
Wie der Vater, so der Sohn?
Ein weiteres Mandat führte Im Obersteg zu einem Schweizer KMU mit 350 Mitarbeitenden. Dort trafen Generationen mit unterschiedlichen Führungsverständnissen aufeinander: «Die nächste Generation des Familienunternehmens möchte die Organisation moderner und zeitmässiger aufstellen, stiess aber auf bekannte Herausforderungen und unterliegende Verhaltensmuster», sagt Im Obersteg. Mit dem Blick auf Entscheidungsprozesse wurde klar, dass moderne Führung genauso klare Entscheidungsmechanismen braucht. Da wo Prozesse wie in Produktion und Vertrieb heutzutage eng verzahnt sind, braucht es vorzu Klärung über Rollen, Kompetenzen und Befugnisse.
Im Obersteg liess das Management-Team über seine eigene Entscheidungslogik reflektieren: «Wir haben Rollen im Prozess geklärt – wer vorbereitet, wer entscheidet, wer umsetzt. Allein das hat viel Klarheit gegeben.»
Aus diesem Prozess ergab sich die Erkenntnis, dass Transformation bedeutet, Entscheidungswege offenzulegen und Vertrauen zu schaffen – gerade wenn Führungskräfte nicht mehr nur «von oben» herab entscheiden.
Mitarbeitende in Entwicklung einbinden
In ihrer Arbeit stützt sich Im Obersteg gerne auf bewährte Modelle wie die U-Theorie von Otto Scharmer: beobachten, spüren, innehalten, ausprobieren und umsetzen. Für sie ist es kein starres Konzept, sondern ein nützlicher Rahmen, um Transformation als Prozess zu verstehen, der Menschen emotional einbindet und in kleinen, aber wirksamen Schritten voranbringt.
Ihr Credo fasst sie so zusammen: «Das Schlimmste ist, Transformation und Strategien im stillen Kämmerlein zu planen; diese Arbeit muss im richtigen Rahmen gemeinsam entstehen.» Ob beim Neudenken von Führungsstrukturen, bei der Einführung neuer Geschäftsmodelle oder beim Generationenwechsel, Transformation gelingt nur, wenn Mitarbeitende mitgenommen werden und Vertrauen entsteht. Nur so wirkt Veränderung nachhaltig.
