«Das Büro muss sich den Mitarbeitenden anpassen – nicht umgekehrt»
Immer mehr Unternehmen haben erkannt, dass ein ideales Grossraumbüro nicht einfach nur ein offener Raum voller Tische ist, sondern ein durchdachtes Umfeld, in dem die Bedürfnisse der Mitarbeitenden im Zentrum stehen. Andreas Bleisch, CEO und Inhaber bei Betz Wohn- & Bürodesign, erklärt, was ein modernes Büro ausmacht.
In den letzten Jahren und verstärkt seit der Coronapandemie hat sich gezeigt, dass Mitarbeitende effizienter und zufriedener arbeiten, wenn Raumgestaltung flexibel, differenziert und auf Wohlbefinden ausgerichtet ist. Wie aber lässt sich dies in der Praxis umsetzen?
Ein modernes Bürokonzept ist flexibel
«Desksharing, adaptive Flächennutzung, integrierte smarte Möbel und hybride Meetingräume sind heute Teil moderner Bürolandschaften. Entscheidend ist dabei, dass die Struktur des Büros nicht standardisiert, sondern situativ und menschenzentriert ist», sagt Andreas Bleisch, CEO und Inhaber bei Betz Wohn- & Bürodesign AG, in Schaffhausen. Er hat auch die Firma Basix mitbegründet, die Büromöbel und Akustiklösungen anbietet, und bringt über 20 Jahre Erfahrung in der Projektentwicklung, im Innenausbau und Office-Consulting mit.
Bewusste Gestaltung für mehr Konzentration
Offene Bürolandschaften bergen das Risiko von Ablenkung, fehlender Privatsphäre und Stress. Forschungen zeigen, dass Lärm – insbesondere verständliche Gespräche – die Produktivität deutlich mindern und die Zufriedenheit beeinträchtigen.
Deshalb setzen zukunftsorientierte Bürokonzepte auf das, was man als «Quiet Computing» bezeichnet, ein Zusammenspiel aus physischer Gestaltung, Technologie und Verhaltensregeln. Ruhekabinen, akustische Absorber, akustische Zonen und klare Regeln für Gespräche und Fokuszeiten. «Ziel ist es, konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen, ohne den offenen Charakter komplett zu opfern», so Bleisch.
Die wichtigsten Elemente
Bleisch betont, dass die Akustik das «A und O» ist. «Effizientes Arbeiten braucht Ruhe, diese lässt sich durch Akustikelemente erreichen.» Auch bestimmte Bereiche und Fokusorte, die als Rückzugsorte dienen, seien wirksam. Bereits ein Anteil an schallabsorbierenden Elementen und privaten Bereichen reduziere Ablenkung, Belastung und dadurch verursachte Unzufriedenheit spürbar.
Beim Klima sagt Bleisch: «Unser Ziel ist, 80 Prozent der Leute zufriedenzustellen.» Damit meint er, dass das individuelle Empfinden sehr unterschiedlich sein kann. Eine Steuerung dafür gibt es nicht, jedoch lassen sich mit entsprechenden Massnahmen viele Bedürfnisse abdecken: beispielsweise durch Lüftung und steuerbare Temperatur.
Zum Licht stellt er klar, dass die vorgeschriebenen 500 Lux auf der Arbeitsfläche zwar eine Grundanforderung sind, aber: «Licht schafft auch Atmosphäre: Warmes Licht im Loungebereich wirkt entspannend, kühleres Licht im Arbeitsbereich unterstützt Konzentration und Orientierung.»
Ergonomie sieht Bleisch als nicht verhandelbar: höhenverstellbare Tische, stützende Stühle und ausreichend Platz für die Monitore, selbst im Homeoffice. Besonders wichtig sei der richtige Bildschirmabstand, von mindestens einer Armlänge, damit Haltung und Gesundheit erhalten bleiben.
Menschliche Bedürfnisse und pragmatische Planung
Für Unternehmer liegt der Wert klar auf der Hand: Ein organisch aufgebautes Büro steigert Motivation, reduziert Fluktuation, erhöht Konzentrationsfähigkeit und Effizienz – und stärkt gleichzeitig die Gesundheit und Zufriedenheit des Teams. Nicht zu vergessen sei dabei ein prinzipielles Gestaltungsprinzip: «Unterschiedliche Tätigkeiten verlangen unterschiedliche Umgebungen; daher braucht es offene Flächen, geschützte Rückzugsräume, Lounges und Besprechungszonen, die je nach Persönlichkeit und Aufgabe genutzt werden können.»
