Zollkonflikt bremst Phoenix Mecano – rückläufiges Ergebnis im ersten Halbjahr
Wie viele Schweizer Unternehmen aktuell hat auch der Steiner Komponentenhersteller Phoenix Mecano mit dem von Donald Trump verordneten Zollhammer zu kämpfen, allerdings nicht direkt wegen des Exports, sondern wegen der grossen Verunsicherung in wichtigen Endmärkten.
Im ersten Halbjahr musste Phoenix Mecano im Vergleich zum Vorjahr Einbussen sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn hinnehmen. Das gibt das Steiner Technologieunternehmen mit weltweit rund 7000 Mitarbeitenden in einer Mitteilung bekannt. Der Umsatz sank um 1,5 Prozent auf umgerechnet 358 Millionen Franken.
Das lag auch daran, dass der Auftragseingang um 3,3 Prozent zurückging, besonders bei der Division DewertOkin Technology Group (DOT), welche Technik für elektrisch verstellbare Komfortmöbel herstellt. Die Auswirkungen sind spürbar für die Gruppe: Konkret musste sich diese Sparte mit einem Rückgang des Betriebsergebnisses um über 40 Prozent arrangieren, statt 9,3 Millionen Franken verdiente man nur noch 5,3 Millionen. Dieser abrupte Einbruch im zweiten Quartal sei durch den von US-Präsident Donald Trump angezettelten Zollkonflikt bedingt, schreibt Phoenix Mecano – bereits deren Ankündigung habe zu grosser Verunsicherung und zu einer spürbaren Abkühlung der Geschäftsaktivitäten geführt.
Das macht sich im Betriebsergebnis (Ebit) von Phoenix Mecano bemerkbar, es ging um 18,8 Prozent von 24,7 Millionen Franken auf rund 20 Millionen zurück. 13,6 Millionen Franken kann es als Gewinn verbuchen, 20,8 Prozent weniger als noch im ersten Semester von 2024.
CEO Rochus Kobler lässt sich von diesen Zahlen indes nicht beirren. «Phoenix Mecano steht solide da, trotz des Rückgangs im Geschäftsfeld der DOT Group», sagt er im Telefongespräch. Als global aufgestelltes Unternehmen könne eine solche Situation gut abgefedert werden. Er sei – zumindest als Unternehmer – auch nicht hässig auf Trump, man müsse das emotionslos sehen. In einer Krise könnten sich Chancen verstecken, sagt Kobler. «Disruption ist nicht immer negativ, man kann sie auch zu seinem Vorteil nutzen, etwa wenn man sie besser handhabt als andere.»
Lieferketten gerieten arg ins Stocken
Phoenix Mecano ist von den US-Zöllen für die Schweiz direkt kaum betroffen – indirekt dafür umso stärker, ganz besonders die gebeutelte DOT Group. Entscheidend ist das Bestellverhalten der Kunden: Besonders im wichtigen Markt USA verhalten sich diese äusserst zurückhaltend. Gleichzeitig bauten Möbelhersteller Lagerbestände ab – für Phoenix Mecano ein Quasi-Stillstand der globalen Lieferketten. Immerhin: Mittlerweile zeichne sich eine gewisse Wiederbelebung in dieser Sparte ab. «Ich bin mir sicher, dass wir gestärkt aus dieser Phase kommen werden», sagt Kobler dazu.
Wie bereits bekannt war, will sich Phoenix Mecano langfristig vom Möbelgeschäft trennen. «An diesem Plan halten wir fest», betont der CEO. Daran ändert auch die temporäre Baisse nichts. «Wir warten, bis der beste Zeitpunkt gekommen ist. Jetzt ist noch nicht der richtige Moment.»
Die DOT Group beobachtet zudem, dass ihre Kundschaft vermehrt die Produktion nach Südostasien verlagert. Infolgedessen wird die DOT Group ihre Kapazitäten in Vietnam erhöhen. Seit Juli hat der vormalige Chief Operating Officer Zhangming Yang die Leitung der Sparte als CEO übernommen – er wird die bestehende Strategie, die auf Wachstum und Profitabilität ausgerichtet ist, beibehalten.
Ein Geschäftsbereich wird neu ausgerichtet
In der Sparte Enclosure Systems, welche Industrie- und Elektronikgehäuse entwickelt, geht es etwas ruhiger zu und her. Mit 1,4 Prozent hielt sich der Umsatzrückgang (neu 103 Millionen Franken) in Grenzen. Allerdings würden auch hier Kunden aus verschiedenen Branchen Bestellungen hinauszögern. Die Division wird seit Mai von Mathias Wolpiansky geleitet.
Den Umsatz gar um 1,6 Prozent auf 90,3 Millionen Franken verbessern konnte die Sparte Industrial Components, jedoch reduzierten ausserordentliche Ausgaben das Betriebsergebnis, welches von 4 auf 2,3 Millionen Franken sank.
Diese Ausgaben hängen mit einer einst hochprofitablen Firma in Deutschland zusammen, die zum ersten Mal in ihrer Geschichte mit einem stärkeren Nachfragerückgang kämpft. Aufgrund der schwächeren Performance hat Phoenix Mechano eine Neuausrichtung für notwendig empfunden. Diese Lösung lässt sich das Unternehmen 2,8 Millionen Franken kosten, sie umfasst einen Abbau inklusive Entlassungen.
Lage soll sich bald normalisieren
Die gute Nachricht: Das Management rechnet damit, dass besagte Abkühlung auf den Märkten bloss vorübergehend ist. Für die zweite Jahreshälfte werde keine konjunkturelle Verschlechterung erwartet, stattdessen solle sich die Lage in den wichtigsten Geschäftsbereichen normalisieren. Und: Das Unternehmen hat laut Kobler einen grossen Vorteil. «Wir sind äusserst gut und schnell darin, unsere Volumen über den Globus zu verlagern. Viele Konkurrenten können das nicht», sagt der CEO. «Phoenix Mecano bleibt widerstandsfähig.» Die Unsicherheit werde sich auflösen, und man werde früh vom nächsten Aufschwung profitieren können.
Ob das noch dieses Jahr der Fall sein wird, darf bezweifelt werden. Für das Gesamtjahr rechnet die Gruppe – bei einer insgesamt stabilen Entwicklung – mit einem um bis zu 20 Prozent tieferen Betriebsergebnis als 2024. Die Konjunktur und die rauen Bedingungen würden keine höhere Prognose erlauben. «In diesem Umfeld haben wir uns recht gut geschlagen», so Kobler.