Rasenmähroboter: Grosse Gefahr für Tier und Mensch

Autor
Ralph Denzel

Sie machen das Leben leichter, sind aber gefährlich: Rasenmähroboter. Vor allem Igel werden immer wieder Opfer der elektrischen Helfer - teils mit tödlichem Ausgang.

Besitzer von Rasenmährobotern kennen oft nicht die Gefahren, die von diesem Gerät ausgehen. Bild: Pixabay/Montage RD

Viele lästige Alltagsaufgaben werden immer mehr automatisiert: Spülmaschinen sorgen für sauberes Geschirr, der Staubsauger geht mittlerweile auch vollautomatisch auf die Jagd nach Schmutz und auch der eigene Rasen wird immer öfter von einem Rasenmähroboter auf eine schöne, englische Länge gekürzt. Aber: vor allem letztere Maschinen sind nicht zu unterschätzen und können durchaus gefährlich sein, vor allem für Igel und andere Kleintiere. Aber auch Kinder können sich an den vermeintlichen Helfern schwer verletzten, wie Tests zeigen.

Ein Rasenmäher – nur ohne Lenker

Das Prinzip eines Rasenmähroboters ist das Gleiche, wie bei jedem anderen Rasenmäher auch: im Roboter befinden sich mehrere scharfe Messer, die das Gras kürzen. Anders als ein handelsüblicher Rasenmäher entsteht im Inneren jedoch kein Unterdruck, wodurch zu hohes Gras nicht geschnitten werden kann. Stosssensoren warnen den Roboter, wenn er gegen ein Hindernis fährt und lassen ihn umdrehen. Zusätzlich müssen bei vielen Geräten auch Sensordrähte im Garten verlegt werden. Diese dienen als Begrenzung, denn der Mäher ist so programmiert, dass diese Drähte nicht überfahren werden.

In der Theorie klingt das alles sehr sicher, in der Praxis jedoch kann es trotzdem schwerwiegende Folgen haben. Der Grund: Viele Roboter sind vorne leicht erhöht, damit sie auch über zum Beispiel Steinplatten fahren können. Was für den Gartenbesitzer eine Erleichterung ist, kann für einen Igel das Todesurteil sein.

«Die Igelpopulation ist auf dem absteigenden Ast»

Wir haben mit Christel Schneider von der Igelstation in Lottstetten gesprochen. Sei 40 Jahren pflegt und rettet die Frau die kleinen Nagetiere. Wenn ein Igel Hilfe braucht, ist die Freiwillige aus Lottstetten meistens die erste Anlaufstelle. Sie weiss, worin die Gefahren vor allem bei den neumodischen Mährobotern liegt: «Dadurch, dass sie vorne offen sind, können sie leicht über die Schnauze eines Igels kommen», so die Expertin. Die Folge: Der Igel gerät in den Mäher und wird teils tödlich verletzt. «Das passiert leider sehr häufig», so Christel Schneider. Das Tierheim Schaffhausen hingegen hat bisher noch keine solche Schnittverletzungen bei Igeln erlebt. «Wenn ein Tier so schwer verletzt ist, sind wir allerdings auch nicht unbedingt die richtige Ansprechperson», so Stefanie Hannig vom Tierheim. «Wir haben schon viele Tiere bekommen mit Verletzungen, aber diese Art ist bei uns, zum Glück, eher selten». Stefanie Hanning weiss aber, was die Rasenmäher zusätzlich gefährlich macht für die Nager: «Diese neuen Rasenmäher sind vor allem sehr gefährlich, weil sie sehr leise sind.» So hört ein Igel die Gefahr nicht.

In dem Moment, in dem der Igel unter den Rasenmäher kommt, schneiden die sehr scharfen Klingen die Stacheln des Tieres ab und können auch tiefe Schnitte in der Haut hinterlassen. «Ein Igel kann das zwar überleben», so Christel Schneider, aber «dann beginnt erst das richtige Leid.» Die offenen Wunden bei den Tieren sind ein perfekter Nistplatz für Fliegen, die dort ihre Eier ablegen können. «Ich habe alleine dieses Jahr zehn Tiere einschläfern lassen müssen, weil diese so schwere Verletzungen hatten», so die Igelhelferin.

Igel sind nämlich keine Fluchttiere: «Wenn ein Igel eine Gefahr sieht, ist sein Instinkt, sich zusammenzurollen – das schützt ihn natürlich nicht vor einem Rasenmäher.»

Hitze treibt Igel nach draussen

Normalerweise halten sich laut der Igelexpertin die Tiere hauptsächlich in Büschen und Sträuchern auf. «Dort fühlen sie sich wohl.» Die Hitze der letzten Tage bringt die Tiere jedoch dazu, immer öfter umherzustreifen um nach Futter und Wasser zu suchen. «Sie werden nicht unvorsichtiger, sie sind hungrig», so Christel Schneider.

Wer vermeiden will, dass er einen aufgeschlitzten Igel in seinem Vorgarten entdecken muss, sollte laut der Igelexpertin einige Dinge beachten: «Büsche und Sträucher sollten weiter als Habitat für Igel zur Verfügung stehen können.» Das bedeutet, dass dort keine Mäher fahren und auch keine Rasentrimmer zu Einsatz kommen sollten, ohne dass man sicher ist, dass dort kein Igelnest ist. «Auch Trimmer können Igel schwer verletzten.»

Auch die Zeit, zu der man seinen Mähroboter fahren lässt, sollte man genau auswählen: «In der Dämmerung sind die Tiere besonders aktiv.»

Wenn es aber trotz aller Vorsicht doch passiert, dass ein Igel unter den Rasenmäher gerät, dann rät Stefanie Hannig eindringlich: «Dann sollte man direkt zum Tierarzt gehen.»

Sofern es für den Igel nicht zu spät ist.

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