«Lokaljournalismus findet nicht im Büro statt»

Autor
Alfred Wüger

Nah am Puls des Lebens in der Region Schaffhausen sind die vier Landzeitungen im Medienhaus Meier. Sie sind die Plattform für Vereine, Parteien und das Gesellschaftsleben.

Die «Schaffhauser Nachrichten» sind eine Regionalzeitung, die nahe bei den Menschen ist. Und dennoch gibt das Medienhaus Meier + Cie AG daneben vier Lokal- und Landzeitungen heraus, die noch sensibler den Puls des Lebens im Kanton Schaffhausen fühlen. Die Rede ist von der «Neuhauser Woche», dem «Klettgauer Boten», dem «Steiner Anzeiger» und dem «Thaynger Anzeiger».

Beat Rechsteiner, Leiter Lokalzeitungen im Medienhaus Meier, sagt: «Wir glauben, dass es wichtig ist, dass es unterhalb der Tageszeitung noch eine Ebene gibt, die sich auf das Lokale fokussiert, auf das Zusammenleben in der Gemeinde, und so eine Plattform schafft für den lokalen Meinungsaustausch. Vereine und Parteien können dort noch stärker zum Zuge kommen als in den ‹Schaffhauser Nachrichten›.» Das sieht auch Vincent Fluck, Redaktor des «Thaynger Anzeigers» und der «Neuhauser Woche», so. Er findet es «toll, dass es ein Medienhaus gibt, das diese vier Zeitungen anbietet», und könnte sich sogar vorstellen, dass auch weitere Gemeindezeitungen von der «Meierei» betreut werden.

Medienvielfalt dank Medienhaus

Vincent Fluck weiter: «In Thayngen kommen sehr viele Beiträge aus der Leserschaft selbst. Offenbar ist die Bevölkerung dort noch stark geprägt vom früheren ‹Heimatblatt›. Es gibt eine Tradition mit einer eigenen Zeitung.» In dieser Hinsicht sei der Unterschied zu Neuhausen interessant: «Die Rheinfallgemeinde ist doppelt so gross wie Thayngen, aber es kommen aus Neuhausen etwa nur halb so viele Beiträge aus der Bevölkerung wie im Reiat.» Das habe wohl mit dem doch schon fast städtischen Charakter von Neuhausen zu tun, meint Fluck. In Thayngen gehe es halt noch dörflicher her und zu.

Da gegenwärtig die Aufmerksamkeit für lokale Themen wachse, so Beat Rechsteiner, sei das Interesse an den vier Zeitungen insgesamt wohl so gross wie noch nie. Auch schreibe dieses relativ neue Geschäftsfeld des Medienhauses Meier alles in allem schwarze Zahlen. Ohne Zuschüsse der öffentlichen Hand geht es allerdings nicht bei allen vier Blättern: Mit Inseraten allein kann man beispielsweise eine «Neuhauser Woche» nicht finanzieren.

Diplomatie und Fingerspitzengefühl

Eine lange Tradition hat der «Steiner Anzeiger», der auch den Ramser Zipfel abdeckt. Den Horizont, vor dem eine Landzeitung erfolgreich sein kann, umreisst Mark Schiesser, Redaktor des «Steiner Anzeigers», so: «Lokaljournalismus findet nicht im Büro statt. Ich suche die Nähe der Leute, um ihnen den Puls zu fühlen.» Und: «Es braucht Zeit und Herzblut, um eine Lokalzeitung in diesem Sinn und Geist zu produzieren.» Diese Nähe zu den Menschen betont auch Sandra Gasser, wie Sibylle Meier Co-Redaktionsleiterin des «Klettgauer Boten».

Wer bei einer Lokal- oder einer Landzeitung arbeitet, braucht Fingerspitzengefühl. Und es ist auch nicht so, dass die Zeitungen einfach aus dem Nichts in die Briefkästen flattern. Es steckt viel Arbeit dahinter, und letztlich ist eine Zeitung immer so stark wie die Leserschaft.

 

Die vier Landzeitungen: Spiegel der Regionen

Klettgauer Bote
Dreimal wöchentlich 3000 Exemplare, zweimal im Monat gratis mit 7800 Expl.

Neuhauser Woche
Erscheint in einer Auflage von 5300 Expl. am Donnerstag.

Steiner Anzeiger
Dienstags mit 1073 Expl., einmal im Monat Gratisauflage von 4092 Expl.

Thaynger Anzeiger
Dienstags mit 860 Expl., einmal im Monat gratis mit 2615 Exemplaren.

Neuen Kommentar schreiben

Diese Funktion steht nur Abonnenten und registrierten Benutzern zur Verfügung.

Registrieren