Dynamische Preise beim Skibillett: Faires Angebot oder fiese Abzocke?

Autor
Schaffhauser N…

Verschiedene Wintersportorte in der Schweiz haben in den letzten Jahren angefangen, ihre Ticketpreise variabel festzusetzen. Ist dies nur gut für die Anbieter oder auch für die Kunden?

Daniel Jung (links) und Dario Muffler streiten sich über das Thema «dynamische Preise beim Skibillett». Bilder: Selwyn Hoffmann

Pro

Von Daniel Jung, Redaktion Region

Beim Flugticket ist es schon lange selbstverständlich: Der Preis des Billetts hängt von verschiedenen Faktoren ab und verändert sich mit der Zeit. Es kommt darauf an, zu welchem Zeitpunkt man bucht, zu welcher Tageszeit und an welchem Wochentag man abfliegen möchte. Ebenfalls spielt es eine Rolle, ob der Flug zum Ferien­beginn stattfinden soll, wie hoch die Kerosinpreise sind oder ob in der Zielstadt ein Grossanlass geplant ist. Ähnlich ist es bei Hotelübernachtungen: Die Preise für ein Zimmer hängen vom Buchungsstand des Hauses ab. Sind noch viele Zimmer verfügbar, so sind die Preise tiefer. Ist das Hotel fast ausgebucht, so wird die Übernachtung teurer. Auch die Preise von Früchten, Heizöl oder Büchern (Hardcover / Taschenbuch) variieren deutlich.

Durch eine solche dynamische Preissetzung können die Anbieter ihre Angebote besser auslasten: Wenn die ungünstigeren Abflugzeiten billiger sind als die bequemsten, dann entscheiden sich einige Touristen, am Morgen sehr früh aufzustehen. Mit dem Signal des Preises können die Anbieter Einfluss nehmen auf das Verhalten der Konsumenten, was insgesamt die Effizienz des Marktes erhöht. Das ist gut, denn davon profitieren auch die Kunden.

In den letzten Jahren hat die dynamische Preissetzung auch bei verschiedenen Schweizer Skigebieten Einzug gehalten. Während früher nur Unterscheidungen zwischen Einheimischen und Auswärtigen, zwischen Familien und Einzelpersonen und zwischen Kindern, Erwachsenen und Senioren üblich waren, kommen nun weitere Faktoren dazu wie das Wetter, der Wochentag und generell die Nachfrage.

Die dynamische Preissetzung kann dazu führen, dass man als Konsument mehr oder weniger bezahlt als bei einem festen Preis. Natürlich freut man sich als Kunde nur dann, wenn der Preis unter dem Festpreis liegt. Wenn es den Skigebieten aber gelingt, durch die dynamische Preissetzung eine etwas gleichmässigere Auslastung zu erhalten, ist das für die Kunden ein Vorteil, da eine Überfüllung des Skigebiets vermieden wird. Leider bleibt es aber auch in Zukunft so: Bei dickem Nebel oder starkem Schneefall macht Wintersport leider nicht so viel Spass.

Contra

Von Dario Muffler, Redaktion Region

Sie haben sich bestimmt auch schon darüber genervt, als Sie Ferien buchen wollten. Bei mir sorgen die variierenden Preise von Flug- und Bahntickets sowie von Hotelzimmern regelmässig für strapazierte Nerven. Schaut man sich beispielsweise an einem Abend Flugpreise an, so muss man mit einem anderen Preis rechnen, wenn man den Flug erst tags darauf bucht. Wieso ich mir mein Ticket nicht gleich sichere, fragen Sie sich? Manchmal braucht es eben noch Absprachen – etwa, wenn eine ganze Gruppe in ein Trainingslager fliegen will – oder einfach eine Nacht, um darüber zu schlafen. Und sogar am selben Abend findet man auf unzähligen Buchungsplattformen die unterschiedlichsten Preise – mühsam.

Bisher konnte man zumindest Skiausflüge mit der Gewissheit planen, wie teuer einen der Spass zu stehen kommt. Aber auch Skigebiete führen vermehrt dynamische Preise für Billetts ein. Das macht die Angebotspalette unübersichtlich. Earlybird, Last-Minute-Ticket, Easy Skicard und wie sie alle heissen: Für jedes Skigebiet muss man unter einem anderen Stichwort suchen, um zum günstigsten Preis zu gelangen.

Während die einen Skigebiete die Preise von saisonaler Auslastung abhängig machen, berücksichtigen andere Bergbahnbetreiber das Wetter stärker. Für den Gast, der sich ein Skiliftbillett kaufen will, macht das den Preis- und Angebotsvergleich sehr schwierig.

Skigebiete wollen mit variablen Preisen die Auslastung verteilen. Das dürfte nur bedingt funktionieren. Lasse ich mich durch günstigere Preise umstimmen, wenn ich den Skiurlaub dann buchen muss, wenn Schulferien sind? Dann haben nun einmal auch andere Ferien, was den Preis nach oben treibt. Auch dass ich bei schönem Wetter auf die Piste gehe, entscheide ich bewusst. Ich weiss, dass ich dann nicht alleine sein werde. Es ist fraglich, wie viele sich von günstigeren Preisen dazu bewegen lassen, bei schlechtem Wetter oder ausserhalb der Ferienzeit Skifahren zu gehen. Auch Tourismusexperten sind uneins, ob sich flexible Preise durchsetzen werden. Fazit: Viel schöner wäre es doch, wenn es einfach Tages-, Mehrtages- oder Saisonkarten geben würde.

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