Spornosexuelle Kicker – voll mit Tattoos übersät

Autor
Edith Fritschi

Ist Ihnen was bei der WM in Russland abseits des Platzes etwas aufgefallen? Vielleicht, wie die Fussballer sich selbst präsentieren? Nicht? Unserer Redaktorin Edith Fritschi schon.

«Knackig auf Facebook oder Instagram zeigt Mann, was er an Muskeln und Gestähltem zu bieten hat. Allen voran Ronaldo.» Bild: Key

Wo sind sie nur geblieben, all die Spielerfrauen und Lebensgefährtinnen der Starfussballer? Man sucht sie vergebens am Rande des Spielfelds; der Glamour spielt sich auf ­ihren Insta-Accounts ab. Die Zeiten, als Victoria Beckham fast so viel Aufsehen erregte wie der gute David – die sind vorbei. Jetzt machen die Spieler selbst Mode (oder Antimode). Um die Jahrtausendwende, als Mister Beckham noch kickte und sich auf Partys in schicken Klamotten präsentierte, nannte man dies metrosexuell: Das heisst, sich waxen zu lassen, zur Maniküre zu gehen und viel tätowierte Haut zu zeigen. Auch da war der Engländer tonangebend – seither ist fast jeder ballstossende Sportler Tattoo-übersät. Den «Fussballer nature» kann man suchen wie die Stecknadel im Heuhaufen. Überall Körpermalerei, ausrasierte Nacken, Muster in den Haaren, und wer schütteres Haar hat, zeigt Glatze oder lässt sich die Platte farbig stechen. Und der Body, herrje, der wird auch abseits der Fussballarenen gross in Pose präsentiert. Knackig auf Facebook oder Instagram zeigt Mann, was er an Muskeln und Gestähltem zu bieten hat. Allen voran Ronaldo. Nicht mehr die Herrenboutique ist wichtig, sondern das Gym – nicht mehr die gestylten Klamotten, sondern das, was drunter ist. That’s it. Schon haben wir den neuen Mann: Aus dem metrosexuellen ist der spornosexuelle Herr (Sport und Porno) geworden, der seine Männlichkeit bis zur Karikatur zur Schau stellt. Erfunden hat den Begriff übrigens der britische Journalist Mark Simpson («The metrosexual is dead. Long live the spornosexual»). Und wir, die wir nicht auf Statuen ohne Hirn stehen, denken sehnsüchtig an Herren wie Netzer mit langen Haaren zurück und freuen uns, dass es noch Gareth Bale mit seinem Dutt gibt.

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