Mehr Busse und zehn Änderungen im Liniennetz: So soll 2030 der Busbetrieb in der Stadt und Neuhausen aussehen
Ein neuer, dichterer Fahrplan, mehr Busse, mehr Personal – die Verkehrsbetriebe stellen ihr Angebotskonzept mit Zieljahr 2030 vor. «Mehr Bus für Schaffhausen» – das hat auch ein Preisschild. Jetzt startet die Vernehmlassung in der Stadt und in Neuhausen.
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Man könnte den heutigen Netzplan und den Zielnetzplan 2030 der Schaffhauser Verkehrsbetriebe (VBSH) nebeneinanderlegen und fragen: «Wie viele Unterschiede findest du?»
Ein kleiner Spoiler – die richtige Antwort lautet: zehn. Neue Stadtbuslinien, veränderte Linienführungen, neue Haltestellen – zehn Optimierungen haben die VBSH in ihrem Busfahrplan in der Stadt und in der Gemeinde Neuhausen am Rheinfall erarbeitet. «Es war eine Arbeit von fast zwei Jahren, und sie war nötig», sagte der für die Verkehrsbetriebe zuständige Stadtrat Daniel Preisig. Das heutige Busnetz stammt in seinen Grundzügen aus den Neunzigerjahren, letztmals überarbeitet wurde es 2007. Man habe ein neues Netzkonzept erstellt, nicht bloss, «weil wir können, sondern weil wir es müssen», sagte Preisig.
Die Bevölkerung wächst
VBSH-Geschäftsführer Patrick Altenburger sagte gestern vor den Medien unumwunden, das heutige Netz sei ausgereizt: «Wir haben heute oft Mühe, die Fahrplanstabilität aufrechtzuerhalten.» Die Gründe sind vielfältig und verstärken sich gegenseitig: In Neuhausen wie in der Stadt wächst die Bevölkerung – gemeinsam leben hier bereits heute über 51'000 Menschen. «Das bedeutet mehr Verkehr auf den Strassen, dazu kommen viele Baustellen, die in den nächsten Jahren nicht weniger werden. Und es kommen immer mehr Tempo-30-Zonen dazu. Die es schwer machen, die Fahrpläne einzuhalten.»
«Es kommen immer mehr Baustellen und Tempo-30-Zonen dazu, die es schwer machen, die Fahrpläne einzuhalten.»
Als Beispiele kann man die Linien 3 und 4 nehmen: Am Bahnhof angekommen, bleibt kaum Zeit zum Umsteigen, und schon muss das Fahrzeug wieder losfahren, damit der Kurs eingehalten wird. Doch allein schon wegen des neuen Schnellladesystems ist längeres Stehen am Bahnhof nötig.
Altenburger: «Ein Befreiungsschlag»
Laut dem VBSH-Chef Altenburger braucht es also einen «Befreiungsschlag». Ein neues Angebotskonzept wurde indes auch durch überwiesene politische Vorstösse in beiden Gemeinden nötig und bündelt nun Optimierungen und eine bessere Erschliessung der Ortsteile mit grösstem Entwicklungspotenzial – und wird auch der politischen Vorgabe gerecht, den sogenannten Modalshift zu bewirken, sprich: mehr Menschen auf den Bus zu bringen.
Letzteres wird durch einen klaren Ausbau in den Randzeiten erreicht: Während tagsüber von Montag bis Samstag wie bis anhin ein Zehn-Minuten-Takt gilt, soll werktags zwischen 20 Uhr (Samstag 18 Uhr) und 23 Uhr neu ein Viertel-Stunden-Takt gelten statt wie bisher ein 20-Minuten-Takt. Auch am Sonntag fahren die Busse neu zwischen 8 und 22 Uhr im Viertel-Stunden-Takt. «Damit stellen wir eine bessere Abstimmung auf die Anschlussverhältnisse im Bahnverkehr her», so Altenburger. Der 15-Minuten-Takt bis Mitternacht am Freitag und Samstag soll zudem zum Ausgehen mit dem ÖV motivieren.
Neues Angebot in Neuhausen
Auf Stadtgebiet sind acht Veränderungen auf dem Liniennetz für Verbesserungen sorgen – in Neuhausen sind es zwei: Im Langriet soll ein Elektro-Kleinbus im Rundkurs künftig Sportanlagen, Werkhof und Friedhof erschliessen, ein Desiderat der Bevölkerung. Zweitens wird nun auch die Linie 7 (Bahnhof Schaffhausen via Breite nach Bahnhof Neuhausen SBB) im Zehn-Minuten-Takt verkehren. «Für uns als ‹Juniorpartner› ist die bessere Erreichbarkeit des SBB-Bahnhofs am Abend und wochenends von allen Quartieren aus von entscheidender Bedeutung», sagte Gemeindepräsident Felix Tenger.
«Wir tun dies nicht nur, weil wir können, sondern weil wir müssen.»
Die Änderungen bedeuten im Klartext aber auch: Es braucht mehr Busse im System und mehr Personal, das diese fährt. Kostenpunkt: 5,7 Millionen Franken Mehrkosten jährlich, davon allein 1 Million Franken mehr für den Ausbau tagsüber und 1,8 Millionen Franken für den Ausbau am Abend und an den Wochenenden.
Mehrkosten: 5,7 Millionen Franken
Die VBSH rechnen mit einem mittel- bis langfristigen Kostendeckungsgrad von 50 Prozent – das heisst die Hälfte muss von der öffentlichen Hand (Bestellergemeinden und Kanton) berappt werden. Für die Stadt macht dies einen zusätzlichen jährlichen Abgeltungsbetrag von 1,9 Millionen Franken aus. Im Vergleich: 2024 leistete die Stadt knapp 13 Millionen an Abgeltungen an ihren Busbetrieb – also würde die Abgeltung um über zehn Prozent ansteigen.
Die Stadt muss zudem kräftig in die Infrastruktur investieren. 5,4 Millionen sind für neue und die Anpassung bestehender Haltestellen, neue Lichtsignale und Strassenveränderungen (Busbuchten) notwendig. Über beide Sachverhalte (Konzept sowie Investitionskosten) wird die Stadt Bevölkerung als Paket abstimmen. Dies soll bereits im Februar 2027 der Fall sein.
Auch in Neuhausen ist eine Vorlage in Vorbereitung – unter anderem, um herauszufinden, zu welchen Zeiten der Kleinbus-Pilotbetrieb (für vorerst 3 Jahre) im Langriet betrieben werden soll. Wie in der Stadt läuft dort aber nun erst mal eine breite Vernehmlassung. «Wir fordern alle Menschen in der Stadt Schaffhausen und der Gemeinde Neuhausen auf, sich einzubringen und die Pläne zu studieren», sagt Felix Tenger. Die Unterlagen sind auf den gängigen offiziellen Webportalen aufgeschaltet.