Schaffhauser Nischenparfümerie: Hier gibts Rosen, Kirschen und Safran in Flakons
In der Parfumerie Ritter stehen in den Regalen exklusive Düfte aus hochwertigen, natürlichen Essenzen wie Rosen, Kirschen oder Safran und verströmen betörende Aromen. Neben der traditionellen Kundschaft treibt Social Media immer mehr junge Leute, die sich den Luxus leisten wollen, in die Nischenparfumerie.
von Daniela Palumbo
In der Nase liegt ein süsser, holziger und weicher Duft. Die Parfumerie im Erdgeschoss des Hauses zum Ritter duftet nicht nur, sie funkelt auch in allen Farben. An den Wänden aufgereiht verströmen die Flakons aus Kristallglas eine luxuriöse Atmosphäre. Eine Edeldame als Kundin wäre dort am richtigen Platz, wo Nathalie Grolimund, elegant und eloquent, das Geschäft mit den Wohlgerüchen führt.
Die Schaffhauserin weiss zu jedem Duft eine spannende Geschichte zu erzählen. Zum Beispiel über den derzeitigen Renner: Parfums de Marly, benannt nach dem Lustschloss von Ludwig dem XV., das ein französisches Dufthaus zu einer Kollektion inspirierte. Jeder Flakon trägt den Namen eines edlen Pferdes, denn der im 18. Jahrhundert lebende König war bekannt für seine Liebe zu Rennpferden und Parfums.
Im Haus zum Ritter stehen nur besondere Düfte zum Verkauf. Wer Designernamen wie Hugo Boss oder Giorgio Armani sucht, ist hier an der falschen Adresse. An der Vordergasse 65 sind ausgewählte Nischenprodukte im Sortiment mit wohlklingenden Namen wie Aqua di Parma, Kurkdjian und Penhaligon.
Nicht nur französische und italienische Luxusmarken, sondern auch schwedische, britische und türkische Labels schmücken mit ihren kristallenen Farbfläschchen die Regale. Dufthäuser, die Nischenparfums herstellen, machen keine Werbung. Sie suchen auserwählte Lokale, wie das Haus zum Ritter, um die Exklusivität zu erhalten. In der Schweiz gebe es höchstens 20 Nischenparfumerien, schätzt Grolimund, eine einzige in Schaffhausen.
Der kleine Prinz und seine einzigartige Rose
Geschichten gehören zu diesem exklusiven Business dazu, wo jeder Hersteller einerseits Alkohol mit natürlichen, ätherischen Ölen vermischt, um die Kundschaft zu verführen, andererseits auch die Fantasie anregende Bilder evoziert, damit sie die teuren Produkte kaufen.
Geschichten von Morgenspaziergängen, Besuchen in Kaffeehäusern, von mit Leder ausstaffierten Autos. Das türkische Dufthaus Nishane dekorierte zum Beispiel einen Flakon mit den Planeten und Sternen aus dem Buch «Der kleine Prinz». Der Duft Vain&NaÏve ist seiner einzigartigen Liebe zu einer Rose gewidmet.
«Wir sind erstaunt, wie gut die Jungen Bescheid wissen.»
Parfumverkäuferinnen im Luxussegment wie Grolimund machen durch solche Erzählungen die Welt der Düfte lebendig mit Gespür, Leidenschaft und Kreativität. Sie leitet seit 2009 die Parfumerie Ritter. Hier hat sie die Detailhandelslehre gemacht mit Fachschwerpunkt Parfumerie und tauchte somit tief in die Materie ein.
Der Trend zu teuren und exklusiven Parfums hält seit zehn Jahren an und in den letzten beiden Jahren sei er bei den Jungen angekommen, sagt Nathalie Grolimund.
Die Kundschaft, ab zwölf Jahren aufwärts, informiert sich via Social Media. «Wir sind erstaunt, wie gut die Jungen Bescheid wissen.» Die Parfums Xerjoff des Italieners Sergio Momo hat die Parfumerie Ritter wegen der vielen Anfragen, ausgelöst durch Influencer, in den Bestand aufgenommen.
Die ausgewählten Marken kosten im Schnitt 200 Franken. Je mehr ätherische Öle enthalten sind, desto teurer das Produkt. Dabei gibt es diverse Konzentrationen vom Au de Toilette über das Au de Parfum bis zum Parfum, das am kostspieligsten ist. Im Sortiment ist Oud Zarian mit 400 Franken der Spitzenreiter.
Es dauert 80 Jahre, bis das Harz reif ist, das im Parfum enthalten ist. «Ein Duft für Parfumliebhaber», sagt Grolimund. Wie viel die Düfte in der Herstellung kosten, kann sie nicht verraten, da diese von den Firmen nicht weitergegeben werden. Die Marge bei den Einkaufspreisen sei jedenfalls klein.
Düfte, die sich abheben und exklusiv sind
Welche Parfums in den Gestellen stehen, entscheidet das 4-köpfige Team um Grolimund zusammen. «Wir verkaufen mit mehr Leidenschaft, wenn uns der Duft gefällt.» Firmenvertreter laden die Verkäuferinnen ein, präsentieren ihre Neuheiten und bieten Schulungen an, vermitteln das Vokabular für einzelne Duftinhalte und verraten die Geschichten zu den Kollektionen. Das Rezept bleibt selbstverständlich geheim.
«Wir empfehlen nicht mehr als sechs Düfte zu probieren, denn mehr kann eine ungeübte Nase nicht unterscheiden.»
«Die Stammkundschaft sucht Düfte, die sie abhebt und nicht überall erhältlich sind.» Im Gegensatz zu den Jungen wissen manche nicht, was sie suchen und lassen sich gern beraten. «Wir empfehlen nicht mehr als sechs Düfte zu probieren, denn mehr kann eine ungeübte Nase nicht unterscheiden.» Es gibt drei Hauptgeruchsrichtungen: leicht, frisch, blumig.
Die Verkäuferinnen zeigen Beispiele, um sich an den passenden Duft heranzutasten. Möchte eine Kundin ein blumiges Parfum, hat sie die Wahl zwischen etwas Warmem, Würzigem oder Orientalischem. Entscheidet sie sich für Letzteres, geht es nochmals tiefer in die morgenländische Duftwelt hinein, denn der Orient bietet die Note süss, trocken, holzig.
Die Meisterparfumeure, die Essenzen wie Safran, Kirschen oder Vanille zu umwerfenden Düften mischen, werden nicht umsonst Nasen genannt.
Das französische Haus namens Initio hat zudem ausgiebig erforscht, welche Ingredienzen aufs andere Geschlecht anziehend wirken. So fragen insbesondere die Jungen bei den Duftexpertinnen von Schaffhausen nach, mit welchen Parfums sie im Ausgang ankommen.
Stilvoll wie ein schönes Kleid
Grolimund hat alle Düfte in ihrem Kopf, weil sie täglich damit arbeitet. Sie selbst hält zwei bestimmte Parfums immer zu Hause: Aqua Universalis, das sie als frisch und aquatisch beschreibt, sowie Excentric Molekül, synthetisch hergestellt mit einem einzigen Duftbaustein von einem Berliner Dufthaus. «Es kommt und geht wie eine Seifenblase und ist komplett anders als alle anderen Parfums.»
Sie kann sich ein Leben ohne Düfte nicht vorstellen. «Ein spezielles Parfum ist stilvoll wie ein schönes Kleidungsstück», sagt Grolimund. Man braucht es nicht, aber es ist schön, wenn man es tragen kann. Es ist sicher ein Luxus. Nicht jeder kann es sich leisten.»
Manche ihrer Kunden und Kundinnen tragen ein Leben lang ein einziges Parfum, andere sind Sammler und besitzen über 50 Flakons. Wird das Parfum richtig gelagert, bei Zimmertemperatur und ohne dem Licht ausgesetzt zu sein, bewahrt es seine unverwechselbare Note mehrere Jahre.
Mit der Online-Konkurrenz hat auch die Parfumerie im Haus zum Ritter zu kämpfen, aber die intensiven Beratungen des Teams binden weiterhin die treue Kundschaft. Doch gibt Grolimund zu bedenken: «Uns gibt es, solange die Leute sich nicht nur beraten lassen, sondern auch bei uns einkaufen.»
Ein Artikel aus dem Magazin

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