Der Goldpreis steigt und steigt – Goldschmiedin Bigi Uhl macht trotzdem weiter
Während der Gold- und Silberpreis davongaloppieren, betreiben Goldschmiedin Giulia Cominetti ebenso wie Bigi Uhl ihr altes Handwerk weiter. Weil das Edelmetall so teuer ist, wird auch der Goldstaub aus dem Staubsauger recycelt. Und ab 2026 gibt es wieder Kollektionen mit Silber.
von Jeannette Vogel
Die Wände aus weissem und schwarzem Marmor, Gold, Edelsteine und Perlen im Überfluss: Spiegel vervielfachen die Pracht, Lampen lassen die Schmuckstücke noch heller funkeln.
Mittendrin in dieser Schatzkammer das Mutter-Tochter-Gespann Nany und Bigi Uhl. Die Geschichte ihres familiengeführten Schmuckgeschäfts reicht über 50 Jahre zurück.
«Das Leben ist zu kurz, um langweiligen Schmuck zu tragen.»
Uhl-Kreationen sind häufig gross, oft farbig und immer etwas Besonderes. Die Kundschaft komme in ihr Geschäft an der Vordergasse, weil sie ihren Stil schätze, sagt Bigi Uhl. «Das Leben ist zu kurz, um langweiligen Schmuck zu tragen», bringt die Geschäftsführerin ihre Philosophie auf den Punkt.
Gefertigt werden Ohrringe, Armreifen, Hals- und Fingerschmuck ganz in der Nähe, in der Unterstadt, im ersten Stock eines Altstadthauses. Die Arbeitsräume sind funktionell eingerichtet, einige Werkzeuge seit Jahrzehnten in Gebrauch.
Computer oder gar 3D-Drucker gibt es keine im Atelier – genau das gefällt Giulia Cominetti. Die Goldschmiedin ist seit rund zwei Jahren für die Anfertigungen und Reparaturen bei Uhl Schmuck und Edelsteine verantwortlich.
Sägen, Feilen, Hämmern …
Wie andere Berufskolleginnen und -kollegen fertigt sie Schmuck bewusst mit althergebrachten Werkzeugen und Techniken und wünscht sich, dass es noch lange so bleibt. «Alles, was alt ist, ist besser», sagt Cominetti mit Blick auf die wenigen Maschinen – Oldtimer allesamt –, die unverdrossen ihren Dienst tun. Das traditionelle Handwerk begeistert sie. Ihre Arbeit fängt normalerweise mit einer Idee, einer Skizze, an. Mithilfe eines Wachsabgusses entsteht ein Unikat.
Sind die Goldschmiedin, ihre Chefin und natürlich der Kunde vom Entwurf erst einmal überzeugt, wird das Stück in der Innerschweiz gegossen. Die Wachsformen verschiedener Ateliers werden an einem sogenannten Gussbaum befestigt und in einem Durchgang mit Edelmetall gefüllt. Ist der Rohling wieder in Schaffhausen, braucht es Zeit und Kraft, bis er durch Sägen, Feilen, Löten, Bohren, Fräsen und Hämmern auch tatsächlich zum Schmuckstück wird.
Mit der Digitalisierung, computergestützten Technologien und KI – künstlicher Intelligenz – ändert sich aber auch im Goldschmiedehandwerk einiges. Es gibt Schmuckdesigner, die ihre Stücke vollständig am Computer entwerfen und mit einem Minimum an Handarbeit herstellen lassen. «Das sind dann aber keine Unikate mehr», kontern Giulia Cominetti und Bigi Uhl unisono.
Giulia Cominetti, Jahrgang 1997, wuchs im Engadin auf. Sie hat in Basel Chemie studiert, wollte aber lieber etwas Handwerkliches machen. Sie liebäugelte mit einer Ausbildung zur Möbelschreinerin, hat sich dann aber für die vierjährige Lehre zur Goldschmiedin entschieden. «Ich wollte an einer Werkbank hocken», kommentiert sie trocken.
Die Suche nach einem Lehrbetrieb war schwierig, schweizweit gab es acht Ausbildungsplätze, vier davon im Welschland, erinnert sie sich. Fündig wurde sie in Schaffhausen: «Ich bin der letzte Furrer-Jacot-Lehrling.» 2023 hat sie ihre Ausbildung beim Traditionsunternehmen abgeschlossen. Die Firmenräumlichkeiten in der ehemaligen Stahlgiesserei im Mühlental wurden im Dezember gleichen Jahres aufgegeben.
Unvollendetes Gold
«Als Goldschmied ist man nah am Alchemistenjob», sagt Cominetti schmunzelnd. Gold war in der Alchemie ein Symbol für Vollkommenheit. Der Traum aller Alchemisten war die Verwandlung von unedlen Metallen in Gold. Goldschmiede können zwar Blei nicht in Gold verwandeln, ihre «Zauberei» ist es, aus dem Edelmetall Schmuckstücke zu fertigen.
«Wir waren die erste Branche, die mit Recycling arbeitete.»
Das, was man im Berg abbaut oder aus Flüssen wäscht, ist unvollendetes Edelmetall – erst durch Beigabe von anderen Metallen wie Silber, Kupfer oder Palladium ergibt sich die Legierung. «Reines Gold wird selten für Schmuck verwendet.
Das Material ist zu weich und kann leicht beschädigt werden», erklärt Bigi Uhl. Gold kann unzählige Male wiederverwertet werden, die Firma Uhl setzt auf recyceltes Gold und Silber: «Wir waren die erste Branche, die mit Recycling arbeitete.»
Edelmetalle aus alten Schmuckstücken, Münzen oder Elektronikschrott gelangen durch Recycling wieder in den Wirtschaftskreislauf. Aber auch beim Bearbeiten von Gold wird zwangsläufig Material abgetragen. Dieser Abrieb wird in einem Fell – einer Art Schürze unter der Werkbank – aufgefangen.
Kleinste Mengen von Goldstaub verteilen sich auch in der Werkstatt, es wird «Gekrätz» genannt. «Wir sammeln den gesamten Inhalt der Staubsaugersäcke, behalten gebrauchte Sägeblätter und scheiden sogar das Handwasch-Wasser ab», sagt Giulia Cominetti.
«Mit einem Goldpreis, der steigt und steigt, ist es für uns schwierig geworden.»
Das alles kommt ins Recycling, weil sich darin eine nicht zu vernachlässigende Menge Edelmetall befindet. Erst recht bei einem Goldpreis von aktuell über 100 Franken je Gramm – ein Rekordhoch.
Ein Mythos wankt
«Ich habe in den vergangenen Jahrzehnten viele Veränderungen miterlebt, doch am signifikantesten waren die vergangenen zwei bis drei Jahre», sagt Bigi Uhl. In Krisensituationen legen Menschen gerne ihr Geld in Gold an, kaufen deshalb aber nicht automatisch mehr Schmuck.
Die Manufaktur kann sich allerdings über mangelnde Kauflaune nicht beklagen, sie hat ein anderes Problem: «Mit einem Goldpreis, der steigt und steigt, ist es für uns schwierig geworden.»
Gerade bei schweren Schmuckstücken gehe es nicht nur um Steine und um den Arbeitsaufwand, sondern hauptsächlich um den Gold-Tageskurs. «Wir haben erlebt, wie der Kilopreis täglich um einige Tausend Franken nach oben geschnellt ist. Das macht es unmöglich, Preise genau anzuschreiben», sagt Bigi Uhl.
Doch auch beim Silberpreis hat es grosse Veränderungen gegeben. So ist er seit Anfang der 2000er-Jahre um fast 500 Prozent gestiegen. Ein weiteres Naturprodukt, das zum Einsatz kommt, sind Edelsteine. Auch im Steinhandel gab es grosse Veränderungen. Ob als Verlobungsring oder Wertanlage – der Diamant hat an Exklusivität verloren.
«Während früher ‹girls best friends› als das Wertvollste überhaupt galten, sind nun die Preise gesunken», sagt Bigi Uhl. «Die Preise für Farbedelsteine sind hingegen markant gestiegen.» Und so sei auch die etwas abwertende Bezeichnung Halbedelstein weggefallen, da es sogenannte «Halbedelsteine» wie Jadeit gibt, die Millionen kosten, während man «Edelsteine», beispielsweise Saphire, für wenige Franken bekommen kann.
«Es wird ausschliesslich anhand der Qualität unterschieden», sagt die Fachfrau, die jeweils an der Uhren- und Schmuckmesse Baselworld ausstellte. Und – behandelte Steine verändern den Markt: Durch Erhitzung, Bestrahlung oder Färbung kann die Farbe und Reinheit eines Steins verändert werden, was sich preismindernd auswirkt. Bigi Uhl sagt deshalb: «Es ist wichtig, den Schmuck beim Juwelier des Vertrauens zu kaufen.»
«Heute, alles erlaubt»
Schmuck ist ein schönes Produkt – eines, das für viele Menschen eine wichtige Rolle spielt. Wer es sich früher leisten konnte, besass einige exklusive Stücke und trug sie ausschliesslich zu gewissen Anlässen.
«Heute, alles erlaubt», sagt Bigi Uhl. Während die ältere Generation weiterhin gerne Grosses und Auffälliges trägt, «nämlich Schmuckstücke, die man spürt und die sich fast wie Hand-Schmeichler anfühlen», trage die jüngere lieber feinere Stücke und Unauffälliges.
Beim Kauf von Schmuck geht es weniger um kurzlebige Trends, sondern vielmehr um den persönlichen Stil – und doch zeigen sich jedes Jahr neue Tendenzen. Bigi Uhl und Giulia Cominetti ergänzen 2026 ihre Kollektionen erstmals seit Jahren wieder mit Silber.
Ein Artikel aus dem Magazin

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