Wie man reich und glücklich wird – acht Lektionen über Arbeit, Erfolg und Sinn
Was bringt harte Arbeit wirklich? Und welche Rolle spielen Glück, Geld und Gelassenheit? Acht Erkenntnisse aus einer Schaffhauser Wirtschaftsdebatte.
Wer wirklich erfolgreich und zufrieden sein will, muss mehr tun, als einfach nur zu schuften. Das zeigte die Wirtschaftsdebatte der Verbindung Commercia Schaffhausen am Dienstagabend deutlich. «Frauen, die Teilzeit arbeiten, sind oft glücklicher als Männer, die Vollzeit beschäftigt sind», sagt die Forscherin und Ökonomin Margit Osterloh. Im Haberhaus diskutierte sie mit Ständerat Severin Brüngger, Kantonsrätin Nina Schärrer und Unternehmer Dieter Bachmann darüber, was Wohlstand heute bedeutet – und was es dafür wirklich braucht.
Arbeit allein macht nicht glücklich, da sind sich die vier einig. Trotzdem lohne sich Einsatz: «Vo nüt chunt nüt», sagt Osterloh. Doch wie erreicht man Reichtum und Zufriedenheit, wenn einem das Geld nicht in die Wiege gelegt wurde? Acht praxisnahe Tipps sollen Orientierung geben – ohne Anspruch auf endgültige Wahrheiten.
1. Erfolg entsteht durch Bewegung
Dieter Bachmann, früher DJ und heute Verwaltungsratspräsident der Gottlieber Spezialitäten AG, kennt den steinigen Weg zum Erfolg. Mit 20 Jahren scheiterte er an einem Konzert, welches er mit Gotthard organisieren wollte. Schliesslich stand er mit rund 20 Jahren mit einem Schuldenberg von 130’000 Franken da, wie er erzählt. «Ich hatte das Messer am Hals, das machte mich produktiver.» Drei Jobs gleichzeitig hätten ihm geholfen, Schulden abzubauen und ein starkes Netzwerk aufzubauen.
«Ich hatte das Messer am Hals, das machte mich produktiver.»
Mit einer Hunderternote in der Hand fragt Bachmann ins Publikum: «Wer will die?» Mehrfach wiederholt er die Frage. Schliesslich geht der Schein an jene Person, die am lautesten ist und aufsteht.
Der Ostschweizer rät: Grübeln bringt nichts. «Die ‹Gescheiten› überlegen und machen nichts.» Doch so werde man keinen Erfolg haben. «Wer abwartet, verpasst Chancen». Entscheidend sei, aktiv zu werden: «Ihr müsst etwas tun und eure Chancen packen.»
2. Geld und Karriere alleine reichen nicht
Dieter Bachmann gründete schon in jungen Jahren mehrere Start-ups, unter anderem im IT-Bereich. Mit 36 Jahren übernahm er die Gottlieber Spezialitäten AG (Gottlieber Hüppen) als CEO und Verwaltungsratspräsident.
Bachmann warnt: «Die Milliardäre sind nicht unbedingt die glücklichsten Menschen.» Erfolg sei mehr als Geld und Karriere. Er spricht vom «Lebensrad», jede Speiche brauche darin ihren Platz. Dazu gehöre auch die Familienzeit. «Wenn du nur an Geld und Karriere denkst, wird es sich rächen», sagt er. «Der Freitagabend und das Wochenende gehören der Familie.» Es sei zwar manchmal anstrengender als die Flucht ins Büro, aber essenziell für den Ausgleich. «Reichtum, der das Privatleben frisst, ist kein langfristiger Erfolg.»
3. Frühe Gründung oder Firmenübernahme
Bachmann sieht heute enorme Chancen: «Mit KI haben die Jungen extrem viele Möglichkeiten.» Wer nicht selbst gründen wolle, könne die Chance nutzen, eine Firma zu übernehmen. «Es gibt unendlich viele Firmen, die eine Nachfolgelösung suchen.» Es sei einfacher, ein Unternehmen zu übernehmen, als ein neues aufzubauen. Zwischen 20 und 30 müsse man es probieren, da sei man frisch und voller Tatendrang.
4. Netzwerke schlagen Diplome
Leistung zähle, Beziehungen umso mehr. Bachmann formuliert es deutlich: «Ab einer gewissen Stufe ist es wichtiger, wen ich kenne, als was ich kann.» Gute Netzwerke würden nicht im Meetingraum, sondern in Vereinen, Klubs und Gemeinschaften entstehen, sagt er.
5. Prioritäten setzen
FDP-Kantonsrätin Nina Schärrer berichtet, wie ihre Mutterschaft ihre berufliche Richtung verändert hat: «Die meisten Dinge, die ich jetzt mache, mache ich erst, seitdem ich Mutter bin.»
Als Politikerin und Kommunikationsleiterin der Industrie- und Wirtschaftsvereinigung jongliert Schärrer viele Projekte gleichzeitig. Sie arbeite darum mit klar definierten Zeitfenstern: «Man kann nicht überall gleich viel Gas geben. Glück entsteht, wenn man dort Energie investiert, wo man Sinn erlebt.»
6. Frauen sollen sich absichern
«Sobald man ein Kind fremdbetreuen lassen muss, wird es schwierig. Die Organisation bleibt meistens an der Frau hängen», sagt Schärrer. FDP-Ständerat Severin Brüngger unterstreicht das: «Wenn Kinder ins Spiel kommen, sind die Frauen benachteiligt. Momentan verzichten die Frauen, die Männer nicht.» Schärrers Rat: Als Frau sollte man seine Chancen früh ergreifen. «Man muss Ja sagen und sich Sachen zutrauen.»
Wirtschaftsprofessorin Osterloh betont: «Frauen sollen sich auch absichern. Mütter büssen in der Schweiz aufgrund der Mutterschaft 50 bis 60 Prozent des Lohns ein – mindestens während zehn Jahren.» Ihr Rat: einen Ehevertrag zur finanziellen Sicherheit abschliessen.
Unternehmer Dieter Bachmann ergänzt: Auch bei der Firmengründung lohne es sich, früh möglichst viel vertraglich zu regeln, falls man sich später beispielsweise von einem Gründungsmitglied trenne.
7. Kleine Ziele setzen
Wer erfolgreich sein möchte, soll gemäss Bachmann und Osterloh kleine Brötchen backen. Bachmann sagt es pragmatisch: «Wer sich kleine Ziele setzt, erntet täglich Erfolg.» Für ihn sind Mini-Etappen der Treibstoff, der einen in Bewegung hält. Osterloh argumentiert: «Man muss Ziele wählen, die man auch umsetzen kann.» Wer sich nicht übernehme, bleibe motiviert.
8. Misserfolg ist das Trainingslager
Für Unternehmer Dieter Bachmann ist Scheitern kein Makel. «Das Trainingslager für den Erfolg ist der Misserfolg», sagt er. «Sei dankbar dafür.» Früher sei er überheblich gewesen: «Ich habe eine Jacht gekauft und zum Glück alles wieder verloren.» Erst diese Erfahrungen führten ihn zu Gelassenheit und einer stoischen Haltung. «Früher hatte ich viele Zukunftsängste, heute versuche ich, im Moment zu leben.»