Diese vier jungen Klettgauer bauen ihr erstes Haus – und klopfen dabei auf Holz
Die Immobilienbranche ist ein hartes Pflaster. Dennoch wagen vier Männer bereits in jungen Jahren einen mutigen Schritt und gründen ihr eigenes Unternehmen. Bei ihrem ersten Projekt steht der Baustart kurz bevor.
Anfang August rollen in Schleitheim die Bagger an. Im Gebiet «Im Winkel» soll ein Mehrfamilienhaus entstehen – so weit, so normal. Die Umstände sind allerdings alles andere als alltäglich. Realisiert wird das Bauprojekt nämlich von vier jungen Männern aus dem Klettgau, die 2024 gemeinsam eine Aktiengesellschaft gegründet haben.
«Bei einem speziellen Kundenwunsch sollte kein riesiges ‹Bitti-Bätti› nötig sein, bis einem jemand zuhört.»
Der Älteste im Bunde ist 33 Jahre alt, der Jüngste gerade mal 22. Trotz eigenem Unternehmen arbeiten sie allesamt bei der Stamm & Meyer Holzbau AG; die Schlaatemer Firma hat ihre Zentrale direkt gegenüber des Baulands, welches die Jungunternehmer nun bebauen möchten.
«Holz ist einfach ein super Material»
«KWWL Homes AG» heisst die in der Immobilienentwicklung tätige Firma von Luca Leu, Andri Wildberger, Samuel Wanner und Justin Kirchhöfer, wobei sich der 27-jährige Leu als Geschäftsführer präsentiert. «Man muss schon etwas risikofreudig sein. Aber wir wollen gemeinsam etwas aufbauen», sagt er. Im Vordergrund stehe bei ihren Projekten nicht der maximale Profit, wie Leu betont. Vielmehr lege man Wert auf eine nachhaltige Bauweise. Das Mehrfamilienhaus in Schleitheim, welches vier Wohnungen sowie eine Attika beinhalten wird, besteht abgesehen von Sonderelementen wie der Bodenplatte und dem Aufzug fast nur aus Holz. «Das ist durchaus ein Alleinstellungsmerkmal von uns», sagt der Geschäftsführer. «Holz ist einfach ein super Material.»
Ebenfalls essenziell für die vier Bauherren: Der persönliche Kontakt und die Kundennähe. «Wenn man eine Wohnung kauft, dann soll man auch die Bauherrschaft kennenlernen», so Leu. Der Kontakt soll nicht bloss über einen Makler laufen. «Bei einem speziellen Kundenwunsch sollte kein riesiges ‹Bitti-Bätti› nötig sein, bis einem jemand zuhört.»
Nach einigen Absagen fand das Start-up eine Schaffhauser Regionalbank, die das Bauprojekt in Schleitheim mit 3 Millionen Franken finanziert. Das Geld nutzten die Jungunternehmer, um dem Verkäufer das Bauland samt Projekt abzukaufen.
Ein hoher Standard hat auch ein entsprechendes Preisschild. Die 4,5-Zimmer-Wohnungen kosten zwischen 600’000 und 660’000 Franken. Die Attikawohnung mit grosser Terrassenfläche konnte bereits für 820’000 Franken verkauft werden – ein Glücksfall für die vier jungen Männer. Dank dieser Vorfinanzierung kann der Spatenstich schon am 4. August erfolgen. Der ehrgeizige Zeitplan sieht vor, dass der Holzbau Anfang Oktober aufgerichtet wird. Ab dann sind sechs bis acht Monate Bauzeit eingeplant.
«Hinter dem Berg»? Von wegen!
Ursprünglich war sogar eine Tiefgarage vorgesehen – dann stellte sich allerdings heraus, dass sich dies weder aus Platz- noch aus finanziellen Gründen sinnvoll umsetzen liesse. «Am Anfang hat alles gut geklappt, dann waren wir vielleicht etwas blauäugig», sagt Mitinhaber und Vorarbeiter Wildberger. «Aber: Wir sind jung und euphorisch und haben immer einen Plan B. Bei einem Problem stecken wir den Kopf nicht in den Sand.» Also setzte man stattdessen, ganz pragmatisch, auf einen Carport.
«Wir sind jung und euphorisch und haben immer einen Plan B. Bei einem Problem stecken wir den Kopf nicht in den Sand.»
Das Credo des jungen Teams: Alles, was von ihrer Seite aus machbar ist, soll vorerst selbst erledigt werden. Dazu zählen sie etwa den Holzbau und dessen Planung. «Wir haben den Anspruch, der beste Gesamtdienstleister im Holzbaubereich zu werden», sagt Leu. Vom Projekt «Im Winkel» könne auch ihr Arbeitgeber Stamm & Meyer profitieren, sind die Männer überzeugt. Deren Geschäftsinhaber würden sie bei ihrem Vorhaben unterstützen.
Das Mehrfamilienhaus in Schleitheim soll indes nicht das einzige Projekt von KWWL bleiben. Aktuell sind sie auf der Suche nach Bauland, bereits bewilligten Projekten oder Ideen. Ob im Kanton oder etwas weiter weg, spielt für die motivierten Jungunternehmer keine grosse Rolle, am liebsten arbeiten sie allerdings im Chläggi – dort sei es am persönlichsten. Zudem sei das Potenzial riesig, wie Leu erklärt. «Nicht nur in Schleitheim, im ganzen Klettgau wird das Interesse in den nächsten zehn Jahren massiv zunehmen, davon bin ich überzeugt. Es wird nicht mehr als ‹hinter dem Berg› gelten.»
