Musikalische Statements machen die WM bunter

Eva  Schmid Eva Schmid | 
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England's Jude Bellingham (10) celebrates his team's third goal during the World Cup Group L soccer match between England and Croatia in Arlington, Texas, near Dallas, Wednesday, June 17, 2026. (AP Photo/Tony Gutierrez)
Torschütze Jude Bellingham feiert seinen Treffer in einer der bisher besten Partien dieser WM. Am Ende unterliegt Kroatien England mit 4:2. Bild: Keystone

Nach jedem Tor wird das Stadion kurz mit Musik beschallt. Die Hymne für den Torjubel durfte sich erstmals jede Mannschaft selbst aussuchen. Das ist eine der Neuerungen dieser WM, die zu den wenigen positiven gehört.

Die WM hat viele Neuerungen, von denen etliche für Diskussionen sorgen. Dazu zählt zum Beispiel die «Hydration Break», die bei Temperaturen über 30 Grad den Teams nicht nur physisch, sondern auch psychisch – Stichwort: Taktik und Motivation – sicher guttut. Ob es nun unfair ist, dass Trinkpausen auch all diejenigen einlegen dürfen, die in klimatisierten Stadien spielen, sei dahingestellt. Zu den heruntergekühlten Stadien kommt der enorme CO2-Fussabdruck von FIFA-Präsident Gianni Infantino, der mit einem Privatjet herumdüst, um sich zwei Spiele pro Tag anzusehen.

Eine weitere Neuerung, die in aller Munde ist: die pinken Fussballschuhe. Dahinter steckt reines Marketing der Hersteller, die mit der knalligen Farbe auf Hingucker und gute Kontraste zum Rasen setzen. Aber die Schuhe gefallen mir. Auf Pink zu setzen, ist mutig (noch mutiger ist das komplett pinke Outfit von Kroatiens Goalie Dominik Livakovic). Wenn der Trend über den grossen Teich schwappt und auch hier zu sehen ist, hätte ich nichts dagegen.

«Die Songs sorgen für Überraschung, denn die Torhymnen hat die FIFA vorab offiziell nicht bekanntgegeben.»

Eva Schmid, Redaktorin Beilagen

Und nun zu der aus meiner Sicht besten Neuheit dieser WM: den Torhymnen. Wie bei Eishockey-Spielen üblich, wird erstmals bei jedem Tor einer Mannschaft ein von ihr selbst gewähltes Lied als Torjubel eingespielt. So richtig aufgefallen ist mir das beim Deutschlandspiel, bei dem siebenmal Peter Schillings 80er-Jahre-Hit «Völlig losgelöst» ertönte. Da dachte ich erst, warum spielen sie das denn immer wieder? Bis ich verstand, dass dies der Song ist, auf den unsere Nachbarn setzen.

Die Schweiz untermauert ihre Siege mit einem «Befreit von Verlangen». Der Titel sehr passend, die Melodie mit ihren «na, na, na» eingängig. Die Nati setzt auf eine Hymne aus den 90er-Jahren: «Freed from Desire» von der italienischen Sängerin Gala. Weiter geht es mit den Nullerjahren: Frankreich wünscht sich zu «One more time» von Daft Punk, dass gleich das nächste Tor fallen möge. Tschechien feiert seine Treffer mit «Seven Nation Army» von den White Stripes. Mexiko, Kroatien und Portugal setzen auf Songs in ihrer Landessprache.

Was mir daran so gut gefällt? Die Songs sorgen für Überraschung, denn die Torhymnen hat die FIFA vorab offiziell nicht bekanntgegeben. Das heisst, man muss nach jedem Tor ganz genau hinhören, ob man das Lied erkennt. Besonders in langweiligen Partien (das Spiel Kroatien – England absolut ausgenommen), wenn ich vor Müdigkeit vor dem Fernseher schier einschlafe, ist die Musik eine willkommene Abwechslung und ein Muntermacher. Und danach geht dann das Rätseln los, warum eine Mannschaft auf diesen Song setzt und was das kulturell bedeutet. Das macht für mich die WM-Abende zu Wundertüten an Überraschungen, Deutungen und Lust auf mehr Musik!

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