Er kennt jede Steckdose im neuen Stadthaus
Zwölf Jahre beschäftigte sich Thomas Hess mit dem Projekt Stadthausgeviert. Der Abteilungsleiter Hochbauten verrät auf einem Rundgang, welche Überraschung ihn besonders freute.
Wer durch die runde und automatische Schiebetür aus Glas ins neue Stadthaus tritt, steht sogleich in einer imposanten Halle. Man sieht Steinboden, Stahltreppe und Holzverkleidungen an den Wänden, einen Informationsschalter, der mit grossen Buchstaben beschriftet ist. «Viele Leute kommen ins Stadthaus, um einen Behördengang zu erledigen», sagt Thomas Hess, Abteilungsleiter Hochbauten bei der Stadt Schaffhausen. Als Bauherrenvertreter begleitete er das Projekt Stadthausgeviert von Anfang an. «Die Empfangshalle ist das Herzstück. Uns war es wichtig, dass man sich dort sofort willkommen fühlt.»
«Die Empfangshalle ist das Herzstück.»
Dieses Vorhaben ist gelungen. Durch die Fenster scheint Tageslicht und wirft je nach Uhrzeit unterschiedliche Schatten auf die terracottafarbenen Innenwände, die zum historischen Stadthaus gehören. Der Neubau schliesst direkt daran an und wird gegenüber vom Haus Eckstein räumlich begrenzt. «Hier, auf genau diesem Boden, stand im Mittelalter ein Franziskanerkloster», erzählt Thomas Hess. Die Wandbemalungen von Künstler Yves Netzhammer nehmen das kirchliche Thema auf, oder? «Zu seinem Werk gibt es keine Erklärung, da dürfen sich alle ihre eigenen Gedanken dazu machen», sagt Thomas Hess und lacht.
Der Garten war früher ein Parkplatz
Klar ist hingegen, dass man im neuen Stadthaus auf moderne Technik setzt. Gleich vor dem Informationsschalter steht ein Online-Desk. «Hier kann man, wie in der Post, ein ‹Nümmerli› ziehen. Am besten bucht man den Termin schon im Voraus via städtische Website, dann erspart man sich die Wartezeit.» Natürlich darf der persönliche Kontakt am Empfang trotzdem nicht fehlen. Die Mitarbeitenden am Empfang sind bei allerlei Fragen behilflich. Nach einem kurzen Schwatz führt Thomas Hess zu einer Tür hinter dem Empfang. Dort befindet sich ein Multifunktionsraum mit grossen Sitzungszimmern. Durch die Fenster sieht man in den Garten, der vor dem Umbau ein Parkplatz war. «Wir haben ihn in Anlehnung an das ehemalige Kloster wieder freigespielt, genauso wie die Originalfensterbögen im Kreuzgang. Die meisten waren einfach zugemauert.»
Nur ein paar Schritte weiter steht man schon im frisch renovierten Haus Eckstein. Während des Umbaus erlangte es vor allem wegen des neuen Dachs Berühmtheit. Dieses beherbergt einen zweistöckigen Aufbau und wurde kritisiert, weil es nicht in die unmittelbare Umgebung der Altstadt passe. «Natürlich ist es kein 08/15-Dach, dessen waren wir uns immer bewusst. Es macht nicht nur Sinn, wir finden es auch architektonisch eine richtige Lösung. Der Eckstein ist ein Solitärbau und verlangt nach einer gewissen Präsenz. Er bildet jetzt ein starkes Gegenstück zum dominanten historischen Stadthaus. Zudem hatten wir von unterschiedlichen Seiten Auflagen, die wir alle erfüllen mussten», sagt Thomas Hess. Auch die Ziegelwahl gab zu reden. Die eckige Form ist eine moderne Interpretation des klassischen runden Biberschwanz-Modells und leuchtete am Anfang noch gar grell vom Dach. Die Ziegel wurden mittlerweile dunkler, und die Gemüter haben sich beruhigt.
Modern sind auch die flexiblen Arbeitsplätze. Anstatt Einzelbüros findet man heute Teamzonen mit Desksharing. Neu sind fast alle Abteilungen der Kernverwaltung im Stadthaus. Früher waren sie über verschiedene Häuser verteilt. «Das macht natürlich einen grossen Unterschied, und wir haben uns alle schon daran gewöhnt, dass man sich hier auch mal während der Kaffeepause begegnet», erzählt Thomas Hess. So befindet sich die Baupolizei gleich neben dem Hochbau- und Tiefbauamt. Nur ein paar Treppen weiter geht es zum Baureferat.
Moderne Technik und historische Highlights
Das historische Stadthaus aus dem Jahr 1730 wurde sanft renoviert. Hier hat Stadtpräsident Peter Neukomm sein Büro, von welchem er direkt in den Stadtratssaal gelangen kann. Alles wurde so modernisiert, dass der historische Charakter der Räume erhalten blieb. Das heisst zum Beispiel, dass die meisten elektronischen Apparaturen unter Holzsockeln versteckt wurden. In einem Raum kam Originalstuckatur an der Decke zum Vorschein. «Das war dann eine sehr schöne Überraschung», erinnert sich Thomas Hess.
Einer der wichtigsten Orte im Gebäude ist auf den ersten Blick nicht ganz so spektakulär: die Heizung im Keller. «Als Stadt haben wir eine Vorbildfunktion. Wir wollten eine erneuerbare Energiequelle nutzen. Deshalb haben wir uns entschieden, einen Wärmeverbund anzulegen, der mit Grundwasserwärmepumpen funktioniert. Auch umliegende Bauten konnten an den Wärmeverbund angeschlossen werden.»
Wenn Thomas Hess heute durchs Gebäude führt, ist er stolz und auch erleichtert. «Das Projekt beschäftigte mich über zwölf Jahre – und es war toll. Aber genauso schön ist es, jetzt sagen zu können: Es ist fertig!»