Alle unter einem Dach

Lisa Merz | 
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Fototermin mit dem Schaffhauser Stadtrat im Stadthaus,  am Dienstag, 05. November 2024. (Melanie Duchene)
Stadtpräsident Peter Neukomm konnte zu Ende bringen, was zum ersten Mal bereits 1881 angedacht war: den Bau eines grösseren Stadthauses für Schaffhausen. Er schätzt vor allem die neue räumliche Nähe zu seinen Mitarbeitenden: «Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl». Bild: Melanie Duchene

Im neuen Stadthaus hat es Platz für die gesamte Kernverwaltung. Stadtpräsident Peter Neukomm begleitete das Jahrhundertprojekt von Anfang an. Worauf er besonders stolz ist und worauf er lieber verzichtet hätte.

Der Duft nach frischem Holz ist das Erste, was einem beim Betreten des sanierten Büros von Stadtpräsident Peter Neukomm auffällt. «Der Parkettboden wurde soeben noch ab­geschliffen», erklärt er und führt vorbei am Stehpult zu einem grossen ovalen Tisch. Im November 2025 war der Neubau bezugsbereit, und Neukomm konnte wieder in sein Büro im Stadthaus zurückkehren. Hier ist er so nah am Stadtratssaal wie kein anderer. Denn nur ein paar Schritte neben dem Sitzungstisch versteckt sich eine Tapetentüre. Neukomm öffnet sie, und schon erspäht man die blassblaue Stofftapete an den Wänden, die goldene Stuckatur an der Decke und einen Bildschirm, so gross wie eine Tischtennisplatte. Hier treffen Tradition und Moderne aufeinander – genau wie im übrigen Gebäude, wo im Stadtratssaal auf neueste Technik und Arbeitsmethoden gesetzt wird und gleichzeitig die Geschichte des Stadthausgevierts immer mitschwingt.

Peter Neukomm, wie haben Sie sich im neuen Stadthaus eingelebt?

Peter Neukomm: Sehr gut. Ich hatte mein Büro ja schon vor dem Umbau hier. Jetzt braucht es nur noch ein paar Pflanzen, und dann ist es perfekt.

Wie fühlt es sich an, ein Jahrhundertprojekt beendet zu haben?

Die Umgestaltung des Stadthausgevierts hat mich so lange beschäftigt, dass ich zuerst gar nicht richtig realisiert habe, dass es jetzt wirklich fertig ist. Es war ein riesiges Projekt mit sehr vielen Beteiligten, fast alle Referate der Stadtverwaltung waren irgendwann in den Prozess involviert.

Und was waren Ihre Aufgaben?

Ich habe mich primär um das Change-Management gekümmert, weil das HR in meinem Referat angesiedelt ist. Die Mitarbeitenden wurden schon früh miteinbezogen. Unter anderem nahmen alle Mitarbeitenden, die ins neue Stadthaus eingezogen sind, an Workshops zur Vorbereitung auf das neue Zusammenarbeiten teil. Das war wichtig, weil das Projekt nur funktionieren konnte, wenn die Mitarbeitenden diesem mit einem positiven Mindset begegneten. Wir haben ja nicht nur ein neues Gebäude gebaut, sondern auch ein modernes Arbeitskonzept eingeführt.

Wie sieht das aus?

Wir nennen es mobil-flexibles Arbeiten. Die Stichworte sind: Clean und Shared Desk. Anstatt fixer Pulte mit PC, Telefon und Ordnern, brauchen unsere Mitarbeitenden im Wesentlichen nur noch einen Laptop und Kopfhörer. Für persönliche Utensilien gibt es abschliessbare Fächer. Hinzu kommen mehr Sitzungszimmer sowie Begegnungs- und Ruhezonen, wo man sich treffen oder sich auch zurückziehen kann.

Vom Stapibüro führt die versteckte Türe links direkt in den sanierten Stadtratssaal. Bild: Rolf Siegenthaler.

Waren davon alle von Anfang an begeistert?

Es gab erstaunlich wenig Widerstand, und ich hätte nicht gedacht, dass die Umstellung so reibungslos über die Bühne gehen wird. Viele zeigten sich offen und freuten sich auf die neue Arbeitsumgebung, vor allem die jüngeren Mitarbeitenden. Einzelne blieben skeptisch. So gab es zum Beispiel Bedenken, ob ohne Einzelbüros noch ungestört telefoniert werden kann. Weil wir frühzeitig auf solche Bedenken und Anliegen eingegangen sind, war die Akzeptanz hoch, und es haben sich schlussendlich alle gut eingelebt.

Hatten Sie wegen des Projekts auch mal eine schlaflose Nacht?

Nein, echt nicht. Im Gegenteil: Es war sehr schön, weil alle die Idee mitgetragen haben, dass die verschiedenen Abteilungen der Stadtverwaltung an einem Ort gebündelt werden sollten, um so die Zusammenarbeit zu verbessern.

Macht diese Veränderung einen grossen Unterschied?

Ja. Das merkt man erst, wenn die Distanz wegfällt. Es ist etwas anderes, wenn jemand in einem entfernten Gebäude arbeitet oder ob man ihm bei der Kaffeepause über den Weg läuft. Die räumliche Nähe verstärkt auch das Gemeinschaftsgefühl.

«Das Stadthausgeviert, insbesondere im Nordteil, war am Zerfallen.»

Peter Neukomm, Stapi

Schon in den 70er-Jahren wollte man die Stadtver­waltung unter ein Dach bekommen. Warum hat es erst jetzt geklappt?

Weil man damals die finanziellen Mittel nicht hatte. Und ehrlich gesagt, bin ich persönlich auch froh, dass manche Pläne nicht umgesetzt werden konnten. Sonst würde hier jetzt ein Betonklotz stehen (lacht). Nein, im Ernst, natürlich ist viel zu viel Zeit vergangen. Da muss ich ehrlich sagen, dass ich mich als Stadtpräsident für den schlechten Zustand des Stadthausgevierts auch etwas schämen musste. Darauf hätte ich verzichten können.

So schlimm?

Das Stadthausgeviert, insbesondere im Nordteil, war am Zerfallen. Zum Teil mussten die Gebäude im Dachgeschoss mit Spanngurten stabilisiert werden, damit nicht alles zusammenbrach. Es war bedenklich. Deshalb haben wir 2019 mit unserer Vorlage das Momentum genutzt, als die Finanzierung möglich war. Das werden uns sicher auch unsere Nachfahren danken.

Was für eine Bedeutung hat das neue Stadthaus für die Bevölkerung?

Als mittelgrosse Schweizer Stadt mit fast 40’000 Einwohnenden dürfen wir auf unsere Bedeutung als Kantonshauptstadt auch etwas stolz sein. Dazu gehört ein zeitgemässes und repräsentatives Stadthaus. Zugleich erfüllt das neue Gebäude einen konkreten Nutzen für alle, die in Schaffhausen leben.

Früher gab es zum Beispiel an den Schaltern keine Privatsphäre. Heute ist das ganz anders.

Peter Neukomm

Welchen?

Ab sofort kann man die meisten Leistungen bei einer Stelle einholen. Man muss nicht mehr von Haus zu Haus gehen, sondern kann seine Anliegen und Erledigungen in einer angenehmen Umgebung machen. Früher gab es zum Beispiel an den Schaltern keine Privatsphäre. Heute ist das ganz anders.

Vieles kann man aber auch digital erledigen, oder?

Ja, das stimmt. Und dieses Angebot bauen wir kontinuierlich aus. Trotzdem soll der menschliche Kontakt möglich sein. Wer ins Stadthaus kommt, wird freundlich empfangen und persönlich bedient.

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