Was wenn plötzlich ein Brand ausbricht? Schaffhauser Feuerwehrkommandant erklärt die wichtigsten Verhaltensregeln

Tobias Bolli | 
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Feuerwehrkommandant Peter Müller rät dazu, sich Ein- und Ausgänge immer vorab einzuprägen. Bild: Tobias Bolli

Feuerkatastrophen wie das Ereigniss in Crans-Montana zeigen, wie wichtig es wäre, sich im Brandfall korrekt zu verhalten. Feuerwehrkommandant Peter Müller erklärt, worauf es dabei ankommt.

Die Ereignisse in Crans-Montana haben auf tragische Weise gezeigt, wie schnell aus einer Feier eine Feuerkatastrophe werden kann. Nicht alle Feiernden haben den Ernst der Lage sofort erkannt, wie Videoaufnahmen von tanzenden Partygängern unter einer brennenden Decke zeigen. Doch wie soll man sich bei einem Brand richtig verhalten? Der Kommandant der Feuerwehr Schaffhausen, Peter Müller, gibt Antwort auf die wichtigsten Fragen.

Woran erkennt man, dass gerade ein Brand ausgebrochen ist?

Peter Müller: Rauch bedeutet nicht automatisch Feuer. In Restaurants oder Klubs kann auch Nebel von Maschinen einen Brandalarm auslösen. Das Problem ist: Viele Leute nehmen einen Brandalarm deswegen nicht mehr ernst. Es wird irrtümlich angenommen, dass die Maschine oder Rauch aus der Küche dafür verantwortlich seien und dann unbekümmert weitergefeiert. Grundsätzlich gilt: Wenn ein Alarm losgeht, muss man reagieren. Ebenso, wenn man irgendwo ein Feuer entdeckt. Im Brandfall muss die Party vorbei sein.

Wie sollte man sich im Ernstfall zuallererst verhalten?

Müller: Der erste Schritt beginnt idealerweise, bevor etwas passiert. Wenn ich ein Restaurant oder einen Klub betrete, merke ich mir automatisch die Ein- und Ausgänge und präge mir ein, wo ein Feuerlöscher steht. Das mag übertrieben klingen, hilft aber im Ernstfall – wenn Chaos herrscht – ungemein. Ich weiss dann genau, was zu tun ist, und muss mich nicht noch zuerst lange orientieren.

«Der erste Schritt beginnt idealerweise, bevor etwas passiert.»

Peter Müller, Kommandant Feuerwehr Schaffhausen

Und wenn es dann wirklich brennt?

Müller: Kommt es zu einem Brand, sollte man schnell und entschieden reagieren. Entweder man gibt Fersengeld und verlässt den Raum sofort, nicht ohne zuvor – möglichst ruhig – auch die anderen Menschen auf die Gefahr aufmerksam gemacht zu haben und sie zum Verlassen des Raumes zu animieren. Oder man versucht, den Brand, wenn er noch sehr klein ist, selbst mit einem Feuerlöscher zu bekämpfen. Auf jeden Fall ist eine schnelle Reaktion gefordert.

Wann ist es zu spät, einen Löschversuch zu starten?

Müller: Das lässt sich nur schwierig sagen und hängt sehr von der jeweiligen Person ab. Für einige ist ein brennender Adventskranz schon ein riesiges Feuer, andere trauen sich zu, ein in Brand geratenes Polster löschen zu können. Dabei ist es wichtig, dass die Leute wissen, was man mit einem Feuerlöscher machen kann und wie man diesen bedient. Wir bieten eine «Schulung in Kleinlöschgeräten» für alle an, in der die Leute den Umgang damit erlernen können. Gerade eben habe ich mit einem Interessenten – einem Gastrobetrieb – telefoniert.

«Wenn man Leuten vor Eintreffen der Feuerwehr behilflich sein möchte, dann höchstens ganz in der Nähe des Ein- oder Ausgangs.»

Peter Müller, Kommandant Feuerwehr Schaffhausen

Macht es jemals Sinn, zurückzugehen und andere Leute herauszuholen?

Müller: Wir in der Feuerwehr würden das möglichst lange versuchen. Generell gilt aber: Die eigene Sicherheit geht vor. Bei Rauch sollte man einen Raum sicher nicht mehr betreten. Rauch ist ohne Ausrüstung extrem gefährlich, ihn drei- bis viermal einzuatmen, kann bereits zur Bewusstlosigkeit führen. Heisse Luft kann zudem sehr schnell die Lunge verbrennen. Wenn man Leuten vor Eintreffen der Feuerwehr behilflich sein möchte, dann höchstens ganz in der Nähe des Ein- oder Ausgangs.

Wie orientiert man sich im Raum, wenn Rauch die Sicht nimmt?

Müller: So tief wie möglich bleiben, dort ist die Sicht am besten und der Rauch am wenigsten dicht.

Ist es besser, beim Verlassen eines Raumes dem Hauptstrom zu folgen oder alternative Ausgänge zu suchen?

Müller: Das hängt stark von der Situation ab. Bei starkem Rauch sieht man die Notausgangsschilder oft nicht mehr. Dann kann auch eine Flucht durch ein Fenster eine Option sein – je nach Stockwerk, versteht sich. Entscheidend ist: nicht zögern, nicht stehen bleiben.

Was wird bei der Verbreitung von Feuer gemeinhin unterschätzt?

Müller: Wie schnell es gehen kann. Das hat tragischerweise Crans-Montana gezeigt, bei dem in einem sogenannten Flashover alle brennbaren Oberflächen fast gleichzeitig in Brand gerieten. Die Schaffhauser Feuerwehr probt solche Szenarien selbst in einem «Feueratelier» in Andelfingen, in dem sich der Brand gezielt steuern lässt. Selbst für Profis ist es aber schwierig, abzuschätzen, wann es im Ernstfall zu einem plötzlichen Vollbrand kommen kann. Entscheidend dafür sind verschiedene Faktoren, darunter die Hitze, die betroffene Fläche sowie Schwebestoffe im Raum.

Auf welches Fehlverhalten möchten Sie aufmerksam machen?

Müller: Panik ist nie hilfreich. Ebenso wenig: bei einem Brand zuerst einmal das Handy zu zücken und zu filmen zu beginnen, so wie wir das in Crans-Montana gesehen haben. Das hat mich – und viele andere – brutal verärgert. Immer öfter scheinen die Menschen anzunehmen: Es kommt dann schon jemand und regelt das für mich. Oder: Das ist eigentlich noch ganz unterhaltsam. Spätestens, wenn man Feuer sieht, sollte der Spass aber vorbei sein.

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Kommentare (1)

Beat Rüedi-Külling Di 06.01.2026 - 08:13

Kantonale Feuerpolizei Dienststellenleiter Andreas Rickenbach ist verantwortlich für die zahlreichen Lokale im Kanton Schaffhausen mit mehr als 300 Personen und kontrolliert diese alle 5 Jahre - Frage: was macht er während der restlichen 4 Jahre?

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