Hier entstehen Fenster fürs Datencenter: Was diese Buchberger Firma mit Stahl und Alu alles anstellt
In der stillen Exklave Buchberg schweissen und fräsen Mitarbeitende der Fehrtech AG an Bauteilen, die Fassaden prägen. Sie fertigen Fenster für die Pädagogische Hochschule und das Bürogebäude des Datencenters in Beringen. Ein Blick hinter die Türen eines Unternehmens, das auch Gefängnistüren herstellt.
Wer die Hallen der Fehrtech AG betritt, wird zuerst vom Geruch nach Metall begrüsst, es wird gebohrt und geschweisst.
Geschäftsleiter Dario Eichelberger führt durch die Produktionshallen, zeigt die Montageplätze. Riesige Fensterelemente aus Aluminium werden zusammengebaut. «Es ist wie ein Legosystem», sagt er.
«Das recycelte Aluminium ist qualitativ mit neuem Material gleichzusetzen.»
In einer Ecke steht ein riesiges Fenster. Hier soll ein 700-Kilo-Glaselement hineinkommen, erklärt Eichelberger. Solche dreifach verglasten Fensterfronten sind für eine besondere Adresse bestimmt. Sie werden das künftige Bürogebäude des Datencenters in Beringen zieren.
Die Profile, so fügt er hinzu, bestehen zu 75 Prozent aus recyceltem Material. «Das recycelte Aluminium ist qualitativ mit neuem Material gleichzusetzen.» 80 Fenster baue man für das Gebäude.
Fenster für den Durchblick im Unterricht
Es öffnet sich eine Schiebetür zu einer weiteren Halle. Dort stehen bereits verpackte Profile für das Kammgarn-Areal bereit. Es sind Fenster, die als Trennwände in der künftigen Pädagogischen Hochschule Schaffhausen (PHSH) fungieren sollen. Die PHSH wird im August in den Kammgarn-Westflügel zügeln. Für diese Fenster fiel die Wahl auf Stahl, weil das Material filigrane Konstruktionen zulässt. «Stahl ist ein sehr solides Material, gerade für Innenbereiche», sagt Eichelberger.
Wir kommen an einer aufgebockten Gefängnistür vorbei, gefertigt wird sie für das Bezirksgebäude in Pfäffikon. Weitere Türen, gefertigt aus massivem Stahl, folgen. Diese sind für die Justizvollzugsanstalt Pöschwies gebaut. «Zwischen den Stahllagen haben wir eine Gipsschicht eingebaut, die den Brandschutz sicherstellt», sagt Eichelberger. Solche Spezialanfertigungen erfordern neben handwerklichem Können auch entsprechende Zertifizierungen und Prüfungen.
Alter Stahl wird neu verbaut
Die Buchberger Firma legt gemäss eigenen Angaben auch viel Wert auf Nachhaltigkeit. Für das Projekt in Beringen nennt Eichelberger eine konkrete Zahl, durch das recycelte Aluminium liessen sich dort rund 20 Tonnen CO₂ einsparen. Trotzdem bleibt Recycling kostenintensiv. «Es geht nicht nur um Kosten, sondern um den Willen zur Kreislaufwirtschaft», sagt der Geschäftsleiter. Fehrtech holt deshalb vermehrt Arbeitsschritte zurück ins eigene Haus. Es wird zugeschnitten, aufbereitet und montiert.
Trotz des Trends, mehr zu recyceln, hinterlassen internationale Krisen Spuren. Durch den Ukrainekonflikt und Schäden an Produktionsstätten kam es anfangs zu Lieferengpässen und deutlich höheren Stahlpreisen. Der Irankonflikt verteuerte jüngst Transporte und die Energie. «Die Materialverfügbarkeit ist im Moment stabil, aber Transport- und Energiekosten treiben die Preise nach oben», sagt Eichelberger.
Das führe dazu, dass sich die Beschaffungslogik verändert und schweisst die Player in der Region zusammen. «Man schaut wieder verstärkt regional, wenn möglich», so der Schaffhauser. Doch Schweizer Stahlproduktion sei begrenzt. «Wir beziehen viel aus Deutschland und Italien.» Wiederverwendung und Recycling bleiben zudem nicht nur ökologische, sondern auch strategische Themen.
Ein anschauliches Beispiel für die Kreislaufidee passiert zurzeit in Oerlikon. Eine bestehende Passerelle wird dort rückgebaut, aufbereitet und zu neuen Balkonen sowie Laubengängen umgebaut. «Solche Re-Use-Projekte sind aufwendig, aber sie zeigen, dass hochwertige Nachnutzung funktioniert», sagt Eichelberger.
Abseits gelegen und doch nahe dran
Geografisch liege die Firma in einer interessanten Zwischenzone: «Wir sind zwischen Schaffhausen, Zürich und Winterthur – in etwa einer halben Stunde bei vielen Einsatzorten», sagt Eichelberger, «das ist ein Vorteil bei Aufträgen.» Gleichzeitig ist Buchberg eine Exklave des Kantons Schaffhausen, das führe manchmal dazu, dass man «ein Stück weit vergessen» werde. Die Verwurzelung sei trotzdem stark. «Viele Mitarbeitende kommen aus Schaffhausen.» Die Firma bietet mit zwei bis drei Lernenden pro Jahr Ausbildungsplätze für Metallbauer.
