«1802 steht für Werte, die uns bis heute prägen»

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Das Ensemble im Paradies wird neu durch ein Hotel ergänzt. Bild: GF

«Wir sind darauf angewiesen, dass sich unsere Mitarbeitenden kontinuierlich weiterentwickeln», sagt GF-CEO Andreas Müller zum erweiterten Angebot im Paradies. Im Interview verrät er, warum die Weiterentwicklung des Paradies für ihn auch einen emotionalen Wert hat, und warum er dort auch privat hin und wieder zu Gast ist.

Andreas Müller, am 11. März wurden das neue Hotel 1802 und das renovierte Restaurant 1802 in Schlatt offiziell eröffnet. Sie haben dieses Projekt der Stiftung Paradies von Anfang an initiiert. Was erfüllt Sie angesichts des Ergebnisses am meisten mit Stolz?

Andreas Müller: Was mich besonders stolz macht, ist, dass es gelungen ist, einen Ort mit langer Geschichte behutsam weiterzuentwickeln und gleichzeitig zukunftsfähig zu machen. Das Klostergut Paradies ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Bildungs- und Begegnungsort für GF. Mit dem neuen Hotel und dem Restaurant konnten wir dieses Angebot sinnvoll ergänzen und qualitativ auf ein neues Niveau heben. Dass wir hier einen Ort geschaffen haben, der unseren Mitarbeitenden aus aller Welt und gleichzeitig der Region offensteht, freut mich im Speziellen.

Was war der strategische Hintergrund für GF, im Klostergut Paradies in Schlatt ein neues Hotel und das Restaurant 1802 zu realisieren?

Müller: GF darf sich glücklich schätzen, eine Stiftung zu besitzen, die dieses Projekt realisiert hat. Die Stiftung als Eigentümerin und Trägerin des Areals kann eine solche Investition finanzieren. Grosszügige Spenden und Legate von Privatpersonen in den vergangenen Dekaden helfen zudem mit, die Klosteranlage zu unterhalten. Strategisch ging es uns darum, die Aus- und Weiterbildungsinfrastruktur für GF, aber auch für andere Unternehmen, die hier zu Gast sind, nachhaltig zu stärken. Als global tätiges Industrieunternehmen sind wir darauf angewiesen, dass sich unsere Mitarbeitenden kontinuierlich weiterentwickeln. Das Paradies ist ein prägender Ort für Leadership-Programme, Strategie-Workshops und internationale Trainings.

Sie sagen es: GF ist ein Industrieunternehmen, das nun auch ein Hotel für externe Gäste zur Verfügung stellt. Warum dies?

Müller: Wir wollten den Standort bewusst öffnen und einen Mehrwert für die Region schaffen. Das Restaurant steht der Öffentlichkeit jederzeit offen; auch das Hotel heisst externe Gäste willkommen; dies vor allem an den Wochenenden und während der Ferienzeiten, wenn wir die Räumlichkeiten für interne Seminare nicht benötigen. So verbinden wir interne Bedürfnisse mit einem klaren Bekenntnis zur Region und zur touristischen Entwicklung am Rhein.

Andreas Müller, CEO Georg Fischer.
«Mit dem neuen Hotel und dem Restaurant konnten wir das Angebot im Paradies sinn voll ergänzen und qualitativ auf ein neues Niveau heben.»
Andreas Müller, CEO Georg Fischer

Gab es Momente, wo Sie sich Gedanken machten über den Erfolg des Projektes?

Müller: Bei einem Projekt dieser Grössenordnung macht man sich natürlich immer Gedanken – sei es in Bezug auf die Bauzeit und die erforderlichen Baubewilligungen, die Investitionshöhe oder die spätere Akzeptanz und Resonanz. Entscheidend war für uns, von Anfang an klar zu wissen, wofür wir dieses Projekt realisieren und welchen langfristigen Nutzen es haben soll. Die enge Zusammenarbeit mit der Gemeinde, den Behörden und allen Projektbeteiligten hat viel Vertrauen geschaffen – an dieser Stelle noch einmal ein expliziter Dank an die Eidgenössische Natur- und Heimatschutz-Kommission (ENHK), die regionalen Umweltverbände, die Denkmalpflege des Kantons Thurgau sowie natürlich an die Gemeinde Schlatt und vor allem auch an die Nachbarn des Paradies für ihre grosse Unterstützung! Heute sehen wir, dass Konzept, Standort und Qualität zusammenpassen. Das stimmt mich zuversichtlich, dass das Hotel und das Restaurant 1802 langfristig erfolgreich sein werden.

Das Klostergut Paradies liegt in unmittelbarer Nähe zur Region Schaffhausen und direkt am Rhein. Welche Impulse erwarten Sie durch das neue Hotel- und Restaurantangebot für die regionale Wirtschaft und den Tourismus?

Müller: Wir sind überzeugt, dass das Hotel- und Restaurantangebot einen positiven Impuls für die gesamte Region leisten kann. Der Standort am Rhein ist einzigartig, und mit dem neuen Angebot wird er noch stärker als Ort der Begegnung, der Gastfreundschaft und des Austauschs wahrgenommen. Davon profitieren nicht nur Gäste, sondern auch regionale Partner, Zulieferer und touristische Angebote. Zudem schafft das Projekt Arbeitsplätze und zusätzliche Wertschöpfung. Unser Anspruch ist nicht, ein isolierter Betrieb zu sein, sondern ein aktiver Teil der regionalen Wirtschafts- und Tourismuslandschaft.

Der Name «1802» nimmt Bezug auf das Gründungsjahr von GF. Welche Bedeutung haben Tradition und Werte für dieses Projekt?

Müller: 1802 steht für den Ursprung von GF – und für Werte, die uns bis heute prägen: Qualität, Verantwortung, Innovationskraft und Nachhaltigkeit, aber auch stetige Weiterentwicklung. Diese Werte sollten im Projekt nicht nur sichtbar, sondern auch erlebbar werden. GF besitzt diese Anlage nun seit über 100 Jahren, und wir investieren jedes Jahr über die Stiftung Paradies in die Anlage, um sie «in Schuss» zu halten, so zuletzt in eine topmoderne Seminartechnik.

Und wie wurden diese Werte in ein zeitgemässes Hotel- und Gastronomiekonzept übersetzt?

Müller: Das zeigt sich in der Architektur, im Umgang mit der historischen Substanz, aber auch im Betrieb selbst: in der Ausrichtung auf Qualität, in nachhaltigen Lösungen und in einem modernen Verständnis von Gastfreundschaft. Tradition verstehen wir dabei nicht als Rückblick, sondern als Grundlage, um die Zukunft verantwortungsvoll zu gestalten. Ich denke auch, dass unser Architekt diese Ansprüche hervorragend gelöst hat.

Wie stark mussten Sie bei den beteiligten Akteuren auf der politischen und Verwaltungsebene Überzeugungsarbeit leisten, um das Projekt gemäss Ihren Vorstellungen zu verwirklichen?

Müller: Natürlich benötigt ein derartiges Projekt intern wie extern Überzeugungsarbeit. Aber die Tatsache, dass das Hotelangebot in Schaffhausen angesichts unserer vielen Seminargäste nicht immer genügt, hat uns von Anfang an positive Impulse gegeben. Auch extern haben wir sehr schnell sehr viel Goodwill verspürt. Denn die einmalige Lage am Rhein bietet sich für ein solches Projekt geradezu an. Ausserdem haben wir frühzeitig die regionalen Umweltverbände in das Projekt einbezogen, sie konnten ihre Wünsche, aber auch Kritik äussern. Gemeinsam haben wir das Projekt noch besser gemacht.

Werden Sie und Ihre Familie das Freizeitangebot im «Paradies» auch privat ab und an nutzen?

Müller: Ich bin natürlich schon sehr häufig mit meinen Teams von GF im Restaurant zu Gast, auch das Hotel benütze ich öfters, um zu übernachten, wenn es spät wird. Da der Besuch aber jedes Mal Freude macht, bin ich auch privat hin und wieder Gast.

Und was wünschen Sie sich, wenn Gäste das Hotel und Restaurant 1802 wieder verlassen?

Müller: Ich wünsche mir, dass sie das Gefühl mitnehmen, an einem besonderen Ort gewesen zu sein. An einem Ort mit Geschichte, der aber eine Leichtigkeit verströmt. Und mit einer Atmosphäre, die inspiriert – sei es für neue Ideen, für gute Gespräche oder einfach für einen Moment der Ruhe und Erholung am Rhein. Wenn uns das gelingt, dann hat sich die Investition der Stiftung Paradies in jedem Fall gelohnt.

Zur Person: Andreas Müller

Andreas Müller kennt das Schaffhauser Industrieunternehmen Georg Fischer (GF) von der Pike auf. Nach seinem Einstieg 1995 durchlief der diplomierte Betriebswirt verschiedene Funktionen und Positionen im Finanz- und Controllingbereich. 2017 wurde er Finanzchef von GF, ehe er im April 2019 das Amt als CEO übernahm. Seit 2023 hat sich GF zum reinen Anbieter für «Flow Solutions» gewandelt, der sich auf Rohrleitungssysteme für Flüssigkeiten fokussiert, im speziellen Wasser und Gas. Müller wohnt in der Region Schaffhausen.

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