58 Prozent Ja – Schaffhauser Schulen erhalten zusätzliche Hände
Die Stadt Schaffhausen führt definitiv Schulassistenzen ein. Die Stimmbevölkerung hat einem jährlichen Kredit von rund 1,9 Millionen Franken zugestimmt. Bildungsreferent Marco Planas sieht darin einen wichtigen Schritt zur Entlastung der Lehrpersonen und für mehr Qualität im Unterricht.
Die Schulen der Stadt Schaffhausen erhalten zusätzliche Unterstützung im Klassenzimmer. Mit 58 Prozent Ja-Stimmen hat die Stimmbevölkerung am Sonntag entschieden, Schulassistenzen definitiv einzuführen. Die Stadt stellt dafür jährlich knapp 1,9 Millionen Franken bereit. Damit sollen 1080 Assistenzlektionen pro Woche finanziert werden. Die Stimmbeteiligung lag bei 72,7 Prozent.
Für Bildungsreferent Marco Planas ist das Resultat ein wichtiger Schritt für das Schulsystem. «Mir ist natürlich ein Stein vom Herzen gefallen, dass es so deutlich angenommen worden ist», sagt der parteilose Stadtrat. Die Einführung sei «ein weiterer Meilenstein für die städtische Schule». Bereits vor gut einem Jahr wurden in der Stadt Schulleitungen eingeführt. Mit den Schulassistenzen werde nun ein weiteres Element umgesetzt, das Lehrpersonen im Alltag entlasten soll.
Schulassistenzen unterstützen Lehrpersonen im Unterricht. Sie helfen bei der Betreuung der Klasse, begleiten einzelne Schülerinnen und Schüler oder übernehmen kurzfristig Aufgaben, wenn sich eine Lehrperson intensiver einer kleinen Gruppe widmen muss. «Der Unterricht wird durch diese definitive Einführung sicher an Qualität gewinnen», sagt Planas.
Pilotprojekt zeigte positive Wirkung
Basierend auf einem gut zweijährigen Pilotprojekt habe die Stadt positive Erfahrungen gemacht, sagt der Bildungsreferent. Seit November 2023 wurden Schulassistenzen testweise eingesetzt und anschliessend ausgewertet. Laut Planas zeigte die Evaluation klar, dass sie im Unterricht eine spürbare Unterstützung darstellen würden.
Bisher standen im Pilotversuch durchschnittlich fünf Lektionen pro Klasse zur Verfügung. Mit dem neuen Modell werden es im Schnitt sechs Lektionen sein. Diese gehen in einen Pool, aus dem die einzelnen Schulleitungen je nach Bedarf Ressourcen zuteilen können.
«Die Heterogenität im Klassenzimmer wird immer grösser.»
«Es gibt einen grossen Pool, wo die Schulleitung vor Ort schauen kann, in welcher Klasse es wie viele Schulassistenzen braucht», erklärt Planas.
Im Schulalltag sollen die Assistenzen vor allem organisatorisch und pädagogisch unterstützen. «Sie werden den Lehrpersonen den Rücken freihalten», sagt der Stadtrat. Wenn sich eine Lehrperson etwa mit einer kleinen Gruppe vertieft mit einem Thema befassen möchte, könne die Assistenz parallel mit der restlichen Klasse arbeiten.
Klassen sind heterogener geworden
Trotz der zusätzlichen Hände im Klassenzimmer werde der Unterricht aber auch künftig nicht nur harmonisch ablaufen, sagt der frühere Lehrer Planas. «Ohne Zwischenfälle kann nie ein Unterricht stattfinden.» Dennoch könne die Unterstützung viel Druck aus dem Schulalltag nehmen.
Gerade angesichts der zunehmenden Vielfalt in den Klassenzimmern sei dies wichtig. «Die Heterogenität im Klassenzimmer wird immer grösser», sagt Planas. Lehrpersonen stünden heute vor der Aufgabe, sehr unterschiedliche Lernstände und Bedürfnisse gleichzeitig zu berücksichtigen. «Für diesen Zweck ist die Schulassistenz ein sehr gutes Mittel.»
Links jubelt, Skepsis bei Rechten
Der Schaffhauser SVP-Grossstadtrat Mariano Fioretti gehörte zu den Gegnern der Vorlage. Am Sonntag musste er nun eine deutliche Niederlage verkraften. «Die Schaffhauser Bevölkerung hat entschieden. Das ist ein Entscheid, den wir tragen.» Inhaltlich bleibt Fioretti aber skeptisch.
Er befürchtet, «dass Schulassistenzen verhaltensauffällige Kinder zusätzlich in den Mittelpunkt stellen könnten». Statt zusätzlicher Assistenzpersonen plädiert Fioretti für kleinere Klassen oder sogenannte Kleinklassen für Kinder mit besonderen Herausforderungen.
SP-Grossstadträtin Livia Munz auf der anderen Seite zeigt sich erleichtert über das Abstimmungsresultat. «Es ist ein erfreuliches Zeichen der Bevölkerung gegenüber den Schulen und der Lehrerschaft», sagt die politisch aktive Lehrerin.
Gerade bei individuellen Förderbedürfnissen, etwa bei einer Lese-Rechtschreib-Schwäche, könne eine zweite erwachsene Person im Schulzimmer helfen. «Man hat in grossen Klassen oft kaum Zeit, individuell mit einzelnen Schülerinnen oder Schülern zu arbeiten», sagt Munz. Schulassistenzen ermöglichten genau diese zusätzliche Betreuung.
Bereits viele Bewerbungen eingegangen
Nach dem Urnenentscheid beginnt nun die nächste Phase. Die Stadt will zusätzliche Schulassistenzen rekrutieren, damit das neue Modell bereits nach den Sommerferien umgesetzt werden kann.
Die Nachfrage am Job scheint vorhanden zu sein: Laut Kathrin Menk, Bereichsleiterin Bildung der Stadt, sind bereits zahlreiche Bewerbungen eingegangen.