Weihnachten in XXL: Der wohl grösste Tannenbaum von Schaffhausen steht bei ihr

Fabienne Jacomet | 
Lesenswert
Noch keine Kommentare

Nicole Werners grosse Leidenschaft ist ihr Weihnachtsbaum. Mehrere Tage verbringt sie damit, ihn zu schmücken. Jeder Anhänger hat dabei eine eigene Geschichte. Die SN waren für den Adventskalender zu Besuch bei Familie Werner.

Wie kriegt man den überhaupt in die Stube? Diese Frage stellt man sich unweigerlich als Erstes, wenn man vor dem Tannenbaum von Nicole Werner steht. 4,5 Meter hoch ist er – und damit wohl einer der grössten, der in einem Schaffhauser Zuhause steht. Drei Männer haben ihn angeliefert und durch den Wintergarten in die Stube gebracht, erklärt Werner. Seit etwa zwei Wochen steht der Baum nun hier, festgebunden an zwei Seilen in einem Gefäss, das Werner extra angefertigt hat. Genügend Wasser braucht der Baum, er soll nicht austrocknen.

Nicole Werner hat eine aufwendige Weihnachtsdekoration gestaltet, Nicole Werner 11.12.2025, Schaffhausen (Roger Hofstetter/Schaffhauser Nachrichten)
Nicole Werner verbringt jeweils mehrere Tage damit, alles sorgfältig zu schmücken.

Schon seit mehreren Jahren steht bei Werner in der Adventszeit ein Baum dieser Höhe in der Stube. Es ist eine Tradition geworden. Jeweils drei bis vier Tage braucht sie, um ihn zu schmücken. «Dann arbeite ich bis tief in die Nacht, bis alles perfekt ist.» Viel wichtiger als die Grösse des Baums ist Werner dabei, was daran hängt. Es sind Erinnerungsstücke, Geschenke von Familienmitgliedern, von Freunden und Bekannten. Viele sind bereits gestorben, sie leben aber ein Stück weit in dem Schmuck weiter. Manche Anhänger sind schon über 60 Jahre alt. Da sind handgemachte Strohsterne und -tierchen von ihrer Mutter, Mitbringsel von Reisen in der ganzen Welt.

Neuen Schmuck kauft Werner nicht. Wenn etwas nicht mehr schön ist, einen Hick hat, wird darübergemalt oder etwas draufgeklebt. Sie wirft nicht gern Dinge weg, macht lieber etwas Neues daraus. Selbst für die berühmten Lebkuchen-Verpackungen mit den Samichläusen darauf findet sie eine Verwendung: Sie schneidet die Motive aus und verwendet sie als Fensteraufkleber für ihre Adventsfenster. «Ich werde oft auf die Aufkleber angesprochen. Wenn ich dann sage, dass es einfach alte Verpackungen sind, sind die Leute immer überrascht.»

Zu jedem Stück Dekoration kann Werner eine Geschichte erzählen. Sie zeigt auf ein Piano, das für ihren Sohn Martin steht. Er ist Pianist. Nicht zufällig hängt neben dem Piano eine Violine – Martins Verlobte ist Violinistin. Irgendwo hängt eine Figur eines verliebten Pärchens. «Die waren früher beide Blond. Aber ich habe die Haarfarbe der Frau geändert, weil Martins Partnerin dunkle Haare hat», sagt Werner und lacht.

Dann richtet sich ihr Blick auf das kleine Jesuskind in der Krippe, die unter dem Baum steht. Es war ein Geschenk des Giessers Franz Schoch, der auch die lebensgrossen Krippenfiguren, die jahrelang auf dem Fronwagplatz ausgestellt waren, hergestellt hat.

Und schon hat sie die nächste Geschichte parat. Neben dem Baum hängt ein grosser goldener Stern. «Die hatten sie im Coop Feuerthalen zu Weihnachten aufgehängt. Sie haben mir immer so gefallen, deshalb fragte ich, ob ich einen kaufen darf.» Die Antwort sei Nein gewesen – diese würden nach Weihnachten entsorgt. «Ich war so schockiert und enttäuscht und wollte grad den Laden verlassen, aber der Verkäufer lief mir nach und schenkte mir einen der Sterne.»

Werners Augen funkeln, wenn sie diese Anekdoten erzählt. Deshalb lädt sie auch gerne Bekannte zu sich ein, um die Geschichten zu teilen und Panettone, Mandarinli und Glühwein zu servieren. «Weihnachten ist für mich einfach etwas ganz Besonderes.» Noch bis Ende Januar wird der wohl grösste private Indoor-Tannenbaum in ihrer Stube stehen – und viel Stoff für Geschichten liefern. Dann werden seine Äste nach und nach abgesägt und im Cheminée verbrannt.

Ist dieser Artikel lesenswert?

Ja
Nein

Kommentare (0)

Neuen Kommentar schreiben

Diese Funktion steht nur Abonnenten und registrierten Benutzern zur Verfügung.

Registrieren