Ein Mann mit Namen Kuck: So tickt der neue Chef der Wibilea

Kay Fehr | 
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fotografiert am, in . (Roberta Fele / Schaffhauser Nachrichten)
«Kuck» (r.) ist gerne Ausbilder und Motivator. Davon profitieren auch die Lernenden, wie Davide Rossetti, der bei Syntegon im zweiten Lehrjahr als Polymechaniker ist. Bild: Roberta Fele

Im August übernahm er den Posten des Geschäftsführers des Ausbildungszentrums Wibilea von Thomas Maag. In seiner Rolle als Ausbilder geht Michael Kummer, von allen «Kuck» genannt, voll auf – und hat keine Angst davor, in grosse Fussstapfen zu treten.

«Nur wenige kennen meinen richtigen Namen», sagt Michael Kummer mit einem Schmunzeln auf den Lippen; er, den alle nur «Kuck» nennen. «Früher hatten wir drei Michaels in der Klasse, und wir mussten uns irgendwie auseinanderhalten.» Erst war er «Kucki», und als er älter wurde, fiel das «i» weg. Seit da ist sein Spitzname etabliert. «Fällt der Name, weiss man sofort, von wem man spricht», sagt Kuck.

«Wenn es den Mitarbeitenden und Lernenden wohl ist, dann bringen sie auch Leistung.»

Michael «Kuck» Kummer, Geschäftsführer der Wibilea

Praktischer Nebeneffekt: Mit dem Spitznamen bietet der neue Wibilea-Chef automatisch allen das Du an. «Das passt zu meiner Philosophie. Ich lege viel Wert darauf, allen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen», sagt der 52-Jährige. Wer eine natürliche Autorität ausstrahle, brauche keine formelle Anrede.

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«Ein Privileg, junge Menschen auf ihrem Weg zu begleiten»: Wibilea-Chef Michael «Kuck» Kummer. Bild: Roberta Fele

Im August übernahm Kuck die Rolle des Geschäftsführers von Thomas Maag, der das Ausbildungszentrum Wibilea 20 Jahre lang aufgebaut und geprägt hat. Vor zwei Jahren fragte Maag ihn, ob er sich vorstellen könne, sein Nachfolger zu werden. Kuck sagte direkt zu. Um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten, ist Maag bis Ende Jahr noch zu 50 Prozent bei der Wibilea tätig.

Der neue Geschäftsführer schätzt das sehr, insbesondere wenn es um die Erstellung des Budgets geht, an der er aktuell arbeitet. Auch menschlich verstehen sich die beiden Männer gut. «Wir ticken ähnlich», sagt Kuck, «bei uns steht immer der Mensch im Fokus.» Das äussert sich auch darin, dass Kuck jeden Tag – trotz Budget-Stress – einmal einen Rundgang durch die Werkstatt machen und sich mit den Mitarbeitenden und Lernenden austauschen möchte. «Wenn es ihnen wohl ist, dann bringen sie auch Leistung», ist er überzeugt, «Leute zu führen, heisst auch, sie zu spüren.»

Trainer, Handwerker und Sportler

Der Thaynger machte seine Ausbildung Anfang der 90er-Jahre als Elektromechaniker – heute heisse der Beruf Automatiker, sagt er. Die Lehre absolvierte er ausgerechnet im SIG-Ausbildungszentrum, aus dem unter Maag später die Wibilea hervorgehen sollte. Eine Art Rückkehr für Kuck.

«Ich habe viel Herzblut für die Lehrlingsausbildung, das hält einen jung. Es ist ein Privileg, junge Menschen auf ihrem Weg zur Fachperson zu begleiten.»

Michael «Kuck» Kummer, Geschäftsführer der Wibilea

Nach der Ausbildung war Kuck fünf Jahre lang auf Montage, doch bereits vor der Jahrtausendwende wechselte er beim Industriekonzern Sulzer in die Berufsbildung. Es wurde zu einer Art Bestimmung: Seit da war er an verschiedenen Lernorten, leitete überbetriebliche Kurse und betreute Lernende – zuletzt beim Verband Swissmem. «Ich habe viel Herzblut für die Lehrlingsausbildung, das hält einen jung. Es ist ein Privileg, junge Menschen auf ihrem Weg zur Fachperson zu begleiten», sagt Kuck, selbst Vater einer Tochter und eines Sohnes. Er sehe stets das Positive im Menschen – selbst dann, wenn es mal nicht läuft. «Genau dann braucht es Personen, die dich unterstützen.»

So funktioniert die Wibilea

Die Wibilea ist das Ausbildungszentrum in der Region Schaffhausen für Berufe der Elektro- und Maschinenindustrie, des Formenbaus sowie für Berufe der Informations- und Kommunikationstechnologie. Lernende absolvieren bei der Wibilea überbetriebliche Kurse bis hin zu kompletten Basisausbildungen. Basislehrjahre dauern je nach Beruf und Ausprägung zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. Anschliessend arbeiten die Lernenden im Lehrbetrieb. Aktuell sind bei der Wibilea 16 Berufsbildner und neun eigene Lernende angestellt.

Der 52-Jährige hat neben der Lehrlingsausbildung und der Faszination für handwerkliche Berufe eine weitere Leidenschaft mit hohem Stellenwert: den Sport. Von Freunden wird er als begnadeter Fussballspieler bezeichnet, der das Zeug zu einer Profikarriere gehabt hätte – stattdessen entschied sich Kuck in einer entscheidenden Phase dafür, zwei Jahre lang Skilehrer in Davos zu sein. «Nur eine Sportart auszuüben, hätte mich nicht erfüllt», sagt der polysportive Thaynger. Darum trifft man ihn auch häufig im Gebirge an. Im Sommer fährt er mit dem Mountainbike die Berge hoch, im Winter saust er auf Skiern die Hänge runter. «Die Natur ist meine Akkuladestation.»

Keine Angst vor grossen Fussstapfen

Noch immer trainiert er eine Skigruppe des SC Parpan auf hohem Niveau, manche seiner Schützlinge hätten Chancen fürs C-Kader des Nationalteams. Dem Fussball ist Kuck ebenfalls treu geblieben. Zwar kickt er nicht mehr selbst, er engagiert sich aber als Co-Präsident der Spielvereinigung Schaffhausen. Zuvor trainierte er das Frauenteam der Spielvi – auch im Sport übernimmt Kuck liebend gerne die Rolle des Ausbilders, des Motivators, des Unterstützers. Das alles notabene neben der 100-Prozent-Stelle als Geschäftsführer.

«Ich bin mega motiviert, die Wibilea weiterzuentwickeln. Ich fühle mich wohl in dieser Rolle, habe gerne Gesellschaft und gehe auf Leute zu.»

Michael «Kuck» Kummer, Geschäftsführer der Wibilea

Kuck ist sich bewusst, dass er in grosse Fussstapfen tritt – Maag hat die Wibilea aufgebaut, unzählige Kontakte geknüpft und das Ausbildungszentrum zu jenem in der gesamten Deutschschweiz bekannten Leuchtturm gemacht, der es heute ist. Das sei allerdings nichts, was ihm Angst machen würde. Ganz der Sportler, sehe er es vielmehr als eine spannende Herausforderung. «Ich bin mega motiviert, die Wibilea weiterzuentwickeln. Ich fühle mich wohl in dieser Rolle, habe gerne Gesellschaft und gehe auf Leute zu.» Kuck weiss, dass in seiner neuen Rolle ein gutes Netzwerk und die regionale Verankerung essenziell sind. Und er gibt sich pragmatisch: Er will das Rad nicht neu erfinden, der Betrieb funktioniere; gleichzeitig möchte er am richtigen Ort das ein oder andere «Stellschrüübli» drehen, wie er sagt. «Es soll ein guter Mittelweg sein. Die Zeit verlangt, dass man sich bewegen muss.»

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