«Bevölkerung wollte nicht die Katze im Sack kaufen»: Reaktionen auf die Klatsche für die Kulturhauptstadt
Die Stadtschaffhauser Stimmbevölkerung stellt sich klar gegen die Bewerbung als Kulturhauptstadt 2030. Für die Befürworter ist klar, die Vorlage war wohl zu abstrakt. Die Gegner feiern sich derweil für ihren Abstimmungskampf.
«Ich werde meine Stadtpräsidiumskollegen in Aarau und Thun anrufen und ihnen mitteilen, dass Schaffhausen aus dem Rennen ist», sagte Peter Neukomm bei der Resultatsverkündigung der städtischen Abstimmung. In den USA würde man wohl von einem «Concession Call» reden, dem Telefonat, bei dem der unterlegene Kandidat dem Sieger gratuliert. Zwar steht der Sieger im Rennen um die Kulturhauptstadt 2030 noch nicht fest, aber Schaffhausen wird es definitiv nicht werden. Die Stimmbevölkerung lehnt die Bewerbung klar ab. 60 Prozent waren dagegen, das sind 8945 Schaffhauserinnen und Schaffhauser. Ein Ja gab es von 5885 Stimmberechtigten. Die Stimmbeteiligung lag bei 68,7 Prozent.
Das Stimmvolk hätte einen Kredit von vier Millionen Franken gewähren sollen, um sich für den Titel Kulturhauptstadt zu bewerben – ein Päckli voller Ideen war noch keines vorgestellt worden. Und genau da sah Neukomm das Problem: «Die Bevölkerung wollte nicht die Katze im Sack kaufen», sagte er. Zudem gebe es keine Städte, die schon einmal so etwas gemacht haben, die man als Beispiel hätte ins Rennen führen können. Die Bewerbung wäre eine grosse Chance für die Stadt, aber auch für den Kanton gewesen.
Das Ziel jetzt: Den Dialog aufrechterhalten
Auch Kulturreferent Marco Planas war enttäuscht über das Resultat und «enttäuscht für die vielen Leute, die sich für die Idee eingesetzt haben». Aber den Entscheid des Stimmvolkes gelte es zu akzeptieren. Es hat eine grosse Mobilisierung gegeben, einen Mitwirkungsprozess für die Idee der Kulturhauptstadt. Dies solle jetzt nicht einfach im Papierkorb landen. «Wir haben viele Gespräche geführt über Kulturgrenzen hinweg, und es ist nie infrage gestellt worden, welche Bedeutung die Kultur für die Stadt hat.» Den Dialog zwischen der Kultur, dem Tourismus und dem Gewerbe aufrechtzuerhalten, sei jetzt das Ziel.
Der Bewerbung den Kampf angesagt hatte vor allem die SVP. Grossstadtrat Thomas Stamm war entsprechend zufrieden mit dem Resultat – und überrascht. «Ich habe mich auf zwei Szenarien vorbereitet: klar verloren oder knapp verloren.» Es sei das erste Mal, dass die Stadtbevölkerung über ein kulturelles Projekt abstimmen konnte. Das Resultat sei deshalb ein deutlicher Denkzettel für den Stadtrat und seine Kulturpolitik. Denn im Parlament werde seine Fraktion oft als volksfern bezeichnet, wenn es um Kultur gehe. Aber hier sei man offensichtlich näher am Puls der Leute gewesen. Und es zeige sich: Beim Volk sei das Vertrauen in die Kulturförderung nicht vorhanden.
Die grosse Bänkli-Frage
Stamms Parteikollege Mariano Fioretti war derweil überzeugt: Ohne die von ihm designten Abstimmungsplakate hätte man nicht gewonnen. Darauf zu sehen: das «Soziale Kunstprojekt» aus dem letzten Jahr. Die gelben zersägten Bänkli sorgten für mächtigen Zoff in der Stadt und sie wurden für manche fast schon zum Symbol für ein kulturelles Scheitern des Stadtrats.

Marco Planas hingegen sah die Sache anders: «Es sind klar zwei verschiedene Paar Schuhe.» Er glaube, man habe gut unterscheiden können zwischen der jetzigen Vorlage und einem Projekt vom letzten Jahr.
Und während andere Anwesende im Stadthaus die Bänkli-Frage weiter diskutierten, vermeldete die Aargauer Zeitung: «Schaffhausen verzichtet auf Bewerbung als Kulturhauptstadt – ebnet das den Weg für die Aarauer Kandidatur?»