«Der Druck auf den Immobilienmarkt hat sich weiter erhöht»
Auf angrenzende Gemeinden ausweichen und flexible Finanzierungsmodelle wählen: David Theis, Privatkundenberater und Mitglied der Bankleitung, erklärt, wie der Traum vom Eigenheim trotz veränderter Bedingungen dennoch realisiert werden kann.
Herr Theis, der Immobilienmarkt in Schaffhausen gilt als stark nachgefragt, doch das Angebot ist begrenzt – wie wirkt sich diese Knappheit konkret auf Ihre Beratung im Bereich Privatkunden aus, und wie helfen Sie Ihren Kundinnen und Kunden, dennoch geeignete Objekte zu finden?
David Theis: Unsere Kundenberatenden kennen und betreuen ihre Kundinnen und Kunden über mehrere Lebensphasen hinweg, sprich auch in der Phase der Suche nach Wohneigentum beziehungsweise der Weitergabe eines Objektes. Hier können wir also oftmals unser lokales Netzwerk anbieten, um Angebot und Nachfrage zusammenzuführen. Bei Bedarf kann zusätzlich auf die Makler-Dienstleistungen von Raiffeisen Immomakler zurückgegriffen werden oder wir machen Empfehlungen für den passenden lokalen Makler, der über eine hohe Marktkenntnis und Expertise in der Vermittlung von Objekten verfügt.
Laut einer aktuellen Studie der Immobilienberater «Wüest und Partner» strömen jährlich rund 75 000 zusätzliche Arbeitskräfte in die Schweiz, was die Preise schweizweit treibt. Spüren Sie diesen Effekt auch in der Region Schaffhausen und wie reagieren Sie als Bank darauf?
Ja, diesen Effekt spüren wir auch bei uns. Die Zuwanderung bringt dringend benötigte Fachkräfte, erhöht aber gleichzeitig den Druck auf den Immobilienmarkt. Die Nachfrage steigt, während das Angebot begrenzt bleibt – gerade an beliebten Lagen. Die Preisentwicklung liegt aber immer noch unter dem schweizweiten Durchschnitt. Als Bank reagieren wir mit einer noch individuelleren Beratung: Wir analysieren gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden, welche Möglichkeiten sich bieten, sei es in der Stadt oder in angrenzenden Gemeinden.
Zudem unterstützen wir mit flexiblen Finanzierungsmodellen, damit der Traum vom Eigenheim auch unter veränderten Marktbedingungen realisierbar bleibt. Unser Vorteil ist, dass wir die Region und ihre Besonderheiten bestens kennen. Dieses lokale Know-how macht oft den entscheidenden Unterschied.
Erleben Sie auch, dass Käuferinnen und Käufer vermehrt in angrenzende Gemeinden ausweichen, um preislich attraktivere Angebote zu finden?
Ja, entsprechende Tendenzen sind erkennbar. Viele Käuferinnen und Käufer ziehen Gemeinden wie Neuhausen, Beringen, Neunkirch oder Thayngen in Betracht, da dort die Preise häufig moderater sind und gleichzeitig eine gute Infrastruktur besteht. Wir begleiten unsere Kundinnen und Kunden auch bei solchen Standortwechseln mit fundierter Beratung und unserem lokalen Netzwerk.
So stellen wir sicher, dass sie nicht nur ein Haus oder eine Eigentumswohnung finden, sondern ein Zuhause, das zu ihren Bedürfnissen passt. Die Quadratmeterpreise für Häuser und Wohnungen liegen in Schaffhausen zwar noch unter Zürich, aber deutlich über früheren Niveaus.
Welche Strategien empfehlen Sie jungen Familien, um sich dennoch den Traum vom Eigenheim zu erfüllen?
Wir empfehlen jungen Familien, sich frühzeitig beraten zu lassen und ihre finanziellen Möglichkeiten realistisch einzuschätzen. Oft hilft es, den Suchradius zu erweitern. Auch in angrenzenden Gemeinden gibt es attraktive Optionen mit guter Infrastruktur. Zudem kann eine Unterstützung innerhalb der Familie, etwa durch Erbvorbezüge oder Schenkungen, den Eigenkapitalanteil erhöhen. Wir zeigen auf, welche Finanzierungsmodelle passen – zum Beispiel eine Kombination aus Festhypothek und flexibler Saron-Lösung. Wichtig ist, Schritt für Schritt vorzugehen und einen Plan zu haben, der auch langfristig tragbar ist. So bleibt der Traum vom Eigenheim erreichbar – auch in einem anspruchsvolleren Markt.
Beobachten Sie eine Verschiebung hin zu flexibleren Finanzierungsmodellen, wie zum Beispiel Saron-Hypotheken mit Teilfestschreibung?
Generell haben wir insbesondere in der ersten Jahreshälfte, bedingt durch die weiter sinkenden Zinsen, beobachtet, dass bei Neuabschlüssen Saron-Flex-Hypotheken verstärkt nachgefragt wurden und auch bei Erneuerungen eine Verschiebung hin zu Geldmarkthypotheken stattfand. Die Vor- und Nachteile sind aber individuell anzuschauen in Bezug auf das Budget, allfällige Risiken und zukünftige Ereignisse wie zum Beispiel ein Kapitalbezug aus der Pensionskasse. Auch ein Mix aus verschiedenen Modellen wie Fest- und Saron-Flex-Hypothek kann sich durchaus lohnen.
Viele verfügbare Objekte in Schaffhausen sind keine Neubauten, sondern Bestandsliegenschaften: Wie bereiten Sie Ihre Kundinnen und Kunden darauf vor, mögliche Renovationskosten und Sanierungsbedarf realistisch einzuschätzen?
Das Thema der Modernisierung wird in der Beratung standardmässig angesprochen und bei Bedarf vertieft. Ziel der Modernisierungsberatung ist es, durch eine frühzeitige Planung optimal auf anstehende und zukünftig anfallende Modernisierungsmassnahmen vorzubereiten, sodass sie ihren Wohnkomfort steigern, laufende Kosten senken und dabei den Wert der Immobilie erhalten können.
Ausgehend von den Kundenwünschen und der durchschnittlichen Lebensdauer der Bau- und Gebäudeteile werden im Rahmen der Beratung die zukünftig anfallenden Modernisierungsmassnahmen besprochen, der Finanzierungsbedarf abgeleitet und die zukünftigen Investitionen finanziell vorbereitet. Der Fokus der Beratung liegt insbesondere auf der Energieeffizienz und auf finanziellen Themen. Für die bauliche Expertise können geeignete Netzwerkpartner wie zum Beispiel GEAK-Experten, lokale Architekten oder Energieberater vermittelt werden.
