ADS ist keine Krankheit, sondern eine Superkraft!

Ralph Denzel | 
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Kinder mit ADS haben eine Superkraft, die oft übersehen wird. Bild: Unsplash

Mein Sohn hat ADS, auch Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom genannt.

Aufgefallen ist mir das schon früh. Er konnte nie «spielen» wie andere Kinder, also längere Zeit sitzen, vielleicht etwas bauen, eine kleine Geschichte erfinden und sie in seiner Welt zum Leben erwecken. Dazu fehlte ihm einfach die Geduld. Türmchen bauen, vielleicht mit Lego spielen – keine Chance. Im Kindergarten fiel es den Erzieherinnen irgendwann auf, dass er meistens sehr unruhig war, und so ging ich mit ihm zu einem Kinderpsychologen, der diese Diagnose stellte. Auch weil langsam der Übergang in die Schule anstand.

Früher wurden solche Kinder als «Zappel-Philipp» abgestempelt, als Störenfriede und Unruhestifter. Manchmal wurden sie auch einfach als «lernbehindert» bezeichnet, weil sie Schwierigkeiten hatten, sich länger auf eine Sache zu konzentrieren und so gute schulische Leistungen zu erbringen. Ein Stempel, den sie teils nie wieder los wurden, obwohl sie gar nichts dafür konnten.

Ja, beim Spielen ist er oft schon fünf Schritte weiter und hat manchmal etwas wenig Geduld. Aber das schränkt sein Leben nicht ein. Im Gegenteil, es bereichert es in meinen Augen sogar.

Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei. War es für mich im ersten Moment ein Schock, habe ich schnell gemerkt, dass diese «Krankheit» den Namen eigentlich gar nicht verdient. Ja, mein Sohn kann sich nicht so lange konzentrieren und ist bei den Hausaufgaben manchmal etwas ungeschickt. Ja, beim Spielen ist er oft schon fünf Schritte weiter und hat manchmal etwas wenig Geduld. Aber das schränkt sein Leben nicht ein. Im Gegenteil, es bereichert es in meinen Augen sogar. Er hat wahnsinnig viele Ideen, die er am liebsten alle sofort umsetzen würde, er ist kreativ, manchmal etwas sprunghaft, aber gerade das macht es so spannend. Er sieht die Welt mit anderen Augen, auch weil so viele Reize auf ihn einwirken, die er alle am liebsten alle sofort verarbeiten und darauf möchte.

Und auch in der Schule gibt es eine Lösung: In Absprache mit seinem Kinderpsychologen bekommt er jetzt ein Medikament, damit er sich dort besser konzentrieren kann. Das wirkt wunderbar. In Deutsch ist er jetzt Klassenbester, in den anderen Fächern geht es auch bergauf, auch wenn es ab und zu Probleme gibt, vor allem in Mathe – aber da war sein Vater auch nie eine Leuchte.

Kinder mit ADS sind nicht dümmer oder weniger wert als Kinder ohne diese Diagnose. Aber sie sind mit einer Gabe gesegnet, die sie kreativer, begeisterungsfähiger und auch einfühlsamer machen kann. Mein Sohn kann durch sein ADS viel schneller Gefühlsschwankungen erkennen und darauf reagieren. Ausserdem bedeutet ADS nicht, dass er sich gar nicht konzentrieren kann, im Gegenteil. So erlebe ich bei ihm manchmal das, was in der Fachliteratur «Hyperfokus» genannt wird. Wenn er ein Thema gefunden hat, das ihn fesselt, dann kann er sich darin verlieren und ein Wissen an den Tag legen, das beeindruckend ist.

Emma Watson, Michael Jordan, Eckhardt von Hirschhausen, Noah Gordon, Robin Williams – sie alle haben oder hatten die Diagnose ADS.

Und er ist in guter Gesellschaft. Auch dank der gesellschaftlichen Akzeptanz der Krankheit gibt es immer mehr Menschen, die offen über ihr ADS sprechen. Emma Watson, Michael Jordan, Eckhardt von Hirschhausen, Noah Gordon, Robin Williams – sie alle haben oder hatten die Diagnose ADS.

ADS ist weder eine Behinderung noch eine Krankheit. Auch wenn es manches schwieriger macht: Letztlich ist es für meinen Sohn eine Art Superkraft, die ihn zu dem macht, der er ist und die seine besten Eigenschaften – seine Kreativität, sein Einfühlungsvermögen und seine Lebensfreude – nur noch verstärkt.

Hier schreibt Ralph:

 

39 | Alleinerziehender Papi | schreibt über die Alltagstücken als Alleinerziehender

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