Dieser Schaffhauser Bauer züchtet ganz besondere Kühe – zu Besuch auf dem Griesbacherhof

Elisabeth Anna Rufener | 
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Mutterkuhhaltung, Griesbachhof, Rafael Brütsch, Mittwoch, 16.04.2026, Schaffhausen (Roger Hofstetter/Schaffhauser Nachrichten)
Rafael Brütsch hat 2021 den Betrieb von seinen Eltern Lydia und Chöbi Brütsch übernommen. Bilder: Roger Hofstetter

Auf dem Griesbacherhof züchtet Rafael Brütsch Schweizer Original Braunvieh. Für die Zuchtauswahl hat er wie zuvor sein Vater und sein Grossvater ein feines Gespür, und seine Tiere erhalten regelmässig exzellente Bewertungen.

Es ist Lebensfreude pur: Sie warten schon dicht gedrängt am Gatter, muhen freudig erregt und als Rafael Brütsch, Betriebsleiter auf dem Griesbacherhof, das Gatter öffnet, stürmen 140 Kühe, Rinder und Kälber los, traben die paar Meter auf der Strasse und biegen dann, jetzt schon galoppierend, auf die Weide. Die Kälber rennen um die Wette, bremsen brüsk, reiben die Köpfe aneinander, rempeln sich an und galoppieren weiter. Eine Kuh kniet sich ins Gras, reibt den Kopf in einer kleinen Kuhle, steht wieder auf, schüttelt sich und trabt weiter. Weidegang! Muni Dachs, der erst seit einigen Wochen auf dem Hof lebt, ist auch dabei, voll gechillt lässt er Kühe und Kälber herumspringen.

Rafael Brütsch hat 2021 den Betrieb von seinen Eltern Lydia und Chöbi Brütsch übernommen. Seine Eltern hatten zu ihrer Zeit den Hof auf Bio umgestellt und die Gebäude saniert. «Es ging alles etwas länger, als wir dachten, aber wir haben unser Ziel erreicht», erzählt Vater Chöbi. Lydia, die Seniorbäuerin, hätten wir auch gerne fotografiert, aber sie war gerade unterwegs und lieferte Kürbiskernprodukte aus.

«Ich war lieber im Stall als in der Schule. Manchmal habe ich sogar geschwänzt.»

Rafael Brütsch, Betriebsleiter auf dem Griesbacherhof

«Seit dem Kindergartenalter bin ich Bauer», schmunzelt Rafael Brütsch, «und ich war lieber im Stall als in der Schule. Manchmal habe ich sogar geschwänzt.» Es ist trotzdem etwas aus ihm geworden. Und wer im zuhört, merkt, da ist einer mit viel Sachverstand und mit Leib und Seele Landwirt, Landschaftsschützer und umsichtiger Tierhalter. Er kennt jedes seiner Tiere beim Namen.

Von Mönchen gezüchtet

Das Schweizer Original Braunvieh ist eine einheimische Rinderrasse, die im 15. Jahrhundert im Kloster Einsiedeln erstmals gezielt gezüchtet wurde. Vier Jahrhunderte später experimentierte in Deutschland der Mönch Gregor Johann Mendel mit Pflanzenkreuzungen und entdeckte 1866 die Gesetzmässigkeiten der Vererbung. Die Mendel’schen Gesetze gelten immer noch, auch wenn heute sehr viel mehr erforscht ist und ausgeklügelte Techniken für die Zuchtauswahl zur Verfügung stehen. Mittlerweile können Rinderzüchter dem Speziallabor ein Haar des Tieres einschicken und bekommen innert Kürze eine Liste der Erbmerkmale.

Mutterkuhhaltung, Griesbachhof, v.l. Rafael Br￯﾿テ￯ᄒᄐtsch, Jakob Br￯﾿テ￯ᄒᄐtsch, Mittwoch, 16.04.2026, Schaffhausen (Roger Hofst
Wie sein Vater Chöbi (r.) ist auch Rafael Brütsch leidenschaftlicher Biobauer.

Die Rassennorm wird vom Rassenverband festgelegt. Das Verhältnis zwischen der Höhe des Tieres und dessen Länge muss stimmen. Das Euter darf nicht zu gross sein, und die Zitzen sollten etwa fünf Zentimeter lang und leicht zylindrisch sein, damit das Kalb gut ansetzen kann. Die Beine müssen kräftig sein und den Körper auch an stotzigen Hängen sicher tragen können. Insgesamt muss das Tier ein harmonisches Ganzes sein. Zudem muss die Zusammensetzung der Milch stimmen, denn nur so kann ein Kalb ausschliesslich mit Muttermilch aufwachsen und auch der Fleischansatz muss so sein, dass er vermarktet werden kann. Der Zuchtstandard wird vom Verband gelegentlich angepasst.

Mutterkuhhaltung, Griesbachhof, Mittwoch, 16.04.2026, Schaffhausen (Roger Hofstetter/Schaffhauser Nachrichten)
Unterwegs in Richtung Weide.

So hat Kuh Ameli 2013 für ihre Widerristhöhe nicht besonders viele Punkte erhalten; heute, wo man lieber wieder etwas kleinere Tiere hat, bekäme sie mehr Punkte. Sie lebt mit ihren 13 Jahren noch immer in der Herde auf dem Griesbacherhof.

Im Alpenraum zu Hause

Ganz wichtig bei der Mutterkuhhaltung ist auch der Charakter der Tiere. Braunvieh ist eine gmögige Rasse, die Tiere sind friedlich und reagieren gelassen. Trotzdem sollte man als Spaziergänger oder Wanderin dem herzigen Kälbli nicht zu nahe kommen, denn Braunviehmütter sind sehr fürsorglich und verteidigen ihr Kalb, wenn es sein muss.

Braunvieh ist genügsam und an die voralpinen und alpinen Gegebenheiten sehr gut angepasst. Deshalb hat sich das Braunvieh schnell verbreitet und ist auch in Vorarlberg, im Allgäu, in Schwaben, in der Obersteiermark und im Tirol heimisch geworden.

Mutterkuhhaltung, Griesbachhof, Mittwoch, 16.04.2026, Schaffhausen (Roger Hofstetter/Schaffhauser Nachrichten)
Das Kälbchen is noch ganz jung, daher das graue Fell.

Auf den humusarmen, grienigen Randen Kalkböden rund um den Griesbach wächst längst nicht alles, Ökowiesen hingegen gedeihen gut. Original Braunvieh ernährt sich problemlos vom mageren Ökoheu und von Klee. Kleekulturen binden Stickstoff aus der Luft, die Knöllchenbakterien wandeln den Luftstickstoff mit speziellen Enzymen in eine für die Pflanzen verwertbare Stickstoffverbindung um, und Stickstoff bleibt als Dünger für die nächste Kultur im Boden. In der Landwirtschaft hängt alles mit allem zusammen, man kann nicht einen Aspekt alleine betrachten. Braunvieh braucht weder Kraftfutter noch sonstige Zusätze und gibt ein gesundes, nährstoffreiches Fleisch, das bei hiesigen Grossverteilern als «Natura-Beef» respektive «Weide-Beef» angeboten wird.

Im Sommer auf der Alp

Die Herde von Rafael Brütsch geht jedes Jahr für 100 Tage auf eine Alp im St. Galler Weisstannental. Die weiteste Strecke fahren die Tiere im Tiertransporter, in den sie ohne grosse Komeedi einsteigen. Die alperfahrenen Kühe gehen voraus, die anderen Tiere folgen. Auf gehts in die Sommerferien! Alpabfahrt ist traditionell am Bettag, da gehen die Tiere dann die sechs Stunden bis ins Tal zu Huf. Kein Problem für ein Original Braunvieh. Für z’Alp tragen die Rinder eine Weidschelle, eine kleine Glocke, an die sie schon auf dem Griesbacherhof gewöhnt werden.

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