[email protected] Mo 26.01.2026 - 09:41 "Das änderte sich in den 60er-Jahren, als wieder Gastarbeiter nach Singen kamen, aber dieses Mal freiwillig". Einer dieser "Gastarbeiter" war mein Vater. 1962 kam er nach Singen, aber ganz freiwillig war das nicht. Die Armut im Süden Italiens trieb viele junge Männer in Italiens Norden oder noch weiter, in die Schweiz, nach Deutschland. Männer, die in ihrem bisherigen Leben kaum ihr Dorf verlassen hatten, stiegen in Züge, fuhren tagelang in eine unbekannte Zukunft. Manchmal versuche ich mir vorzustellen, was sie gefühlt haben, wie ihre Mütter gelitten haben - und doch mussten sie ihre Söhne ziehen lassen. Telefon gab es nicht, ab und zu mal ein Brief. Wie viele Gebete schrien sie gen Himmel. In der GF war die Arbeit schwer, viele Männer opferten nicht nur ihre Kraft, sondern auch ihre Gesundheit - und doch: Die GF gab ihnen eine Zukunft, die Möglichkeit, in der Heimat der Familie zu helfen, sich etwas aufzubauen. Und viele gingen zurück, so auch mein Vater, aber bei ebensovielen zerriss die Familie, wieder Trennung, Kinder, die in Deutschland blieben, Enkel, die ihre Grosseltern kaum kannten. Die Geschichte endet nicht mit den Jahren als "Gastarbeiter", die Folgen haben Einfluss auf die nachgekommenen Generationen. Es ist traurig, wenn ein Land seinen Jungen keine Zukunft bieten kann, und wieder reist der Grossteil einer Generation aus ... die wenigsten freiwillig... Grazia Barbera